Notenbanken als Metronom der Finanzmärkte


27.06.19 13:30
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Wochen standen die internationalen Kapitalmärkte im Zeichen möglicher Notenbankentscheidungen. Denn sowohl politische Ereignisse als auch Konjunkturdaten und Kommentare führender Notenbanker waren Anlass für Spekulationen bezüglich der weiteren Geldpolitik in Großbritannien, Japan, den USA, der Eurozone und der Schweiz, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.

So habe sich die Bank of America bereits in der Hinsicht geäußert, dass in diesem Jahr noch 14 Zentralbanken die Leitzinsen senken würden. Genannt worden seien in diesem Zusammenhang u.a. USA, China, Russland und Brasilien.

Ob auch die Europäische Zentralbank (EZB) sich zu einem solchen Schritt hinreißen lasse, sei nicht gänzlich unwahrscheinlich. So habe der noch amtierende EZB-Präsident, Mario Draghi, angedeutet, dass die Notenbank vor weiteren Maßnahmen nicht zurückschrecken würde, falls sich der Konjunkturausblick eintrüben sollte. Dies habe er nochmals im Gespräch mit den EU-Staats- und Regierungschefs zum Ausdruck gebracht.

An den Finanzmärkten habe das zu der Erwartung einer Senkung des Einlagenzinses im September und Dezember 2019 um jeweils 0,1 PP und der Einführung eines Staffelzinses geführt, um die Stabilität des europäischen Bankensystems zu gewährleisten. Die von "Super-Mario" hierbei gewählten Worte seien allerdings nicht mit den anderen Ratsmitgliedern abgestimmt gewesen, sodass sich an mancher Stelle Unmut eingestellt habe. Vielleicht habe Mario Draghi aber auch seinem möglichen Nachfolger bereits jetzt die Möglichkeit einer Kurskorrektur erschweren und ihn zur Fortführung seiner Geldpolitik verdonnern wollen. Es sei nicht auszuschließen, dass er sich sogar kurz vor Amtszeitende zu einer nochmaligen Zinssenkung hinreißen lasse und damit seinem Nachfolger Fußfesseln anlegen würde.

Dies hätte auch Auswirkungen auf die Geldpolitik der Schweizerischen Notenbank (SNB), die sich bereits vor Wochen dazu entschieden habe, an ihrer lockeren Geldpolitik mit einem Leitzins von -0,75% festzuhalten. Dieses Niveau werde den Finanzmärkten noch bis mindestens zum Jahresende 2020 erhalten bleiben. SNB-Chef Thomas Jordan habe in diesem Zusammenhang auch die Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt erklärt, um eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des Franken zu verhindern.

Die Bank of Japan (BoJ) fahre unter Haruhiko Kuroda einen ähnlichen Kurs. Auch in Tokio sei man gewillt, an dem Kurs der ultralockeren Geldpolitik festzuhalten und die Zinsen bis mindestens ins Frühjahr 2020 sehr niedrig zu halten. Die "kraftvolle Lockerung" solle geduldig fortgesetzt werden - Optionen seien laut Kuroda noch ausreichend vorhanden.

Mit ganz anderen Problemen habe dagegen Jerome Powell, der Präsident der US-amerikanischen Notenbank (FED) zu kämpfen gehabt, der von seinem Präsidenten in "Erdogan-Manier" immer wieder angegriffen und schon fast zu einer Kehrtwende bei der Zinspolitik genötigt werde. Noch sei der von Donald Trump "Auserlesene" standhaft, aber an den Finanzmärkten werde ein Einknicken vor den Handelskrieg-bedingten wirtschaftlichen Problemen schon eingepreist. Sowohl für September als auch für Dezember werde von den meisten Marktteilnehmern eine Reduzierung um jeweils 0,25 PP erwartet. Jedoch dürfte das Ganze noch keine ausgemachte Sache sein. Denn Jerome Powell habe sich angesichts der Abwärtsrisiken zwar für niedrigere Zinsen ausgesprochen, sei aber nicht näher ins Detail gekommen. Dies habe er u.a. dem St. Louis-FED-Präsidenten James Bullard überlassen, der am Dienstag in einem Interview erklärt habe, dass eine Zinssenkung um 0,5 PP übertrieben sei.

