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FED beginnt mit dem Bilanzabbau


24.05.22 14:20
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft wird in diesem Jahr voraussichtlich mit einer Rate von 2,9% expandieren, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Für 2023 sei ein Wirtschaftswachstum von 2,6% zu erwarten. In Q1-2022 sei das BIP gefallen (-1,4% QoQ, annualisiert). Die Ausweitung des Handelsbilanzdefizits habe daran einen erheblichen Anteil gehabt. Gleichzeitig habe sich der Lagerbestandsaufbau reduziert. Offensichtlich würden die Produktionsengpässe in den USA dazu führen, dass verstärkt Güter im Ausland eingekauft würden. Der starke Anstieg bei den Importen habe auch mit dem stärkeren US-Dollar zu tun, der Einfuhren in relativer Betrachtung attraktiver mache. Einen negativen Wachstumsbeitrag habe auch der geringere Staatskonsum geliefert.

Gleichzeitig sei festzustellen, dass der private Konsum weiterhin robust sei und die Unternehmen ihre Investitionen (ohne Bauinvestitionen, die gefallen seien) kräftig hochgefahren hätten. Dazu passe, dass die Beschäftigung in den vergangenen Monaten durchgehend deutlich gestiegen sei. Das sei grundsätzlich ein Zeichen der Zuversicht.

Allerdings sei der Himmel nicht vollkommen wolkenfrei: Die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten, die unter anderem auf die Zinswende der FED zurückzuführen seien, hätten das Potenzial, die Wirtschaft zu schwächen. Schwierigere Finanzierungsbedingungen und ein negativer Vermögenseffekt seien in dieser Hinsicht belastend. Dazu komme der unmittelbare Effekt höherer Zinsen, der die Aufnahme von Krediten verteuere, sei es für Investitionen, den Wohnungsbau oder für Konsumzwecke.

Die FED wisse um diese Risiken, habe aber dennoch den Leitzins im Mai um 50 Basispunkte erhöht und werde dies - so die Ankündigung - auch bei den nächsten beiden Sitzungen tun. Danach dürfte wieder eine kleinere Schrittgröße von 25 Basispunkten gewählt werden. Per Ende 2023 sollte der Leitzins dann bei 3,50% (Oberes Band) liegen. Einen Durchmarsch auf über 5% wie beim Zinsanhebungszyklus von 2004 bis 2006 würden die Analysten nicht erwarten, da sich die US-Wirtschaft vermutlich im Laufe des kommenden Jahres deutlich abschwächen dürfte.

Käme es zu einer Intensivierung der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten und einer gleichzeitigen Rezession, würde die FED vermutlich eine Pause einlegen oder gar den Rückwärtsgang einlegen. (Ausgabe Mai 2022) (24.05.2022/alc/a/a)