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Ein Wechsel an der EZB-Spitze könnte den Ausblick verändern


01.04.22 09:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Inflation klettert weiter: Aufgrund der anziehenden Energiepreise stieg der Verbraucherpreisindex in der Eurozone auf mehr als 7 Prozent und in den USA auf über 8 Prozent, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Das habe die US-Notenbank dazu veranlasst, eine vorgezogene Normalisierung ihrer Geldpolitik zu erörtern.

Die Währungshüter hätten angedeutet, dass sie die Zinssätze auf den kommenden geldpolitischen Sitzungen Anfang Mai und Juni um jeweils 50 Basispunkte anheben könnten. Außerdem plane die FED, ihre Bilanzsumme zu reduzieren. Daher bestehe nach Erachten von BlueBay Asset Management die Gefahr, dass die Märkte kurzfristig eine zu starke Straffung der Geldpolitik einpreisen würden.

In der Zwischenzeit habe sich die US-Renditekurve weiter abgeflacht. Einige Analysten würden daraus ein erhöhtes Rezessionsrisiko für 2023 oder 2024 ableiten. Ebenso wie die FED sei BlueBay Asset Management aber der Meinung, dass die US-Konjunktur - trotz einer Abschwächung im zweiten Quartal - weiterhin intakt sei.

In der Eurozone werde das Wachstum im zweiten Quartal vermutlich schrumpfen, selbst wenn Russland den Gashahn nicht zudrehe.

Eine Änderung des geldpolitischen Pfades der Europäischen Zentralbank (EZB) sei indes unwahrscheinlich. Die Anhebung der Zinsen dürfte erst nach Beendigung der Anleihekäufe erfolgen, BlueBay Asset Management rechne mit einem entsprechenden Schritt nicht vor Ende des dritten Quartals. Zu diesem Zeitpunkt werde die Inflation wahrscheinlich schon wieder sinken.

Ein Wechsel an der Spitze der EZB könnte natürlich die Aussichten verändern. BlueBay Asset Management halte es für möglich, dass der französische Staatspräsident Emmanuel Macron nach den Wahlen jetzt im April - die er sehr wahrscheinlich gewinnen werde - die derzeitige EZB-Präsidentin Christine Lagarde zur Premierministerin machen möchte.

In diesem Fall werde Meinung von BlueBay Asset Management sehr wahrscheinlich ein deutscher Kandidat das Amt übernehmen. Das könnte angesichts der in Deutschland besonders großen Abneigung gegen die Inflation das Risiko einer aggressiveren EZB-Politik mit sich bringen.

Generell werde die Ungewissheit noch einige Zeit hoch bleiben. Daher sei es aus Sicht von BlueBay Asset Management sinnvoll, die Risiken zu begrenzen und sich bietende Chancen zu ergreifen. Anleger sollten vorsichtig sein: Es sei nicht immer klar, woher der nächste Dämpfer kommen könnte. (01.04.2022/alc/a/a)