Der Kampf gegen die Inflation kann unterschiedlich ausgehen


24.01.23 10:30
Capital Group

Los Angeles (www.anleihencheck.de) - Die weitere Zinsenentwicklung und die Hartnäckigkeit der Inflation, dies sind laut Henning Busch, Managing Director bei Capital Group entscheidende Fragen für Anleger in 2023.

Trotzdem sei diese, laut dem Experten, nicht leicht zu beantworten: "Viele Faktoren spielen eine Rolle, auch die Anlegerpsychologie", erläutere der Experte. "Wenn die Notenbanken weltweit eine unterschiedliche Geldpolitik verfolgen, müssen wir verschiedene Szenarien betrachten, statt uns auf eine Möglichkeit zu beschränken."

An den Märkten scheine man zwar von einer weichen Landung auszugehen, doch laut Busch könnte dies zu optimistisch sein. Als die FED im November zum vierten Mal in Folge die Leitzinsen um 75 Basispunkte angehoben habe, hätte Chairman Jerome Powell gewarnt, dass "die Zinsen am Ende vielleicht höher sein werden als erwartet". Mit ihrer Zinserhöhung um nur 50 Basispunkte habe sich die FED im Dezember zwar zurückgehalten, aber keinen Zweifel an weiteren Zinsschritten gelassen. Am Ende könne der Leitzins sogar über fünf Prozent liegen. Solch höhere Zinsen und eine nicht enden wollende Inflation könnten die US-Wirtschaft 2023 in eine Rezession treiben. "Wahrscheinlich geht die Teuerung schon wieder zurück, aber sie dürfte noch lange über dem Zwei-Prozent-Ziel der FED liegen. Die Unternehmensgewinne könnten 2023 daher um 15 bis 20 Prozent fallen."

In Europa, wo die Rezession vielleicht schon begonnen haben könnte, dürfte sich die Lage ebenfalls weiter verschlechtern. Busch verweise auf die Energieknappheit und den Krieg in der Ukraine. In China könnte das Wachstum ebenfalls stark nachlassen, bevor sich die Wirtschaft dank neuer Konjunkturprogramme in der zweiten Jahreshälfte 2023 wieder erholen könne.

Zwar werde die Inflation in den USA, Europa und Japan vermutlich stagnieren, wenn nicht sogar schrumpfen. Trotzdem hätten die Notenbanken gegen die höchste Teuerung seit 40 Jahren gekämpft, die Nachfrage nach zinssensitiven Anlagen wie Immobilien sei bereits gefallen.

"In den nächsten Monaten werden wir die Folgen der Zinserhöhungen zu spüren bekommen. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, es werden weniger Stellen angeboten, und die Einzelhandelsumsätze werden fallen", analysiere der Experte. "Wenn sich die US-Wirtschaft abschwächt, wird die FED die Zinsen wohl nicht mehr so stark anheben. Ich fürchte allerdings, dass die Zinsen schon jetzt zu hoch sind."

Einiges spreche dafür, dass die Inflation in den USA zwar nicht weiter steige, aber auf hohem Niveau stagniere. Die meisten Angebotsfaktoren, die in der Coronazeit für steigende Preise gesorgt hätten, seien weggefallen. "Der Markt könnte allerdings die weltpolitischen Risiken unterschätzen - und die Bereitschaft der Unternehmen, steigende Preise an die Verbraucher weiterzugeben", resümiere Busch. "Ohne eine tiefe Rezession ist es kaum vorstellbar, dass die Inflation 2023 unter das zwei Prozent-Ziel der FED fällt." (24.01.2023/alc/a/a)





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