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Renten: Bunds klopfen an Null-Prozent-Renditemarke


14.01.22 14:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zweimal standen 10-jährige Bunds 2021 vor dem Sprung in positives Renditeterrain, im Mai und Oktober, so die Analysten der Helaba.

Beim jüngsten dritten Anlauf hätten nur ein paar Basispunkte gefehlt.

Wenn erstmals seit Mai 2019 die Rendite wieder über der Null-Prozent-Marke notiere, wäre dies ein psychologisch bedeutendes Ereignis. 10-jährige Bundesanleihen seien eine der weltweit meistbeachteten Benchmark-Anleihen. Zuletzt habe die Rendite jedoch wieder nach unten gedreht.

Der Rentenmarkt stehe scheinbar durch die hohen Inflationsraten beiderseits des Atlantiks von 7% bzw. 5% unter Druck. Allerdings sei weniger der direkte Zusammenhang ausschlaggebend, denn die Inflationserwartungen der Anleger hätten zuletzt stagniert. Es sei vielmehr der indirekte Einfluss über den beständig wachsenden Druck auf die Notenbanken. An den Future-Märkten lasse sich dies gut ablesen. Der beschleunigte Anstieg der US-Renditen seit Jahresanfang gehe einher mit einem vergleichbaren Anstieg der Terminsätze am Geldmarkt. Die Inflationserwartungen seien hingegen sogar leicht gesunken.

Auch im Euroraum habe die Zinserhöhungsfantasie zuletzt weiter zugenommen, allerdings deutlich langsamer als in den USA. Kein Wunder, werde dort bereits diskutiert, ob die FED in diesem Jahr drei oder vier Zinsschritte mache. Die EZB habe dagegen im Dezember den Fahrplan für 2022 weitgehend festgelegt. Sie lasse die Kaufprogramme ausklingen, beende die Netto-Ankäufe aber nicht vor dem Jahresende. Nach ihrer Forward Guidance bedeute dies, dass eine Zinsanhebung in diesem Zeitraum nicht erfolgen werde.

Die EZB habe sich damit im Kontrast zu anderen Notenbanken vordergründig den Handlungsdruck genommen - unabhängig davon, wie besorgt sich das ein oder andere Mitglied des EZB-Rats über die unerwartet hohe Inflation äußere. Absehbar sei, dass die EZB mit erheblicher Verspätung gegen die Risiken einer anhaltend erhöhten Teuerung vorgehen werde - wenn überhaupt.

Für Renten bedeute dies eine gewisse Abschirmung vor dem globalen Renditeaufwärtstrend. Zu bedenken sei ebenfalls, dass das große Kaufprogramm PEPP noch im Einsatz sei. Möglicherweise ziehe die EZB gerade wieder die Zügel an und weite temporär das Ankauftempo aus, was ein Grund für den jüngsten Renditerückgang sein könnte. Es gelte aus Sicht der EZB, die Zeit bis zur Veröffentlichung der Januar-Inflationsdaten zu überbrücken.

Die Hoffnung dabei sei, dass Basiseffekte hier zu einem deutlichen Rückgang führen würden. Dass die Euro-Teuerung bald wieder bei etwa 2% liege, sei jedoch unwahrscheinlich. Der Anstieg der Bund-Rendite über die Null-Linie scheine daher nur eine Frage der Zeit zu sein. Es sei denn, es komme eine neue Krise oder gar ein Krieg dazwischen, was die Anleger wieder sichere Anlagehäfen ansteuern lasse. (14.01.2022/alc/a/a)