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Sollte man sich jetzt gegen die Unsicherheit der Zentralbanken absichern?


30.10.19 14:00
VanEck

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Das wichtigste Ereignis auf den Märkten war im vergangenen Sommer der Anstieg von Schuldtiteln mit negativer Rendite auf 14 Bio. USD (Source: Bloomberg), so Jan van Eck, CEO bei VanEck.

Bei alternativen Anlagen habe dies bereits für eine gewisse Begeisterung gesorgt. Gleichzeitig habe Gold eine sehr feste technische Sechsjahresmarke durchbrochen. Für Anleger sei nach Ansicht der Experten der Zeitpunkt gekommen, an dem sie sich ansehen sollten, wie sie sich im verbleibenden Jahr bis Anfang 2020 gegenüber der Unsicherheit der Zentralbanken absichern könnten.

Der erste Aspekt, der Gold unterstütze, sei, dass Gold infolge negativer Zinsen attraktiv erscheine. In Hochzinsumgebungen habe es Gold tendenziell schwer, da es keine Rendite abwerfe. Aber bei Negativzinsen erscheine Gold sehr viel attraktiver.

Der zweite Aspekt, der Gold unterstütze, seien Sorgen darüber, dass die Zentralbanken die Wirtschaft nicht mehr beleben könnten. Obwohl die Europäische Zentralbank in den vergangenen Jahren versucht habe, die europäische Wirtschaft zu beleben, sei die Konjunktur weiter gedämpft und Europa wahrscheinlich die weltweit schwächste Region. Wenn sich Europa verfangen habe und die Zentralbanken ihre Macht verloren hätten, könnten sich Anleger, die sich Sorgen wegen des riesigen Schuldenstandes machen würden, Gold zuwenden. Gold sei in letzter Zeit interessanterweise in großem Maße von anderen Zentralbanken, etwa der Chinesischen und Russischen Zentralbank, gekauft worden. Vielleicht würden sich auch sie Sorgen machen.

Die größte Sorge bereite den Experten, dass Anleger bei ihren Anleiheportfolios zu konservativ würden, weil sie Angst vor einem Handelskrieg und einer globalen Rezession hätten. Wie die Experten bereits in ihrem letzten Ausblick erwähnt hätten, hätten sich viele Anleger zu stark auf kurzfristige und qualitativ hochwertige Anleihen konzentriert. Anleger würden dazu neigen, sich kurzfristigen Anleihen und Geldmarktfonds zuzuwenden - wenn sie befürchten würden, dass niedrigere Zinsen eine globale Rezession nach sich ziehen würden. Dafür würden sie jedoch sehr niedrige Renditen erhalten und nach Ansicht der Experten sei dieser Ansatz im derzeitigen Umfeld ein Fehler. Nach Meinung der Experten lege das langsame aber beständige Wachstum in China nahe, dass keine globale Rezession bevorstehe. Die Experten seien also nicht sicher, ob man bei einer normalen Kreditallokation Bedenken haben sollte.

China sei in der Geldpolitik weiterhin relativ eingeschränkt, und die Experten würden glauben, dass die Zentralbank nicht beabsichtige, das System mit billigen Krediten zu überfluten. Dies führe zwar möglicherweise zu geringerem Wachstum, aber es sei nach Ansicht der Experten stabiler und von besserer Qualität. Schließlich würden die Experten denken, dass Anleger im festverzinslichen Bereich hiervon profitieren würden.

Die Anlageklasse der Schwellenländeranleihen sei in diesem Sommer nach Meinung der Experten attraktiver geworden. Im letzten Jahr habe sie attraktive Renditen und Bewertungen geboten und gegen Ende 2018 habe sie die Möglichkeit einer Diversifizierung gegenüber US-Aktien geboten. Inzwischen gebe es sogar mehrere positive Beispiele, die die Experten herausstellen möchten.

Brasilien, eines der wichtigsten lateinamerikanischen Länder, habe wachstumsfördernde Reformen umgesetzt und Indien habe überraschenderweise gerade umfassende Körperschaftssteuersenkungen angekündigt, die der dortigen Wirtschaft sehr förderlich sein würden. Neben den Erfolgsgeschichten bei Schwellenländeranleihen, die die Experten auf dem Weg ins Jahr 2019 erlebt hätten, gebe es ihrer Ansicht nach inzwischen auch positive und spannende Wirtschaftsreformen, die diese Anlageklasse befeuern könnten.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China sei diesen Sommer in den Schlagzeilen gewesen. Dies werde wohl auch in Zukunft so sein. Angesichts dessen bin ich der festen Überzeugung: Ignorieren Sie die Politik bei Ihrem Portfolio, so Jan van Eck, CEO bei VanEck.

Bei ihrer über zwei Jahrzehnte währenden Tätigkeit in der Branche hätten die Experten eines gelernt: Politische Entwicklungen würden sich nicht vorhersehen lassen. Diesen Sommer hätten die Experten diese Lektion immer wieder gelernt. Was Donald Trump zum Handelskrieg twittern werde, sei nicht absehbar. Alle Marktteilnehmer seien vom Wahlergebnis in Argentinien überrascht gewesen. Und dann habe es den militärischen Angriff auf Saudi-Arabiens Erdölanlagen gegeben. Die Experten würden nicht glauben, dass Anleger ihre Portfolios anhand dieser politischen Entwicklungen ausrichten könnten. (30.10.2019/alc/a/a)