Die Inflation wird längerfristig auf einem hohen Niveau bleiben


28.07.21 09:00
WisdomTree Europe

London (www.anleihencheck.de) - Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree, kommentiert im Folgenden die Inflationsentwicklungen in den USA und Europa und geht dabei auf die Absicherung des Portfolios durch Rohstoffe ein.

Die Inflation werde zu einem Dauerthema, das möglicherweise nicht so kurzfristig ausfalle, wie der Markt erwartet habe. Die Kerninflation, zu der Lebensmittel- und Energiepreise nicht mitgezählt würden, habe sowohl bei den Verbraucher- als auch bei den Produktionsdaten über den Erwartungen gelegen. Demzufolge scheinen neben den volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreisen weitere Faktoren diesen Trend anzutreiben, so die Experten von WisdomTree. Einige Titel hätten für einen Preisschock gesorgt: So seien die Preise für Gebrauchtwagen im Monatsvergleich um 10,5 Prozent gestiegen (45,2 Prozent im Jahresvergleich). Da die Federal Reserve (FED) im vergangenen Jahr ihr Ziel angepasst habe, um die durchschnittliche und nicht nur die punktuelle Inflation zu betrachten, dürften höhere Inflationsraten in den USA toleriert werden. Zusammengefasst bedeute dies, dass die Zentralbank eine höhere Inflation zulassen werde, um Phasen mit einer niedrigeren Inflation auszugleichen.

In Europa hätten sich die monetären Spielregeln verändert: Die Europäische Zentralbank (EZB) habe ihr Inflationsziel angepasst. Zukünftig werde sie die Inflation von zwei Prozent als Richtwert und weniger als Obergrenze betrachten. Dies bringe die Zentralbank in Einklang mit der FED. Phasen, in denen die Inflation unter zwei Prozent liege, würden demzufolge durch Phasen ausgeglichen, in denen die Inflation über zwei Prozent liege.

Während die steigende Inflation die geldpolitische Lockerung antreibe, könnten zunehmende Covid-Fälle die Zentralbank davon abhalten, vorzeitig auf die Bremse zu drücken. Selbst die Andeutung, die Bremse zu drücken, könnte in der Zeit der erhöhten Sensibilität vonseiten der Anleger gegenüber der geldpolitischen Leitlinie der FED tabuisiert werden. Jerome Powell, Vorsitzende der FED, habe gesagt, dass er sich zwar unwohl fühle, wenn die Inflation deutlich über dem Zielwert liege, es aber ein Fehler wäre, zu früh zu reagieren. Als Ursache für die Inflation habe er pandemiebedingte Engpässe genannt. Seiner Ansicht nach dürften diese Engpässe vorübergehender Natur sein. Das spiele die zunehmende Nachfrage herunter, die vermutlich zur Inflation beitrage und die weniger vergänglich sein dürfte.

Die 10-jährigen Breakeven-Raten (ein Indikator für die Inflationserwartungen) würden erneut steigen, nachdem sie im Mai 2021 ihren Höhepunkt erreicht hätten. Weitere Kennzahlen für Inflationserwartungen könnten zudem unter Aufwärtsdruck geraten. (28.07.2021/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
7,40 % 7,30 % 0,10 % +1,37% 19.05./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
7,40 % 2,30 %