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Covered Bonds: Ein Debüt im EUR-Subbenchmarksegment - POP Mortgage Bank stellt eine Platzierung in Aussicht


23.06.22 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Dem EUR-Subbenchmarksegment steht ein weiteres Debüt ins Haus, so Melanie Kiene, CIIA, und Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

So habe hier die finnische POP Mortgage Bank eine Covered Bond-Platzierung in Aussicht gestellt. Das erwartete S&P-Rating werde im Presale Ratingbericht mit AAA angegeben. Informationen zur Emittentin sowie zur übergeordneten POP Bank Group würden sich der aktuellen Investorenpräsentation aus dem Juni 2022 entnehmen lassen. Wir begrüßen den nahenden Neuzugang im EURSubbenchmarksegment und sehen uns abermals in unserer Einschätzung bestätigt, dass dieser Covered Bond-Teilmarkt für diejenigen Emittenten eine sinnvolle Alternative darstellt, die nicht regelmäßig mit einer Benchmarksize am Markt aktiv sein können, so die Analysten der NORD/LB.

Mitte letzter Woche habe die Ratingagentur Scope eine Analyse zum deutschen Häusermarkt veröffentlicht und insbesondere auf die gestiegenen Hypothekenzinsen hingewiesen, die derzeit auf das höchste Niveau seit zehn Jahren geklettert seien. Ein Einbruch der Immobilienpreise würde jedoch nicht erwartet. Gleichwohl müsse die konjunkturelle Entwicklung im Auge behalten werden. Sollten die Kreditinstitute den Hauskäufern andererseits über gelockerte Finanzierungsstandards mehr Freiräume schaffen, könnte dies die Preise sogar noch weiter antreiben.

Der Scope-Analyse folgend, würden einige deutsche Haushalte unter Druck geraten, was neben den gestiegenen Langfristzinsen für Hypothekenkredite (bei nunmehr rund 3%) auch auf die rasant gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie zurückzuführen sei. Damit bleibe unter dem Strich weniger Geld für den Wohnungsbau übrig. Gleichzeitig seien die Preise für Wohnraum seit 2013 um 80% gestiegen, während das Einkommen im selben Zeitraum nur um 25% zugelegt habe. Scope rechne daher insgesamt damit, dass es zwar zu sinkenden Transaktionszahlen und stagnierenden nominalen Preisen kommen werde, jedoch nicht zu einem regelrechten Einbruch, was auch mit einem Unterangebot an Wohnraum - vorwiegend in den Ballungsräumen - erklärt werde.

Ein weiterer Faktor, welcher den deutschen Immobilienmarkt stützt, ist die Tatsache, dass hierzulande überwiegend festverzinsliche Darlehen mit längerer Laufzeit abgeschlossen wurden, so die Analysten der NORD/LB. Somit seien Kreditnehmer widerstandsfähiger gegen Zinserhöhungen. Erst bei einer schweren Rezession gepaart mit höherer Arbeitslosigkeit, Kreditausfällen und Zwangsverkäufen sähe Scope einen Einbruch der Immobilienpreise. Als sehr wahrscheinlich würden die Bonitätswächter dieses Szenario jedoch nicht einschätzen.

Die am 8. Juli 2022 in krafttretende Covered Bond Richtlinie (CBR) führe auch bei der LCR bzw. LCR-Fähigkeit von Covered Bonds (sowohl bei bereits ausstehenden als auch bei neu zu emittierenden Bonds) zu Änderungen. So müssten die Emittenten unabhängig von der Jurisdiktion gewisse Vorgaben aus der CBR erfüllen, um für europäische Banken im Rahmen der LCR anrechenbar zu sein. Dies betreffe insbesondere die Emittenten aus Drittländern, da die EU-Länder ohnehin die Richtlinie national umsetzen würden, sodass sie für diese Emittenten verpflichtend werde.

