Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit Spannung erwarteten Marktteilnehmer den Auftritt von Jerome Powell, so die Deutsche Börse AG.
"Vor dem Treffen halten sich Anleger tendenziell bedeckt", beschreibe Arthur Brunner von der ICF Bank. Powell habe sich in seiner Rede allerdings alle Optionen offen gehalten, er sei bereit, "angemessen zu reagieren, um die US-Wirtschaft zu stützen". Ob dazu weitere Zinssenkungen nötig seien, sei er jedoch vage geblieben. "Allerdings sehen wir zusätzliche Anzeichen dafür, dass sich die globale Wirtschaft abkühlt, vor allem in Deutschland und in China." Die Mitglieder des Offenmarktauschusses seien sich laut jüngstem FOMC-Sitzungsprotokoll uneins über den richtigen Kurs. Zwei Teilnehmer hätten wohl gegen eine weitere Zinssenkung gestimmt, andere wiederum eine Reduzierung um 0,5 Prozent gefordert.
Besorgt nähmen laut Helaba die Notenbanker einen Rückgang der Inflationserwartungen um 0,3 Prozent seit Mitte Juli zur Kenntnis. Die Währungshüter dürften sich also in dem vorhandenen Lockerungsbias bestätigt sehen und im kommenden Monat ein weiteres Mal an der Zinsschraube drehen. Marktseitig seien für 2019 annähernd vier, also noch drei weitere Zinssenkungen fast vollständig eingepreist. Gegen eine offen zur Schau gestellte Bereitschaft zu massiven Zinssenkungen spreche der Druck aus dem Weißen Haus. Eine politisierte Zentralbank untergrabe den Safe-Haven-Status des Dollars, was sich die USA mit ihrem Doppeldefizit in Leistungsbilanz und Staatshaushalt eigentlich nicht leisten könnten.
Derweil deute das am 22. August veröffentlichte Sitzungsprotokoll der Europäischen Zentralbank vom Juli auf ein bevorstehendes Maßnahmenpaket von Zinssenkungen und Anleihe-Käufen. Die Zentralbanker sorgten sich um die Auswirkungen des Handelskonflikts auf die Konjunktur. Hinzu kämen eine nachlassende Teuerungsrate sowie der Brexit. Nach Ansicht der HSBC werde der Einlagensatz im kommenden Monat auf minus 0,6 Prozent reduziert. Derzeit seien für bei der EZB geparktes, täglich verfügbares Geld Strafzinsen in Höhe von 0,4 Prozent fällig.
Italienische Staatsanleihen hätten in der letzten Woche laut Brunner vom Rücktritt des Ministerpräsidenten Giuseppe Conte profitiert. Mit der Aussicht auf eine womöglich europafreundliche Regierung hätten Anleger dem Händler zufolge verstärkt zu italienischen Staatspapieren gegriffen. Die Suche nach einer möglichen Mehrheit im bestehenden Parlament - beispielsweise im Verbund zwischen der regierenden Fünf-Sterne-Bewegung und der oppositionellen Sozialdemokraten - könne Neuwahlen könne Neuwahlen noch abwenden.
Die Versteigerung einer neuen 30-jährigen Bundesanleihe mit einem Kupon von 0,0 Prozent und einer durchschnittlichen Ausgaberendite von minus 0,11 hätten Anleger mit Zurückhaltung quittiert, wie Brunner feststelle. Statt der geplanten 2 Milliarden Euro hätten Käufer zu diesen Bedingungen lediglich Bonds im Wert von gut 869 Millionen Euro nachgefragt. Die Auktion sei damit technisch unterzeichnet gewesen. "Die Restsumme fließt in die Bücher der Bundes-Schuldenagentur zur späteren Marktpflege."
Im Handel mit Unternehmensanleihen mache sich nach Beobachtung von Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Verschlechterung der Bonität von thyssenkrupp bemerkbar. Das Downgrade des Essener Traditionskonzerns von Ba2 auf Ba3 durch Moody's habe für Bewegung in einer im Februar 2024 fälligen thyssenkrupp-Anleihe (ISIN DE000A2TEDB8 / WKN A2TEDB) mit einem Kupon von 2,875 Prozent gesorgt. "Mit erneuten Medienberichten über eine mögliche Übernahme des Stahlhändlers KlöCo durch thyssenkrupp hat sich der Wert wieder leicht erholt", ergänze Petz.
Von einer seit April handelbaren, siebenjährige Anleihe (ISIN XS1979274708 / WKN A2TR80) von Otto verabschiedeten sich Daniel Kunden zumeist. Der mit jährlich 2,625 Prozent Zinsen ausgestattete Wert sei derzeit für 103,95 Prozent zu haben.
Brunner verbuche Interesse an Nachrang-Papieren. Anleger engagierten sich per Saldo zum Beispiel in einer im März 2026 zur Rückzahlung anstehenden NORD/LB-Anleihe (ISIN DE000NLB8K69 / WKN NLB8K6) mit einem Kupon von 3,5 Prozent. Beim Preis von 97 Prozent komme das Papier derzeit auf eine Rendite von 4,02 Prozent.
Stärkere Schwankungen sehe Brunner zudem in einer mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten paragon-Anleihe (ISIN DE000A2GSB86 / WKN A2GSB8), die im Juli 2022 fällig werde. Die Aktie des Herstellers für Batteriesysteme sei nach Senkung der Umsatzprognose für das laufende Jahr zunächst eingebrochen. Gute Halbjahreszahlen der Voltabox sowie angekündigte Einsparmaßnahmen hätten Anleger mit Käufen von Anteilen der paragon-Muttergesellschaft quittiert. Die Voltabox-Papiere hätten zwischenzeitlich über 16 Prozent hinzugewonnen, nachdem die Aktie Ende vergangener Woche mit 4,90 Euro eine neues Rekordtief markiert habe. Neben dem Verzicht auf Leiharbeit und dem Abbau von Überstunden und Urlaubsrückständen sollten margenstarke paragon-Bereiche ausgebaut werden.
Lebhaften Umsatz zumeist auf der Kaufseite verbuche Brunner in einer im Oktober fälligen, 300 Millionen Euro schweren Grenke Finance-Anleihe (ISIN XS1910851242 / WKN A2RT0W) mit einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent. Aktuell koste der Bond 104,41 Prozent und komme damit auf einen Ertrag von etwa 0,4 Prozent.
Eine im August 2023 fällige Lang & Cie Real Estate-Anleihe (ISIN DE000A2NB8U6 / WKN A2NB8U) im Volumen von 18 Millionen Euro und einem Kupon von 5,375 Prozent komme bei Anlegern ebenfalls gut an. (Ausgabe vom 24.08.2019) (26.08.2019/alc/a/a)
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