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Zinsen: Die große Wende


25.10.21 11:00
Der Anlegerbrief

Krefeld (www.anleihencheck.de) - In den USA lag die Inflation im September wieder bei 5,4%, damit steht nun seit fünf Monaten eine "5" vor dem Komma - das war im Vorfeld weder von der FED noch von Analysten so erwartet worden, so die Experten von "Der Anlegerbrief".

Auch in der Eurozone klettere die Preissteigerungsrate unaufhaltsam, zuletzt auf 3,4%. Die Entwicklung setze die Notenbanker dies- wie jenseits des Atlantiks unter Druck, aus der ultralockeren Geldpolitik auszusteigen. Doch dabei gebe es Risiken, die der US-Anleihenmarkt bereits veranschauliche.

Die hohe Inflation in den USA und in der Eurozone sorge in Kombination mit niedrigen Leitzinsen für einen negativen Realzins auf Rekordniveau. Dieser müsste lehrbuchmäßig eigentlich die Realinvestitionen stark stimulieren, doch das sei im Moment nicht so leicht. Denn die Wirtschaft leide derzeit ohnehin schon unter Engpässen in vielen Bereichen. Der eigentlich wünschenswerte Schub bei den Investitionen könne diese Situation noch verschärfen und verlängern, was wiederum dafür sorge, dass der starke Kosten- und Preisauftrieb weiter anhalte.

Die Notenbanken hätten auf die Situation reagiert, indem sie eine baldige Straffung der Geldpolitik - zunächst durch eine Reduktion des Ankaufvolumens festverzinslicher Wertpapiere - in Aussicht gestellt hätten. Die Marktreaktion auf diese Pläne in den USA gebe allerdings zu denken. Zwar seien zuletzt die Renditen bei 2- und 10-jährigen Staatsanleihen deutlich gestiegen, was die Trendwende der FED korrekt abbilde. Aber der Anstieg sei am kurzen Ende deutlich stärker gewesen, die Rendite von 30-Jährigen sei im Vergleich dazu zurückgeblieben. Das bedeute, dass die Zinsstrukturkurve flacher geworden sei. Aus Sicht der Experten von "Der Anlegerbrief" spreche das dafür, dass die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten am Kapitalmarkt inzwischen etwas pessimistischer eingeschätzt würden als noch vor einigen Monaten.

Angesichts sehr hoher Inflationswerte scheine die geldpolitische Wende überfällig. Den Zentralbanken drohe dabei allerdings eine Gratwanderung, denn die Abflachung der Zinsstrukturkurve in den USA zeige, dass sich die Anleger inzwischen um die mittel- bis langfristigen Wachstumsperspektiven sorgen würden. Dennoch gelte im aktuellen Umfeld weiterhin: Die hohe Inflation schade im Moment eher Anleihen als Aktien. (Ausgabe 41 vom 23.10.2021) (25.10.2021/alc/a/a)