Globale Inflationskrise höher und länger anhaltend


06.12.21 16:30
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die ganze Welt stöhnt gegenwärtig unter einer Inflationskrise, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Nicht nur in den hochentwickelten Ländern, auch in den Schwellenländern würden die Preise steigen. Zum Teil sei das die Folge der Pandemie, die die ganze Welt erfasst habe, zu einem großen Teil aber die Konsequenz einer ultra-expansiven Geldpolitik der Zentralbanken bei gleichzeitig absurd hoher Verschuldungspolitik der Regierungen.

Bei steigenden Teuerungsraten sei es nach langjährigen Erkenntnissen der Volkswirtschaft angebracht, die Zinsen durch die Zentralbanken zu erhöhen die Liquiditätsversorgung zur verknappen. Bei steigenden Geldmarktzinsen würden auch die Rentenrenditen klettern. Dann werde das Verschulden bei Banken und den Finanzmärkten immer teurer, und es lohne sich nicht mehr, durch höhere Verschuldung die grassierende Inflation zu übertreffen. Investitionen in Kapazitätserweiterungen würden sich dann nicht mehr lohnen; Investitionen zur Rationalisierung stoßen an Grenzen, wenn die Gesamtnachfrage falle. Auch die Neuverschuldung der Regierungen werde zur Bekämpfung der Inflation eingesetzt. Alte Schulden würden zurückbezahlt, Steuern würden erhöht, staatliche Ausgaben überprüft. Doch wie sei die gegenwärtige Realität? Die Zentralbanken würden an ihrer Geldpolitik festhalten, ZIRP und NIRP würden die Kreditaufnahme fördern. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.

Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Habenzinsen, die niedriger seien als die Inflationsrate, würden die Sparer"bestrafen". De facto finde eine Enteignung statt. Manager von Kapitalsammelstellen würden in immer riskantere Anlagen investieren, um wenigstens ein paar Zinseinnahmen zu generieren. Für einen Finanzminister sei es erheblich leichter, im Parlament eine höhere Neuverschuldung durch Anleiheemissionen durchzusetzen als eine Mehrheit zu finden für Sparmaßnahmen und Ausgabenkürzungen.

Dadurch werde der Handlungsspielraum für die Finanzpolitik immer kleiner. Die steigende Staatsverschuldung erhöhe den Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen). Dies führe automatisch zu einer Überschuldungskrise. Beispiele hierfür aus der Vergangenheit gebe es genügend. Und wer finanziere die steigende Staatsverschuldung? Das seien die Zentralbanken, die durch Ankäufe von im Markt befindlichen Anleihen die erforderliche Liquidität zur Verfügung stellen und gleichzeitig das Renditeniveau senken statt erhöhen würden. Die sogenannte "Überschussliquidität", die über den konjunkturbedingten Bedarf der Banken hinausgehe, fördere die Inflation zusätzlich.

Der stärkste Auftrieb der Inflation gehe gegenwärtig von den Energiekosten aus. Die Argumente für eine baldige Beruhigung bei den Energiekosten würden sich im Wesentlichen auf die Basiseffekte stützen, die ab dem Frühjahr für eine Abnahme des Anstiegs gegenüber dem Vorjahr sorgen würden. Hinsichtlich des Klimaschutzes ergebe sich der Eindruck, dass die einzelnen Parteien in den Ländern doch auf mehr Klimaschutz achten würden, sodass im Laufe der Zeit einige Teilerfolge erzielt werden könnten. Dies aber werde zweifellos Geld kosten. Neue Energiequellen seien zu erschließen, Produktionsprozesse müssten umgestellt werden, Konsumenten müssten ihre bisherigen Verbrauchsgewohnheiten ändern. Energie sei gegenwärtig einfach noch zu preiswert, um schnelle Erfolge zu erzielen. Höhere Kosten aber würden höhere Inflation bedeuten. Und diese würden sich auch nicht durch Basiseffekte aus der Welt schaffen lassen.

Folgerung: Der Inflationsdruck könnte stärker ausfallen und länger anhalten als bisher allgemein angenommen. Die Zentralbanken würden aber in einer Falle sitzen und der Entwicklung hinterherhinken.

Dispositionen: Festverzinsliche mit mittleren bis längeren Laufzeiten abbauen. Aktien aus den Bereichen erneuerbare Energien und Wasserstoff-Technologien bevorzugen. Ansonsten Teilrealisationen. Die derzeitige Schwäche der Edelmetalle für lukrative Zukäufe nutzen. (06.12.2021/alc/a/a)





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