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Renten: Und täglich grüßt das Murmeltier - Renditeanstieg setzt sich fort


11.04.22 10:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Angesichts restriktiverer Notenbanken und der begleitenden geldpolitischen Maßnahmen zeigt sich das Umfeld für Anleihen, insbesondere mit Blick auf die langen Laufzeiten, zuletzt nicht gerade optimal, so die Experten von Union Investment.

Die Anleger seien vorsichtiger geworden, Duration sei in den vergangenen Handelstagen weniger gefragt gewesen. Auf der US-Zinsstrukturkurve hätten lange Fälligkeiten in zehn, 20 und 30 Jahren die höchsten Verluste bzw. Renditesprünge verzeichnet. Die Verzinsung zehnjähriger US-Schatzanweisungen sei bis Freitagvormittag um 27 Renditestellen nach oben auf 2,65 Prozent gesprungen und habe in der Berichtswoche ein Dreijahreshoch erreicht. Trotz einer leichten Versteilerung sei die US-Zinsstrukturkurve zum Teil invers geblieben. So hätten etwa Papiere mit fünf und sieben Jahren Laufzeit weiterhin leicht höher als der richtungsweisende Zehnjahresbereich rentiert.

Am Markt für Euro-Staatsanleihen habe sich ein ähnliches Bild gezeigt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei - wie schon in der Vorwoche - zeitweise über die Marke von 0,7 Prozent geklettert. Dieses Renditeniveau sei zuletzt im Februar 2018 zu beobachten gewesen. Die Renditen auf der deutsche Zinskurve seien ab einem Jahr Laufzeit komplett angestiegen, am stärksten in den langen Laufzeiten. Ab drei Jahren Laufzeit habe die komplette deutsche Zinskurve im positiven Renditebereich gelegen. Auch in der Euro-Peripherie hätten sich die Renditesprünge fortgesetzt. Dabei hätten sich die Renditeabstände (Spreads) in den großen Peripheriemärkten Italiens und Spaniens zu deutschen Bundesanleihen ausgeweitet.

Einige Neuemissionen mit längeren Laufzeiten seien angesichts der Reserviertheit der Anleger gegenüber längerer Duration auf ein weniger günstiges Umfeld getroffen. Etwas ausgeweitet habe sich auch der Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundespapieren. Dies dürfte in erster Linie auf die aktuelle Präsidentschaftswahl zurückzuführen sein, die am Sonntag in ihre erste Runde geht. Auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereigns) habe der Euro-Staatsanleihemarkt bis Donnerstagabend 1,3 Prozent im Minus gelegen.

Euro-Unternehmensanleihen hätten in diesem Umfeld auch leicht abgegeben, wobei sich die Risikoaufschläge und deren Volatilität zuletzt stabilisiert hätten. Parallel sei auch die Entwicklung bei den in US-Dollar und Euro notierten Anleihen aus den Schwellenländern verlaufen. Erfreulich sei gewesen, dass EM-Hartwährungsanleihen in der letzten Woche weltweit wieder Anlagegelder in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar generieren würden und damit in der Gunst der Investoren wieder hätten zulegen können. In den Schwellenländern habe sich der Zinserhöhungstrend in der Berichtswoche fortgesetzt. In Peru habe die Zentralbank um 0,5 Prozent erhöht, in Pakistan sogar um 2,5 Prozent. In Osteuropa habe sich zudem die Polnische Zentralbank zu einer Leitzinserhöhung um 1,0 auf 4,5 Prozent entschlossen.

Der Euro wertete in der Berichtswoche um gut zwei Cents auf 1,087 US-Dollar ab. Mit Blick auf den Ölmarkt fiel das Barrel der Sorte Brent in Richtung 100 US-Dollar, Die Notierung blieb aber zumindest bis zum Freitagmittag dreistellig. (Ausgabe vom 08.04.2022) (11.04.2022/alc/a/a)