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EUR Corporate Bonds: Primärmarkt im 2. Quartal 2022


01.07.22 17:05
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Rund 60 Mrd. EUR wurden mit 122 Bonds am Primärmarkt für EUR Corporate Bonds im zweiten Quartal 2022 begeben, so die Analysten der Helaba.

Dies seien 40 Mrd. EUR weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und so wenig wie zuletzt 2013 gewesen. Insbesondere im Juni sei das Emissionsaufkommen nach einer vorübergehenden Belebung im Mai nach Erachten der Analysten recht enttäuschend gewesen. Nicht zuletzt die explodierenden Refinanzierungskosten sowie die schwierige Wirtschaftslage dürften einige Emittenten zur Zurückhaltung bewogen haben. In der Summe seien seit Jahresanfang knapp 150 Mrd. EUR platziert worden und somit 65 Mrd. EUR weniger als in den ersten sechs Monaten 2021. Die Analysten würden es nun für wahrscheinlich halten, dass der Markt im Gesamtjahr auch bei einer Belebung in den kommenden zwei Quartalen unter dem Niveau des Vorjahres bleiben werde.

Die durchschnittliche Emissionsgröße der einzelnen Bonds habe in den ersten sechs Monaten mit 530 Mio. EUR nur geringfügig über dem Vorjahresdurchschnitt gelegen. Große Tranchen mit einem Emissionsvolumen ab 1,5 Mrd. EUR seien bis dato nicht begeben worden. Die niederländische Tennet habe Anfang Mai die größte Platzierung mit vier Einzelbonds im Volumen von 3,85 Mrd. EUR an den Markt gebracht. Der Anteil nachhaltiger Anleihen habe sich im zweiten Quartal auf 36% erhöht und damit nur 5%-Punkte unter dem Rekordniveau von Q4 2021 gelegen. Zum überwiegenden Teil seien grüne Anleihen mit Zweckbindung begeben worden. Die Analysten würden damit rechnen, dass in den kommenden Quartalen wieder stärker Sustainability-linked Bonds zum Einsatz kommen würden.

Der Versorgersektor habe in den ersten sechs Monaten fast ein Viertel des Emissionsvolumens auf sich vereint und auch bei der Anzahl der einzelnen Bonds in der Pole-Position (63) gelegen. Unternehmen aus den europäischen Kernländern hätten das Marktgeschehen dominiert und fast drei Viertel der Platzierungssumme emittiert. In Deutschland ansässige Unternehmen hätten seit Jahresanfang gerechnet mit 30 Mrd. EUR bzw. 21% Marktanteil weiterhin das höchste Deal-Volumen begeben. Unverändert zurückhaltend seien amerikanische Emittenten mit Bonds in Höhe von 10 Mrd. EUR bzw. 7% Volumenanteil geblieben.

Nachrangige Anleihen seien auf einen Volumenanteil von 6% zurückgefallen. Investmentgrade-Anleihen hätten fast 85% des Marktes auf sich vereint - so viel wie noch nie. Jeweils 20%-Punkte davon seien aus den Ratingklassen "BBB" und "BBB+" gekommen. Titel mit einer Laufzeit von über sieben Jahren seien auch im zweiten Quartal weniger beliebt als noch 2021 gewesen. Variable verzinsliche Titel seien (ohne Berücksichtigung von Hybridanleihen) mit 7% Marktanteil weiterhin recht gefragt gewesen. (01.07.2022/alc/a/a)