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Schwächere Wachstumszahlen werden die Stimmung in den Keller schicken


25.03.22 12:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Infolge der falkenhaften Äußerungen der Federal Reserve stiegen die Renditen von Staatsanleihen jüngst weiter an, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Offenbar komme die FED zu dem Schluss, dass eine oder mehrere Anhebungen um gleich 50 Basispunkte erforderlich sein könnten, um die Inflation einzudämmen, solange die finanziellen Rahmenbedingungen weiterhin akkommodierend seien und die Leitzinsen weit unter dem neutralen Niveau lägen.

Es sei nach Ansicht der Experten offenkundig, dass die ersten Zinserhöhungen um 25 Basispunkte nur wenig zur Verlangsamung sowohl des Wachstums als auch der Inflation im kommenden Jahr beitragen würden, da die Realzinsen weiterhin tief im negativen Bereich lägen. Ihrer Meinung nach werde die FED jedoch angesichts der Tatsache, dass sie ihre Bilanz durch quantitative Straffung verkleinern möchte, die Zinssätze nicht zu harsch erhöhen, insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit.

So würden die Experten deutliche Signale für einen BIP-Rückgang im zweiten Quartal sehen: Die Preise würden anziehen, wodurch die Nachfrage beeinträchtigt werde. Angesichts steigender Löhne in einem angespannten Arbeitsmarkt und Inflationserwartungen, die sich allmählich aus ihrer Verankerung lösen würden, dürfte eine sich einstellende Wachstumsdelle aber nicht von langer Dauer sein.

Zudem befinde man sich jetzt in einer Welt, in der die Zentralbanker kaum eine andere Wahl hätten, als auf inflationäre Entwicklungen zu reagieren. Folglich scheine es für die Marktteilnehmer gesetzt, dass die Zinssätze in diesem Zyklus letztlich restriktiv werden müssten, um das Wachstum zu drosseln. In diesem Zusammenhang könnte das bevorstehende FED-Programm des allmählichen Straffungszyklus einer Wiederholung der Zinserhöhungen der US-Notenbank des Jahres 1994 gleichen. Damals habe die FED eher auf ein starkes Wachstum als auf eine ansteigende Inflation reagiert, und obwohl die aggressiven Zinserhöhungen nicht in einer Rezession geendet hätten, sei es zu einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums gekommen, sodass die FED binnen zwölf Monaten eine Lockerung habe vornehmen müssen.

Eine restriktivere FED schaffe ein schwierigeres Umfeld für Risikoanlagen. Ein allmählicher Zinserhöhungszyklus habe lediglich ein geringes Risiko für die anhaltende wirtschaftliche Expansionsphase bedeutet - aber ein steilerer Zinspfad werde unweigerlich die Rezessionsrisiken erhöhen, die nicht zuletzt durch die anhaltenden geopolitischen Risiken zunehmen würden, bei denen nicht davon auszugehen sei, dass sie bald wieder aus der Welt geschafft sein würden.

Der Fall sei klar: Schwächere Wachstumszahlen in der nächsten Runde der Berichte zu den Konjunktur- und Konsumtrends würden unweigerlich die Stimmung in den Keller schicken. (25.03.2022/alc/a/a)