Bank of England: Leitzinsen abermals um 50bp angehoben


22.09.22 16:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat heute erwartungsgemäß beschlossen, die Leitzinsen im Vereinigten Königreich weiter zu erhöhen, so die Analysten der Nord LB.

Der maßgebliche Leitzins - die Bank Rate - sei abermals um 50bp auf nun immerhin schon 2,25% angehoben worden. Einige Marktteilnehmer hätten allerdings mit noch mehr Aktivität bei der Bank of England gerechnet und auf einen "großen" Zinsschritt von +75bp gehofft. Diese Erwartungen seien nun enttäuscht worden. Folgerichtig sei die heutige Zinsentscheidung in London auch nicht wirklich hilfreich für die Währung Großbritanniens.

Im Monetary Policy Committee habe einmal mehr keine Einstimmigkeit erzielt werden können. Heute habe sich sogar ein recht komplexes Abstimmungsverhalten gezeigt. Mit Swati Dhingra habe sich eine Entscheidungsträgerin für einen Zinsschritt um lediglich 25bp ausgesprochen. Dagegen hätten David Ramsden, Catherine Mann und Jonathan Haskel eine Zinsanhebung um 75bp favorisiert. Das Ergebnis laute somit 5:3:1 für +50bp.

Das Abstimmungsverhalten im Monetary Policy Committee zeige sehr die extrem unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der geldpolitischen Pläne der britischen Notenbanker sehr klar auf. Diese Nachricht trage sicherlich nicht zu weniger Unsicherheit an den Märkten bei. Dieser Tatsache sei man sich in London aber wohl bewusst. Dennoch habe man sich nicht zu einem Kompromiss durchringen können, der in diesen turbulenten Zeiten für alle Mitglieder des Entscheidungsgremiums mittragbar gewesen wäre.

Absehbar sei zudem, dass sich das Abstimmungsverhalten in den kommenden Sitzungen wahrscheinlich eher noch uneinheitlicher präsentieren dürfte. So sei in der näheren Zukunft damit zu rechnen, dass die eine oder andere weitere Taube im Monetary Policy Committee gegen "zu" offensive Zinsanhebungen votieren werde.

Die aktuelle Forward Guidance der Notenbank halte den Verantwortlichen innerhalb der Bank of England weiterhin alle Möglichkeiten offen. Dies sei - auch angesichts des heutigen Abstimmungsverhaltens - keine große Überraschung. Allerdings zeige man schon die Bereitschaft, bei Bedarf kraftvoll auf überraschend unerfreuliche Inflationsdaten zu reagieren. Jedoch würden die Inflationsprojektionen der Bank of England inzwischen ein etwas weniger problematisches Preisumfeld signalisieren. Hohe Inflationsraten würden nach Auffassung der Notenbank aber zunächst dennoch ein sehr großes Problem bleiben.

Fazit: Die Bank of England habe die Leitzinsen am aktuellen Rand abermals um 50bp angehoben. Die Notenbank hätte nach Auffassung einiger Marktteilnehmer durchaus kräftiger agieren können. Insofern helfe der heute verkündete Zinsschritt dem Pfund nicht wirklich - zumal die US-Zentralbank erneut den Einsatz erhöht habe; so sei die FED Funds Target Rate anlässlich der jüngsten FOMC-Sitzung wieder um 75bp angehoben worden. (22.09.2022/alc/a/a)