Auch Robert Kaplan, der Chef des FED-Bezirks Dallas habe zur Geduld bei der Zinspolitik gemahnt. Seines Erachtens sei es noch zu früh, um final die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten sowie anderer Unsicherheiten auf das US-Wirtschaftswachstum beziffern zu können. Und deshalb sollte man die Entwicklungen in den kommenden Wochen und Monaten weiter beobachten. Das bedeute aber auch, dass die Kommentare seitens des nebenberuflichen Ökonomen Donald Trump, dem Allwissenden, nicht enden würden. Somit werde auch zukünftig ein Großteil des Gehalts von Jerome Powell eine Leidensprämie sein. Und man dürfe gespannt sein, welche "Geschütze" D.T., der Unberechenbare, in diesem Fall noch auffahren werde.

Entgegen den Zinssenkungsbestrebungen erwarte die Bank of England (BoE) jedoch, die Zinsen in den kommenden Jahren langsam anheben zu können, wenn der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union reibungslos verlaufe. Angesichts der immer noch ungelösten Brexit-Problematik sei der Leitzins bisher nicht angetastet worden, um sich so die Möglichkeit einer Reaktion in beide Richtungen zu erhalten. Denn es sei zu befürchten, dass bei einem nicht auszuschließenden "No-Deal-Szenario" die BoE gezwungen sein werde, gegenzusteuern.

Damals, als sich die Europäische Zentralbank (EZB) aufgemacht habe, ihr umstrittenes Ankaufprogramm OMT ("Outright Monetary Transactions") auf den Weg zu bringen, habe Jens Weidmann ganz alleine gestanden. Der Bundesbank-Präsident sei im September 2012 der einzige wichtige europäische Notenbanker gewesen, der sich gegen diese Maßnahme expansiver Geldpolitik im EZB-Rat gestellt habe.

Damit habe sich Weidmann als Mann mit Prinzipien gezeigt. Ihn habe die Sorge umgetrieben, dass die Geldpolitik ins Schlepptau der Fiskalpolitik geraten könne, habe er nun "Zeit Online" gesagt. Aber, nachdem der Europäische Gerichtshof das Anleihekaufprogramm als rechtmäßig eingestuft habe, sehe er sich daran gebunden. Ob Weidmann damit seine Prinzipien verrate, wie die "Welt" gefragt habe, sei dahingestellt. Fest stehe aber, dass solche Aussagen vor dem Hintergrund des Gerangels um die Chefposten der Europäischen Union (EU) getätigt würden.

Denn nun habe Weidmann, der einer der Kandidaten für die Nachfolge von Mario Draghi an der Spitze der EZB sei, gegenüber seinen Kritikern signalisiert, dass er das OMT-Programm nicht zurücknehmen werde, sollte er denn den EZB-Chefposten erhalten. Seine bisherige Kritik am OMT und die Ablehnung des Einsatzes quantitativer Lockerungen der Geldpolitik (QE) seien vor allem den südeuropäischen EU-Staaten ein Dorn im Auge. So sehe das bislang noch nie eingesetzte Rettungsprogramm OMT vor, im Notfall unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder zu erwerben.

Bei der Bundesbank heiße es nun, Weidmann habe bisher immer ökonomisch und nie rechtlich argumentiert. Bei allem Respekt vor dem Bundesbank-Präsidenten, der als fachliche Spitzenbesetzung gelte, würden solche Deutungsversuche wie eine weichgespülte Version seiner bisherigen Haltung klingen. Ob dies reiche, die Südländer in der EU zu überzeugen, Weidmann mit der Nachfolge des bisherigen EZB-Chefs Mario Draghi zu betrauen, sei offen.

Sollte es aber so weit kommen, werde es ohnehin schwer für den Bundesbanker. Denn Draghi, unter dessen Führung die EZB nur die Zinsen gesenkt, aber nie erhöht habe, habe in der vergangenen Woche nochmals die Muskeln spielen lassen. Im portugiesischen Sintra habe er klar gemacht, dass der EZB alle Mittel zur Verfügung stünden, um ein Absacken der Inflation zu verhindern. Damit habe er die Spekulation auf weitere Zinssenkungen auch unterhalb der Nulllinie eröffnet. Auch einen neuen Anlauf der Nettoankäufe für Staatsanleihen habe der scheidende EZB-Chef nicht ausgeschlossen.

Dabei sei die Neubesetzung der EZB-Spitze ohnehin im Rahmen des Geschachers um weitere Chefposten der EU zu sehen. Der wichtigste davon sei das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wolle im Ringen um die Nachfolge von Jean-Claude Juncker vom sogenannten Spitzenkandidatenprinzip abweichen, was eher nach Hinterzimmer-Diplomatie schmecken würde als nach Respekt vor dem Wählerwillen. Die Chancen des ohnehin als "zu brav" geltenden Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), seien dadurch weiter gesunken. Ihn würde wohl Kanzlerin Angela Merkel bevorzugen, würde es für Deutschland auf die Wahl "Weber oder Weidmann" hinauslaufen.

