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Renten: EZB versucht die Fäden in der Hand zu halten


05.08.22 14:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bei Renten hat sich die Lage zuletzt etwas entspannt, so die Analysten der Helaba.

Allerdings bleibe die Situation undurchsichtig, auch weil die EZB anders agiere als noch vor wenigen Monaten.

Zuletzt habe sich die Rendite 10-jähriger Bunds unter der 1%-Marke festgesetzt. Unterstützung sei aus den USA gekommen, wo die Rendite 10-jähriger US-Treasuries bei 2,7% notiere und damit 35 Basispunkte unter der 2-jähriger US-Staatsanleihen. Zuletzt habe es so einen negativen Wert vor über 20 Jahren gegeben. Der sogenannte 10/2-Spread bei Bundesanleihen sei zwar mit rund 45 Basispunkten positiv, seit Ende Juni habe er sich aber fast halbiert. Die eingetrübten Konjunkturperspektiven beiderseits des Atlantiks würden Wirkung zeigen.

Die Renditeniveaus von Top-gerateten Staatsanleihen seien also krisenbedingt relativ niedrig. Und wie sehe es bei Anleihen mit schlechterem Risikoprofil aus? Zuletzt sei hier ebenfalls eine freundliche Tendenz zu verzeichnen gewesen. Die Spreads von Unternehmensanleihen hätten sich von ihren Jahreshöchstständen wieder etwas nach unten absetzen können. Auch der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen sei geschrumpft. Allerdings gelte auch hier: Der Aufwärtstrend sei noch intakt, das Umfeld insgesamt schwierig.

Beim Italien-Spread stelle sich natürlich immer die Frage, wer die Richtung bestimme? Seien es einheimische sowie internationale Investoren oder die Banca d’Italia und die Bundesbank im Auftrag der EZB. Jüngste EZB-Daten zu den Reinvestitionen des 1,64 Billionen Euro öffentliche Anleihen umfassenden Pandemie-Kaufprogramms (PEPP), das ja im März nicht verlängert worden sei, würden eher auf letztere hindeuten.

Die EZB habe ja bereits klargemacht, dass der flexible Einsatz der Reinvestitionen um PEPP die erste Verteidigungslinie gegen ungerechtfertigte Spread-Ausweitungen im Euroraum sein werde. Einige Datenreihen seien daher von besonderem Interesse: Alle zwei Monate veröffentliche die EZB die Entwicklung der Nettobestände der Staatsanleihen in ihrem PEPP-Portfolio.
Während der Bestand an Bundesanleihen im Juni/Juli über 14 Mrd. Euro gesunken sei, habe sich das Volumen italienischer Staatsanleihen um rund 10 Mrd. Euro erhöht. Zwar sei damit zu rechnen, dass die EZB versuche, in ruhigen Phasen Bundesanleihen wieder aufzustocken und den Anteil italienischer Anleihen abzubauen. Allerdings dürfte die politische Lage in Italien bis zu den Parlamentswahlen im September angespannt bleiben, was eher dafür spreche, dass sich die jüngste Entwicklung fortsetze.

Inwieweit EZB-Verkäufe zum massiven Renditeanstieg bei Bunds Anfang Juni beigetragen hätten, lasse sich aus den Zahlen zwar nicht ablesen. Während die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen jedoch innerhalb von drei Tagen um einen halben Prozentpunkt nachgegeben und kritische Niveaus zügig verlassen habe, hätten Bunds während dieser Phase kurzzeitig 1,9% erreicht. Zumindest nähre dies den Verdacht, dass die EZB nicht nur mit ihrem Kurswechsel bei der Sitzung am 9. Juni zu der rekordverdächtigen Volatilität beigetragen habe, sondern auch durch ihr Portfoliomanagement, das sich fundamental vom Verhalten anderer Akteure unterscheide. (Wochenausblick vom 05.08.2022) (05.08.2022/alc/a/a)