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Kreditmärkte: Weiche Landung und positivere Haltung der Zentralbanken sind gutes Zeichen


12.02.24 12:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - "Weiche Landungen" sind schwer zu erzielen, es verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass die US-Notenbank dieses Kunststück vollbringen könnte, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Trotz bestehender Risiken seien laut der jüngsten Analyse von Janus Henderson Investors die Kreditmärkte interessant.

Die rückläufige Inflation und die erwarteten Zinssenkungen würden die Renditen sinken lassen und für Unternehmen sei es leichter, sich auf den Kapitalmärkten zu refinanzieren - trotz der nach wie vor strengen Kreditvergabe der Banken.

Die Gewinnrückgänge seien in einer Reihe von Branchen nicht durch ein größeres makroökonomisches oder geopolitisches Ereignis ausgelöst worden. Jedoch würden die Gewinnprognosen darauf hindeuten, dass die Unternehmen die schlimmste Phase hinter sich haben könnten.

Vor diesem makroökonomischen Hintergrund seien die Indikatoren "Zugang zu Kapitalmärkten" und "Cashflow und Gewinne" im letzten Quartal von Rot auf Gelb gesprungen.

Der jüngste Credit Risk Monitor von Janus Henderson Investors verfolgt die fundamentalen und makroökonomischen Unternehmensindikatoren anhand eines Ampelsystems, um anzuzeigen, wo wir uns im Kreditvergabezyklus befinden und wie wir unsere Portfolios entsprechend positionieren können, so die Experten von Janus Henderson Investors.



Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income bei Janus Henderson Investors, kommentiere: "Wir werden oft gefragt, auf welche Signale wir achten. Für uns bleibt die Inflation entscheidend. Zinssenkungen setzen einen Inflationsrückgang voraus. Wenn dieser anhält, können die Zentralbanken die Zinssätze stark senken, was uns zugutekommen wird.

Wir glauben, dass sich die Spreads in den kommenden Monaten verengen werden. Die weiche Landung, die positivere Haltung der Zentralbanken - all das dürfte dies begünstigen. Wir erwarten keine Heldentaten von Unternehmensanleihen, aber wir glauben, dass sie mehr bieten können als nur Kupon oder Carry."

Schuldenlast und -dienst
Leichte Abschwächung der Fundamentaldaten von Krediten


Die meisten Unternehmen könnten ihre Schulden bedienen. Einige würden es jedoch eindeutig nicht schaffen, weshalb die Ausfallquote sowohl in Europa als auch in den USA bei High Yields ansteige. Allerdings halte sich die Verschlechterung der Kreditkennzahlen in Grenzen. Die Ausfallquoten dürften ihren Höchststand auf relativ niedrigem Niveau erreichen, mit einer etwas höheren Ausfallquote in den USA, da der dortige High-Yield-Markt eine geringere Qualität aufweise als der europäische. Schwierigkeiten gebe es vor allem in den Sektoren Immobilien, Telekommunikation, Medien und Pharmazeutika. Veränderte Arbeitsgewohnheiten, Schuldenlasten und höhere Finanzierungskosten würden die Probleme im Immobiliensektor erklären, während der Mediensektor mit der Schwäche der Kabelnetzbetreiber und einer allgemeinen Flaute in der Werbung zu kämpfen habe, auch wenn sich ein ereignisreiches Wahljahr 2024 als förderlich für die Werbeausgaben erweisen könnte.

Zugang zu Kapitalmärkten
Die Kreditkonditionen hätten sich gelockert, trotz der weiterhin strengen Kreditvergabestandards der Banken


Der Renditerückgang gegen Ende 2023 habe zu zahlreichen Emissionen geführt, sowohl von Staaten als auch von Unternehmen. Diese seien von den Märkten, die sich die Renditen hätten sichern wollen, leicht absorbiert worden. Im Unternehmenssektor habe sich dieser Enthusiasmus bis ins Jahr 2024 fortgesetzt und zur Verengung der Spreads beigetragen. Die Experten von Janus Henderson Investors würden davon ausgehen, dass die Zentralbanken in diesem Jahr mit Zinssenkungen beginnen würden. Dies dürfte zur Reduzierung der Finanzierungskosten beitragen, aber eine differenzierte Betrachtung lohne sich. Jeder Hinweis auf einen wirtschaftlichen Abschwung in den USA könnte zu einer Ausweitung der Spreads führen. Die Kreditvergabestandards der Banken sind nach wie vor streng, aber in diesem Kreditzyklus scheinen die Auswirkungen aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Finanzierungen über Privatkredite gemildert worden zu sein, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Cashflow und Gewinne
Konjunkturdaten würden auf eine seltene "weiche Landung" hindeuten


Die weltweite Desinflation, besser als erwartete US-Wirtschaftsdaten und die Bodenbildung bei den Einkaufsmanagerindices in Europa hätten die These untermauert, dass die Zentralbanker die Inflation eindämmen könnten, ohne der Wirtschaft übermäßig zu schaden. Die Wachstumsprognosen für die Gewinne scheinen sich insgesamt stabilisiert zu haben, mit Ausnahme von Großbritannien und China, so die Experten von Janus Henderson Investors. Janus Henderson sei zwar weiterhin besorgt, dass die verzögerten Auswirkungen früherer Zinserhöhungen die Wirtschaft noch belasten könnten, doch dürften die robusten Verbraucher- und Arbeitsmärkte die Unternehmensgewinne stützen.

Auswirkungen auf die Asset Allokation

Eine niedrigere Inflation sei bisher mit unkorrelierten Vermögenswerten in Verbindung gebracht worden, d.h., wenn Risikoanlagen unter Druck geraten würden, würden Anleihen besser abschneiden. Diese wichtige Diversifizierungsdynamik habe in den letzten Jahren gefehlt, was zu einem schlechten Ergebnis für viele diversifizierte Anleger geführt habe. Mit der Normalisierung der Inflation dürfte diese Diversifizierung zurückkehren, was Anleihen wieder attraktiver mache.

Sowohl Investment Grade als auch High Yield seien attraktiv. Investment-Grade-Credit reagiere empfindlicher auf die Duration und habe eine höhere Kreditqualität. Sie dürfte von sinkenden Zinssätzen profitieren und gleichzeitig mehr Schutz in diversen wirtschaftlichen Szenarien bieten. In einem Szenario der "weichen Landung" sollten High Yields gut abschneiden. Die Auswahl einzelner Wertpapiere/Sektoren werde weiterhin eine wichtige Rolle bei der Erzielung attraktiver risikobereinigter Renditen in Credit-Portfolios spielen.

Jim Cielinski füge hinzu: "Da der US-Konsum weiterhin stark ist und der US-Arbeitsmarkt angespannt bleibt, besteht für die Fed keine Dringlichkeit, die Zinsen zu senken. Allerdings liegen die US-Leitzinsen über der Inflation, was bedeutet, dass die Zinssätze nicht so restriktiv sein müssen. Außerdem hat die Fed bereits einen Kurswechsel bei den Leitzinsen signalisiert.

Wir haben Credit leicht übergewichtet und halten eine weitere Verengung der Spreads für wahrscheinlich, sofern sich die Einschätzung einer ‚weichen Landung' bestätigt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob wir bei den Kreditfundamentaldaten die Kurve gekriegt haben. Angesichts der Tatsache, dass die ‚weiche Landung' zu einem harten Aufprall auf der Erde werden könnte, halten wir es für ratsam, sich weiterhin auf Qualitätsunternehmen mit robusten Cashflows zu konzentrieren." (12.02.2024/alc/a/a)