Die Inflation bedroht die Märkte - aber nur kurzfristig


22.03.21 15:00
Lyxor Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Auf kurze Sicht könnte die Inflation zurückkehren - zu dieser Einschätzung kommt Lyxor Asset Management.

Folgende Gründe sprächen für einen kurzfristigen Anstieg der Inflation: Die Rückkehr des Wirtschaftswachstums erfolge mit hohem Tempo; es gebe mittlerweile zufrieden stellende Impfraten; in den USA und Europa würden hohe Stimulus-Maßnahmen erfolgen; die Rohstoffpreise würden steigen; im Zusammenhang mit globalen Handelskriegen komme es zu Unterbrechungen in den Lieferketten. Diese vorübergehenden Faktoren könnten die Gesamtinflation in den nächsten Quartalen in den USA auf über 3 Prozent und im Euroraum auf über 1,5 Prozent treiben.

Für Philippe Ferreira, Senior Cross-Asset Stratege bei Lyxor Asset Management, stehe gleichzeitig fest, dass dieser Inflationsdruck jedoch durch eine Reihe von Faktoren gedämpft werden dürfte: "Die Gehälter sind der wichtigste Indikator für die langfristige Inflation", sage Ferreira. "Aber im Moment gibt es sowohl in den USA als auch in Europa eine hohe Arbeitslosigkeit und damit eine erhebliche Reserve an Arbeitskräften - dies dürfte das Gehaltsniveau begrenzen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Gehälter steigen werden", so Ferreira. Hinzu komme: "Das hohe Niveau in puncto technischem Fortschritt und Innovation, gepaart mit demografischen Entwicklungen wie einer alternden Bevölkerung, wird den Inflationsdruck mittel- bis langfristig ebenfalls begrenzen", füge Ferreira hinzu.

Was bedeute das für die Märkte? Die Märkte würden zu einer kurzfristigen Betrachtung - und Inflationssorgen neigen, wenn sie sich noch nicht in den Fundamentaldaten widerspiegeln würden, seien bereits in einer höheren Inflationserwartung reflektiert. Deren Rate habe sich beispielsweise in den USA der Marke von 2,5 Prozent genähert, dem höchsten Stand seit 2008.

"Die Risikoszenarien haben sich seit Anfang des Jahres rasant entwickelt", sage Florence Barjou, Chief Investment Officer von Lyxor Asset Management. "Die Impfungen schreiten schnell voran - zumindest außerhalb Europas -, das Wirtschaftswachstum ist viel höher als erwartet, und die hohen Stimulanzien deuten alle auf Inflation hin." Die Auswirkungen auf die Märkte seien erheblich und die Angst vor einer Rückkehr der Inflation spiegele sich in steigenden langfristigen Zinsen wider, was wiederum auf die Aktienmärkte übergeschwappt sei.

"Wir sind zu einer Phase der positiven Korrelation zwischen Anleihen und Aktien zurückgekehrt. Auch wenn diese Phasen einer positiven Korrelation in der Regel vorübergehend sind, können sie beim Management diversifizierter Portfolios eine Herausforderung darstellen", so Barjou. "Wir richten deshalb den Blick auf temporäre Absicherungen, wie zum Beispiel die Reduzierung von Exposure und das Hinzufügen von Konvexität. Außerdem diversifizieren wir die Portfolios in Richtung von Segmenten, die bei steigenden Zinsen tendenziell eine Outperformance erzielen, wie europäische Aktien oder Value-Titel. Zyklische Rohstoffe sollten sich ebenfalls als Unterstützung erweisen."

"Das Wachstum kehrt Schritt für Schritt zurück, und die Zentralbanken deuten immer mehr an, dass eine Rückkehr zur Normalität mit etwas höheren Zinsen einhergehen wird", ergänze Barjou. "Die Zentralbanken werden die Markterwartungen und den Übergang von der Krise zur Normalisierung managen müssen. Unterstützende Finanz-Konditionen sind immer noch erforderlich, aber das Wachstum kehrt zurück. Und es ist wenig überraschend, dass dies die Zinsen nach oben treiben dürfte. Wir behalten unsere Präferenz für Aktien bei und haben zyklische Sektoren und Value-Anlagen neu gewichtet. Wir bleiben auch in wachstumsbezogenen Rohstoffen engagiert und in Anleihen untergewichtet." (22.03.2021/alc/a/a)