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Unsichere makroökonomische Aussichten steigern Beliebtheit von Alternative Credit


03.12.21 08:30
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Suche nach Rendite bringt immer mehr Anleger dazu, sich außerhalb der Börsenmärkte umzusehen und die Welt der illiquiden Anlageklassen zu erkunden, so die Experten von NN Investment Partners.

Das Niedrigzinsumfeld und die Zinsunsicherheit würden die Popularität von Alternative Credit erhöhen. Diese könnten Renditen bieten, die über denen der traditionellen öffentlichen Märkte lägen.

Ulla Fetzer, Client Portfolio Managerin bei NN Investment Partners, sage: "Die derzeitigen Aussichten werden durch eine Reihe schwer abschätzbarer Faktoren getrübt: uneinheitliche Öffnung der Volkswirtschaften, Engpässe in den Lieferketten, steigende Energiepreise, Sorgen über Inflation oder gar Stagflation. Angesichts der zunehmenden Marktvolatilität werden Erinnerungen an die durch Corona ausgelösten Marktturbulenzen des vergangenen Jahres wach und lenken den Blick der Anleger auf die Stabilität von Private-Debt-Anlagen, die von den traditionellen Märkten weitgehend entkoppelt sind."

"Gleichzeitig haben sich die traditionellen Kreditgeber aufgrund strengerer Bankvorschriften aus einigen Sektoren zurückgezogen, wodurch eine Finanzierungslücke entstanden ist, die es zu schließen gilt. Infolgedessen bieten sich immer mehr Möglichkeiten für Alternative Credit, die das gesamte Spektrum unterschiedlicher Kreditrisiken und Laufzeiten abdecken - von Infrastruktur- oder Projektfinanzierung über gewerbliche Immobilien oder Wohnbauhypotheken bis hin zu Unternehmenskrediten oder Handelsfinanzierung."

Bei Alternative Credit würden sich immer mehr Möglichkeiten, sowohl am kurzen als auch am langen Ende des Laufzeitspektrums bieten. Wie man letztes Jahr während der pandemiebedingten Marktturbulenzen gesehen habe, würden die Anleger einen sicheren Hafen suchen, um sich vor Volatilität, selbst wenn diese nur vorübergehend sei, zu schützen. Bestimmte Sektoren wie Logistik oder Wohnungsbau hätten ebenso profitiert wie versicherungsgedeckte Forderungsfinanzierung und andere strukturelle Lösungen. In einem Erholungsszenario würden die Anleger auch nach Lösungen suchen, die eine höhere Rendite bieten würden.

Infrastrukturprojekte hätten eine längere Laufzeit und könnten dazu beitragen, langfristige Verbindlichkeiten auszugleichen. Dies dürfte in Zukunft ein aktiver Teilsektor sein, da die USA in Kürze Billionen von US-Dollar für Infrastrukturausgaben bereitstellen würden. Das erzeuge einen Finanzierungsbedarf, der nicht nur im Zusammenhang mit den staatlichen Mitteln stehe, sondern entlang der gesamten Lieferkette. Etwa 80% der privaten Infrastrukturgeschäfte seien variabel verzinst - eine attraktive Option für Anleger, die eine höhere Inflation befürchten würden.

Trade Finance eröffne einen natürlicheren Tilgungszyklus zur Generierung kurzfristiger Liquidität. Handelsfinanzierung werde immer noch als Nische eingestuft, stelle aber gleichzeitig eine große globale Chance dar. Aufgrund von Änderungen in der Bankenregulierung gebe es eine geschätzte Lücke von 1,5 Mrd. US-Dollar bei Trade Finance durch traditionelle Banken. Das Engagement und die Verhandlungen mit den Vertragspartnern würden Stabilität bei den Transaktionen schaffen, auch wenn sie kurzfristig seien. Handelsfinanzierungen würden die Realwirtschaft stimulieren, den realen Handel, Sanierungen und die Expansion von Unternehmen finanzieren.

Der niederländische Hypothekenmarkt für Wohnimmobilien sei eine weitere interessante Unteranlageklasse. In den Niederlanden herrsche ein allgemeiner Wohnungsmangel, der im derzeitigen Niedrigzinsumfeld die Hauspreise in die Höhe treibe. Trotz der Pandemie seien die Hauspreise im vergangenen Jahr um 8,3% gestiegen, was durch die niedrigen Hypothekenzinsen begünstigt worden sei. Und für dieses und nächstes Jahr werde ein weiterer Anstieg der Immobilienpreise prognostiziert.

Momentan gebe es noch wenig Kredite, die wirklich ökologische, soziale und Governance-Ziele (ESG) einbeziehen würden, aber das Angebot werde in Zukunft steigen. Eine stärkere Regulierung, wie die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor, werde zu mehr Transparenz und weniger Greenwashing führen. Der derzeitige starke Umweltfokus der EU-Taxonomie werde sich verlagern und mehr soziale Elemente wie Inklusion, Vielfalt und Gesundheit umfassen. Mit dem Inkrafttreten der verschiedenen Rechtsvorschriften in den nächsten zwei bis vier Jahren würden sich auch die Marktpraktiken weiterentwickeln. Die Emission nachhaltiger Kredite werde weiter an Bedeutung gewinnen, und die zunehmende ESG-Integration in die Kreditpapiere werde dieses Segment weiter beeinflussen.

Fetzer dazu: "Der aktive Dialog zwischen den Parteien einer privaten Kredittransaktion bedeutet, dass die wachsende Sensibilität für ESG-Faktoren gut zu Alternative Credit passt. Eine Überprüfung potenzieller Investitionen nach ESG-Kriterien kann sowohl Risiken als auch Chancen aufdecken und einen Dialog mit den beteiligten Unternehmen in Gang setzen, von dem alle Parteien profitieren können. ESG ist nach wie vor ein Schwerpunkt für den Corporate-Loan-Markt insgesamt. Rund 60% der neuen Investments von NN IP in diesem Jahr wurden entweder als grün gekennzeichnet oder enthielten nachhaltigkeitsbezogene Aspekte."

"Anleger sollten die Stabilität des Marktes für Alternative Credit im Auge behalten und eine Umschichtung ihrer Portfolios weg von den traditionellen Anlageklassen in Erwägung ziehen. Gleichzeitig sollten sie auf die Sourcing- und Deployment-Potenziale achten, da dies ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Investments in Alternative Credit bleiben wird. Bei Private Debt können die Anleger nicht nur die Vorteile der Rendite, sondern auch der Stabilität erkennen. Das kann beruhigend wirken, wenn die nächsten Marktturbulenzen kommen." (03.12.2021/alc/a/a)