Natürlich hätte Berlin mit einem EU-Kommissionspräsidenten Weber größeren Einfluss auf langfristige Gesetzgebungsprozesse in der Gemeinschaft. Für den Kapitalmarkt aber wäre ein Mann wie Weidmann an der EZB-Spitze allemal die willkommenere Option. Und dabei werde unterstellt, dass der Bundesbank-Chef ungeachtet aller neuen Rhetorik seine Aversion gegenüber einer extrem expansiven Geldpolitik beibehalten habe.

Es sei eine Frage der Alternativen. Nachdem nun auch zehnjährige französische Staatsanleihen zeitweise unter die Nulllinie gerutscht seien, hätten Investoren auf der Suche nach Engagements, die noch halbwegs Rendite einbringen würden, italienische Staatsanleihen entdeckt. Insbesondere japanische Fonds, die in Bargeld schwimmen würden, hätten hier in den vergangenen Wochen zugegriffen. So sei seit Monatsbeginn die Rendite zehnjähriger Bonds aus Rom um rund 0,5 PP zurückgegangen. Und nachdem die EU-Kommission nun einen Aufschub für Änderungen der italienischen Haushaltspolitik habe durchblicken lassen, drücke die Rendite, die derzeit bei ca. 2,15% liege, weiter in Richtung zwei Prozent. Zum Vergleich: Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell mit -0,285% rentieren.

Allerdings habe Brüssel auch avisiert, dass ein Defizitverfahren gegen Italien ohne weitere Zugeständnisse der Regierung in Rom auf Dauer unvermeidbar wäre. Denn nicht nur Italiens politische Risiken würden ungelöst bleiben, zusätzlich stelle der Mix aus erhöhten Ausgaben, Steuersenkungen und schwachen Wachstumszahlen zunehmend die Tragfähigkeit der italienischen Schuldenlast infrage. Daher dürfte der Höhenflug italienischer Staatsanleihen nur von vorübergehender Dauer sein, sodass es bald wieder zu einem Renditeanstieg kommen dürfte. Der Nachfrage-Schub sollte sich somit als Strohfeuer entpuppen. Es sei denn, die noch italienisch geleitete EZB greife ins Marktgeschehen ein.

Glaube man den Worten von Italiens Vize-Regierungschef Luigi Di Maio, so werde die EU dem Land eine höhere Verschuldung zugestehen - sofern es nötig sei, um Steuern zu senken und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Aktuell liege die Verschuldung des Landes bei 131,2% des BIPs und damit weit über dem erlaubten Maastricht-Kriterium von 60%. Der Schuldenstand des drittgrößten Eurolands gleiche also einer tickenden Zeitbombe. Gleichzeitig zeige die abwartende Haltung der EU, die weitere Schritte vertagt habe, wie wenig Spielraum Brüssel eigentlich habe. Italien habe es auch trotz der bisherigen exorbitanten Verschuldung nicht geschafft, das Wachstum nachhaltig zu steigern. Ob dies ausgerechnet mit seiner aktuellen, populistischen Regierung gelingen möge, dürfe zumindest bezweifelt werden.

Es sei kein Wunder, dass die Unternehmensführer im Lande schlechte Laune hätten. Angesichts des Handelsstreits und der damit verbundenen Strafzölle, dem Brexit oder dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran seien die Konjunkturerwartungen in den Unternehmen weiter gesunken. Dies spiegle sich im ifo-Geschäftsklimaindex wider, der im Juni auf 97,4 Punkte und damit zum dritten Mal in Folge gefallen sei. Die Stimmung in den deutschen Chefetagen habe sich weiter abgekühlt, laute daher das Resümee von ifo-Präsident Clemens Fuest.