So müssten auch Nicht-EU-Emittenten zukünftig die Transparenzanforderungen aus dem Artikel 14 CBR erfüllen. Zu den zusätzlichen Angaben würden u.a. eine ISIN-Liste für alle unter dem Programm emittierten Bonds, Angaben zur Bewertungsmethode sowie zu Kredit- und Liquiditätsrisiken oder auch die Höhe der erforderlichen und verfügbaren Deckung sowie die Höhe der gesetzlichen, vertraglichen und freiwilligen Übersicherung zählen. Aus unterrichteten Kreisen sei zu vernehmen, dass die Emittenten aus Singapur an der Umsetzung der erweiterten Transparenzvorgaben arbeiten würden. Da sowohl in Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland der Covered Bond-Markt (in Euro) eine relevante Größe hat, rechnen wir mittelfristig mit einer Umsetzung, da europäische Banken als Investor zumindest teilweise nicht mehr zur Verfügung stünden, so die Analysten der NORD/LB.

Nachdem die Umsetzung von Basel III aufgrund der Pandemie verschoben worden sei, hätten in den letzten Monaten wieder Beratungen auf europäischer Ebene stattgefunden. Auch um dem Rechnung zu tragen, greifen wir an dieser Stelle nochmals eine Stellungnahme des vdp aus dem Juni auf, welche kompakt die weiterhin vorherrschenden Herausforderungen, denen sich insbesondere Banken mit größeren Immobilienportfolien ausgesetzt sehen, widergibt, so die Analysten der NORD/LB.

Der vdp übe in dem Statement insbesondere Kritik an dem Anfang Juni vorgelegten Bericht im ECON zum Bankenpaket. Dieser bleibe weit hinter dem Gesetzesentwurf der EU-Kommission zurück und sehe zusätzlich zahlreiche weitere Verschärfungen vor, die zu einer deutlichen Mehrbelastung der Kreditwirtschaft führen würden. Außerdem würde es sogar zu einer Übererfüllung der Baseler Vorgaben kommen, da teils noch schärfere Vorgaben gefordert würden. Der Berichterstatter des EU-Parlaments fordere in seinem Bericht z.B., dass die erleichternden Übergangsregelungen bei Wohnimmobilienfinanzierungen und die Unterstützung von Infrastrukturfinanzierungen an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft werden sollten. Damit würde jedoch nicht das Risiko einer Finanzierung im Fokus stehen, sondern der politische Wille, was in den Augen der Analysten der NORD/LB nicht zielführend ist.

Sowohl aus dem Kommissionsentwurf als auch aus dem Bericht des EU-Parlamentsberichterstatters gehe hervor, dass Banken, die interne Risikomodelle nutzen würden, von massiv steigenden Kapitalanforderungen betroffen wären. Wenig verständlich sei daran insbesondere, dass dieser Effekt bei risikoarmen Geschäften stärker wirke - was daher auch die Immobilienfinanzierung treffe. Es wäre nicht ausgeschlossen, dass es zu Verlagerungen der Geschäftstätigkeit komme. So könnten Banken gegebenenfalls künftig mehr Risiken eingehen, weil dafür weniger Eigenkapital zu hinterlegen wäre und mehr Erträge zu verdienen seien oder Geschäfte außerhalb der Bilanz refinanziert würden. Ebenso wäre es denkbar, dass Finanzierungen verstärkt vom weniger strikt regulierten Nicht-Bankensektor übernommen würden, was einer Stabilität des Finanzsektors entgegenstehen würde.

In den zukünftigen Gesprächen auf EU-Ebene plädiere der vdp dafür "die erwarteten Belastungen für Immobilienfinanzierer spürbar zu reduzieren". Ein Vorschlag laute, die "Andersbehandlung der besonders risikoarmen Wohnimmobilienfinanzierung nicht nur temporär bis 2032, sondern dauerhaft anzuwenden - und auf ebenso risikoarme Gewerbeimmobilienfinanzierungen auszuweiten". (Ausgabe 21 vom 22.06.2022) (23.06.2022/alc/a/a)