Anleihen-Handel: Anleger wieder entspannter


10.02.20 10:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Coronavirus und die möglichen Auswirkungen auf die chinesische Konjunktur lösen gegenwärtig an den Finanzmärkten zwar Unruhe aus, so die Deutsche Börse AG.

Hinsichtlich der vermutlich recht hohen wirtschaftlichen Folgeschäden für das erste Quartal würden sich Anleger eher entspannt geben und auf anschließende Nachholeffekte vertrauen. Die Chinesische Zentralbank werde es schon richten. Nach dem Corona-Peak, den Mediziner noch in diesem Monat erwarten würden, werde Peking finanzielle Unterstützung für die Bereiche Einzelhandel, Logistik, Verkehr und Tourismus zur Verfügung stellen. Zudem folge vermutlich am 20. Februar zwecks Ankurbelung der Kreditvergabe eine Leitzinssenkung plus eine Lockerung der Reserveanforderungen für Banken.

Unternehmensanleihen würden nach Ansicht von Arthur Brunner von der unübersichtlichen Gemengelage profitieren. Zu den Anleger-Favoriten zähle der ICF Bank-Händler eine neue, 50 Millionen Euro schwere Mutares-Anleihe (ISIN DE000A254QA9 / WKN A254QY) mit variablem Zinssatz. "Die Umsätze sind sehr gut." Ausgegeben worden sei der Wert zu 100 Prozent und notiere aktuell bei 102,35 Prozent.

Starke Kaufnachfrage verbuche Brunner auch in einer im Dezember 2024 fälligen Wandelanleihe (ISIN DE000A254NA6 / WKN A254NA) von Preos Real Estate mit einem Kupon von 7,5 Prozent. Im Wochenverlauf habe der Bond um 2,5 Prozent auf 99,89 Prozent zugelegt.

Überdurchschnittlich viele Zu- und Abflüsse gebe es in einer mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten Aurelius Equity Opportunities-Anleihe (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3), die im Dezember 2024 fällig werde. Der Vorwurf einer Bilanzmanipulation seitens eines unbekannten Analysehauses Ontake Research habe zunächst einen Kurssturz der Aurelius-Aktie ausgelöst und Abgaben bei den Anleihen ausgelöst, wie Brunner ausführe. "Nach der Leerverkaufsattacke legte der Bond wieder zu." Von der BaFin habe es geheißen, dass die Veröffentlichung von Ontake Research gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoße. Das Unternehmen sei bei der Behörde gar nicht registriert.

Zu den beliebtesten Unternehmensanleihen bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank zähle Gregor Daniel eine 450 Millionen Gulden schwere, 1996 emittierte Aegon-Anleihe, die nominal jährlich 4,260 Prozent abwerfe. "Das ist unser Umsatzspitzenreiter auf der Kaufseite."

Eine unbegrenzt laufende CoCo-Anleihe (ISIN DE000DB7XHP3 / WKN DB7XHP) der Deutschen Bank mit einem Kupon von 6,0 Prozent komme laut Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank bei Anlegern ausgesprochen gut an. Auf Wochensicht habe der Wert von unter 100 auf 102 Prozent zugelegt. "Das liegt an der festen Aktie der Deutschen Bank." Nach der Meldung vom 06.02. über den Einstieg des Großinvestors Capital Group bei dem Geldhaus habe die Aktie eine Rally hingelegt.

Überwiegend Gewinnmitnahmen gebe es Daniel zufolge in Griechenland-Bonds. Stellvertretend für die Papiere nenne der Händler ein bis 2023 laufendes Papier (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) mit einem Kupon von 3 Prozent. "Nach der Umschuldung sind die Werte gut gelaufen." Demgegenüber halte sich das Interesse an der jüngsten Emission aus Athen (ISIN GR0128016731 / WKN A28S0H) in Grenzen. "Der Kupon von 1,875 Prozent ist für Privatanleger eher unattraktiv", begründe Daniel, der das Risiko damit nicht adäquat vergütet sehe. Immerhin stufe Moody's die Anleihe mit B1 und damit als risikoreich ein. "Jeder muss sich aber selbst ein Bild darüber machen."

Trotz bereits außergewöhnlich guter Performance von Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr sehe Roland Hausheer von Swisscanto Invest für das High Yield-Segment auch für dieses Jahr einen positiven Verlauf. Unter anderem unterstützten nach wie vor die Wertpapierkäufe der Notenbanken und die Nachfrage nach höherrentierlichen Wertpapieren. Die Ausfallrate von US-amerikanischen High Yield-Anleihen belaufe sich derzeit auf 3,1 Prozent und liege damit unter dem langfristigen Durchschnitt von 3,46 Prozent. In Europa sehe Hausheer die Ausfallquote ein weiteres Jahr um 2 Prozent verharren. (Ausgabe vom 07.02.2020) (10.02.2020/alc/a/a)





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