Da sei zunächst der unrühmliche Streit der Briten um den Brexit, der nach der Ankündigung des bevorstehenden Rücktritts von Premierministerin Theresa May alles andere als entschärft sei. Zu sehr polarisiere ihr aussichtsreichster Nachfolger, Boris Johnson, die Gesellschaft. Während er für die einen eine Art Messias sei, stelle er für die anderen eine latente Provokation dar. Johnson verspreche den EU-Austritt zum 31. Oktober - ob mit oder ohne Deal. Dass Großbritannien unter May bereits einen Deal mit der EU ausgehandelt habe, ignoriere er einfach, indem er das im Parlament mehrfach abgelehnte Abkommen für tot erkläre. Und dennoch gebe er vor, auf Kooperation mit der EU zu setzen, um gleich hinterherzuschieben, keine harte Grenze zwischen Nordirland und Irland einrichten zu wollen. Wie das mit einem EU- und einem Nicht-EU-Mitglied gehen solle, darüber schweige er sich freilich aus.

Als größtes Risiko für die Weltwirtschaft aber gelte nach wie vor der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Wie sich dieser entwickeln werde, sei noch offen. Immerhin habe am Mittwoch die Aussage des US-Finanzministers Steven Mnuchin, wonach der Deal mit China zu 90% fertig sei, die Aktienmärkte einen kleinen Freudensprung machen lassen. So erwarte das ifo-Institut für die deutsche Wirtschaft auch keine Rezession. Und das obwohl für das laufende Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet werde, nachdem das deutsche Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März noch um 0,4% zugelegt habe. Gemildert werde der Rückgang sicherlich durch die noch - insbesondere in der Bauindustrie - prall gefüllten Orderbücher.

Gefahren für die Weltwirtschaft würden auch von dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ausgehen. Nachdem D. T., der Unberechenbare, kurzfristig doch vor einem Militärschlag zurückgeschreckt gewesen sei, werde es eng, was seine Handlungsoptionen angehe. Ungeachtet des Drucks, den Washington ausgeübt habe, wolle Teheran seine Uranproduktion erhöhen - über das Maß des Atomabkommens hinaus, das die USA gekündigt hätten. Dagegen setze Trump auf neue Sanktionen, die Teheran wieder an den Verhandlungstisch zwingen sollten. Ob diese Rechnung wirklich aufgehen werde, müsse angesichts der Weigerung des Irans, mit den USA überhaupt zu verhandeln, bezweifelt werden. Dagegen scheine der Konflikt in eine Art Schattenkrieg abzugleiten, wie es manche Beobachter nennen würden. Dazu habe ein Cyberangriff der Amerikaner auf die Computersysteme der iranischen Revolutionsgarden gezählt, die für den Abschuss einer US-Drohne verantwortlich gemacht würden.

Dass trotz dieser Risiken zumindest die Aktienbörsen in guter Laune seien, sei mit fundamentalen Daten kaum erklärbar. Vielmehr sei es auch hier eine Frage der fehlenden Alternativen. Denn am Markt gebe es so viel Liquidität, die angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus eben an den Aktienmarkt dränge - erst recht, nachdem sowohl FED als auch EZB die Zinssenkungsfantasien neu entfacht hätten.

In dieser Berichtswoche hätten institutionelle Investoren wieder eine große Auswahl an neuen Corporate Bonds gehabt und alle Unternehmen hätten sich für die Mindeststückelung von 100.000 Euro entschieden. Darunter auch die Medtronic Global Holdings als Finanzierungsgesellschaft der börsennotierten Medtronic mit Sitz in Dublin, die auf dem Gebiet der Medizintechnik zu Hause sei. Medtronic stelle weltweit mehr als die Hälfte aller Herzschrittmacher her. Insgesamt habe der Konzern fünf neue Bonds auf und sammelte so spielend 4,75 Mrd. Euro eingelegt. Die fünf Tranchen (ISIN XS2020670696 / WKN A2R4FG, ISIN XS2020670779 / WKN A2R4FH, ISIN XS2020670852 / WKN A2R4FK, ISIN XS2020670936 / WKN A2R4FL und ISIN XS2020671157 / WKN A2R4FM) hätten Laufzeiten von drei, sechs, zwölf, 20 und 30 Jahren.

Die erste Tranche mit 750 Mio. Euro und einem Kupon von 0% sei am 02.12.2022 fällig. Begeben worden sei das Papier zu 100,072%, was einem Spread von +30 BP über Mid Swap gleichgekommen sei. Das Papier sei ab dem 02.11.2022 jederzeit zu 100% kündbar. Der zweite, 1 Mrd. Euro schwere Bond mit Fälligkeit am 02.07.2025 zahle den Investoren jährlich 0,25% Zinsen und sei zu 99,372% (+50 BP über Mid Swap) begeben worden. Bei dieser Anleihe räume sich Medtronic drei Monate vor Endfälligkeit ab dem 02.04.2025 ein Kündigungsrecht zu 100% ein. Der zwölfjährige Bond sei ebenfalls 1 Mrd. Euro schwer und am 02.07.2031 fällig. Hier zahle das Unternehmen den Gläubigern 1% Zinsen jährlich und der Reoffer habe bei 99,932% (+68 BP über Mid Swap) gelegen. Der Bond sei ab dem 02.04.2031 jederzeit zu 100% kündbar.

Auch die vierte Tranche sei 1 Mrd. Euro schwer und drei Monate vor Endfälligkeit (02.07.2039) zu 100% kündbar. Begeben worden sei das Papier zu 99,129%, was einen Spread von +90 BP über Mid Swap bedeutet habe. Die Anleger würden jährlich 1,5% Zinsen für ihr Investment erhalten. Die letzte Anleihe im Bunde sei mit einem Kupon in Höhe von jährlich 1,75% ausgestattet und werde am 02.07.2049 fällig. Der Ausgabepreis habe bei diesem Bond bei 97,331% gelegen, was +115 BP über Mid Swap entsprochen habe. Das Emissionsvolumen habe sich auf 1 Mrd. Euro belaufen. Auch bei diesem Papier habe sich Medtronic ein optionales Kündigungsdatum ab dem 02.01.2049 jederzeit zu 100% in die Emissionsbedingungen aufnehmen lassen. Alle Wertpapiere hätten auch eine Make Whole Option.

Ein Doppelpack mit insgesamt 1 Mrd. Euro habe Omnicom Finance emittiert. Mit Fälligkeiten am 08.07.2027 und 08.07.2031 habe sich das Unternehmen mit Sitz in New York City erfolgreich am Kapitalmarkt refinanziert. Dabei sei der achtjährige Bond (ISIN XS2019814503 / WKN A2R4BU) mit einem Zins von jährlich 0,80% ausgestattet, was bei einem Spread von +78 BP über Mid Swap einen Emissionspreis von 99,838% ergeben habe. Beide Tranchen seien je 500 Mio. Euro schwer. Das zweite Papier (A2R4BV) zahle den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 1,4%. Emittiert worden sei zu 99,671%, was einem Spread von +108 BP über Mid Swap entsprochen habe. Neben einer Make Whole Option seien beide Bonds je drei Monate vor Endfälligkeit zu 100% kündbar.

Zuletzt habe das spanische Telekommunikationsunternehmen Telefónica Emisiones SAU eine Anleihe mit einem Volumen von 500 Mio. Euro (ISIN XS2020583618 / WKN A2R4BM) begeben. Dabei zahle man den Investoren bis zur Fälligkeit am 01.07.2039 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 1,957%. Der Emissionspreis habe bei pari gelegen, was einen Spread von +128 BP über Mid Swap bedeutet habe. Telefónica habe neben einer Make Whole Option ein zusätzliches Kündigungsdatum in die Emissionsbedingungen aufgenommen. So sei der Bond ab dem 01.01.2039 jederzeit zu pari kündbar.

In den vergangenen Wochen hätten Anleiheinvestoren aufgrund diverser Vorkommnisse in den Krisen-Modus geschaltet und somit habe das Sorgenbarometer nur noch eine Richtung gekannt, gen Norden. Nach dem Erreichen des bisherigen 10Y-Renditetiefs bei ca. -0,333% sei nun Durchatmen angesagt hinsichtlich möglicher Ergebnisse beim anstehenden G20-Gipfel.

Das inzwischen erreichte Niveau beim Euro-Bund-Future habe viele Ursachen und es ist nicht absehbar, ob sich verschiedene Aspekte noch verschlimmern würden oder es an der ein oder anderen Stelle Entwarnung geben werde. Jedoch seien die politischen und wirtschaftlichen Probleme so vielschichtig, dass die Marktteilnehmer nur noch eine Richtung kennen würden. Das Motto: "Augen zu und durch" habe bei Rentenhändler schon seit Jahren Hochkonjunktur und immer, wenn man denke es gehe nicht mehr, komme von irgendwo der nächste Käufer her.

Aktuell korrigiere das Rentenbarometer leicht auf erhöhtem Niveau. Die erste Unterstützungslinie verlaufe bei der psychologischen Marke von 172% und das bisherige Kontrakthoch bilde den ersten, ernstzunehmenden Widerstand (172,91%). Sollten diese beiden Leitplanken nicht halten, so sei im nächsten Schritt eine Korrektur bis auf ca. 171,50% möglich und nach oben werde sich der nächste Widerstand über die Null-Rendite bei Bunds mit einer Restlaufzeit von ca. 20 Jahren ergeben. Das dürfte dann einem Euro-Bund-Future, der zurzeit bei ca. 172,10% (Rendite: -0,288%) gehandelt werde, von ca. 173,75% entsprechen.

In dieser Handelswoche hätten Investoren den USA mit insgesamt 278 Mrd. USD unter die Arme greifen können. Hierbei seien 147 Mrd. USD als T-Bills mit Laufzeiten von vier bzw. acht Wochen sowie drei bzw. sechs Monaten refinanziert worden. Investoren, die längere Zeit auf ihr Geld verzichten möchten, seien zweijährige T-Notes in zwei Versionen sowie fünf- und siebenjährige Bonds für insgesamt 131 Mrd. USD zum Kauf angeboten worden.

In der Eurozone sei Italien mit diversen Bonds (ISIN IT0005371247 / WKN A2R1KB/ 2021, IT0005367492/ WKN A2R0AN/ 2024, ISIN IT0005359846 / WKN A2RXF1/ 2025, ISIN IT0005246134 / WKN A19EH1/ 2028, ISIN IT0005365165 / WKN A2RYM9/ 2029, ISIN IT0004545890 / WKN A1AN79/ 2041) am Kapitalmarkt aktiv sein. Jedoch sei das Highlight in dieser Woche die Aufstockung der im Jahr 2017 begebenen 100-jährigen Anleihe der Republik Österreich (ISIN AT0000A1XML2 / WKN A19PCG) gewesen. Ausgestattet mit einem Kupon von 2,1% und einer Fälligkeit am 20.09.2117 sei die erste Tranche im Jahr 2017 mit 99,50% begeben worden und nun sei das Emissionsvolumen um 1,25 Mrd. Euro bei einer Rendite von 1,171% (Kurs: 154,047%) erhöht worden.

Gering sei angesichts der aktuell zu erzielenden Rendite die Nachfrage nach der am Dienstag im Auftrag der Bundesfinanzagentur aufgestockten zweijährigen Bundesschatzanweisungen (ISIN DE0001104768 / WKN 110476) gewesen. Angeboten worden seien nominal 5 Mrd. Euro, aber es seien nur Kaufaufträge für nominal rund 4,4 Mrd. Euro eingereicht worden. Die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,74% erfolgt und 1,0145 Mrd. Euro seien zur Marktpflege zurückbehalten worden. Das Gesamtvolumen der Emission belaufe sich somit auf 10 Mrd. Euro. Für das kommende Quartal sei das Emissionsvolumen um 2 Mrd. Euro auf 52,5 Mrd. Euro gekürzt worden. Somit scheinen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stehen. Ob sich das wegen der zu zahlenden Konventionalstrafen im Zusammenhang mit der Maut ändern werde, bleibe abzuwarten.

Die europäische Gemeinschaftswährung habe in den vergangenen Wochen deutlich zulegen können, ähnlich wie die aktuellen Temperaturen in Deutschland.

So habe der Euro noch zu Beginn des Monats bei Wechselkursen rund um die Marke von 1,1150 USD notiert. Lange habe sich das Währungspaar EUR/USD auf diesem Niveau gehalten und kaum größere Bewegungen vollzogen. Jedoch die jüngsten Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi zur weiteren Geldpolitik der EZB sowie Zinssenkungssignale seitens der amerikanischen Notenbank FED hätten den Euro beflügelt und ihn zeitweise bis auf 1,1412 USD, ein neues Dreimonatshoch, klettern lassen. Im Vorfeld des G20-Gipfels und der geplanten Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen den USA und China handle die gemeinsame Währung weiterhin gut behauptet bei 1,1370 USD.

Während sich die meisten Notenbanken ausgiebig mit Leitzinssenkungen beschäftigen würden, stemme sich die Notenbank Norwegens gegen den globalen Trend. So habe die Norges Bank in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen angehoben auf nunmehr 1,25%. Von diesem Zinsschritt habe die Landeswährung profitieren können. So sei der Euro zur Norwegischen Krone zwischenzeitlich bis auf 9,6485 NOK und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende April des Jahres gefallen, nachdem er zuvor noch bei rund 9,80 NOK notiert habe.

In einem schwer zu greifenden Marktumfeld hätten sich die Privatanleger in dieser Berichtswoche vorwiegend auf Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Türkische Lira, Norwegische Kronen sowie Russische Rubel konzentriert.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (27.06.2019/alc/a/a)





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