Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Jetzt ist es wieder soweit! Die Geldmarktzinsen sind bei 0% oder sogar negativ und trotzdem droht der Weltwirtschaft Rezession und Deflation, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Was könnten die Notenbanken dagegen tun? Milton Friedman habe 1969 zum ersten Mal den Begriff des "helicopter" Geldes benutzt, das von Ben Bernanke im November 2002 wieder aufgegriffen worden sei. Es empfehle eine Geldpolitik des grenzenlosen Einsatzes von Liquidität in den Märkten, z.B. durch "Quantitative Easing", dem Ankauf von im Markt befindlichen Wertpapieren.
Dieses Instrument habe die EZB wieder im Einsatz. Die Geldmarktzinsen seien negativ, die Rentenrenditen (10-J-Bunds) ebenso. Und QE sei wieder im Einsatz, Geld in Hülle und Fülle. Trotzdem seien die Konjunkturaussichten trübe. Der IWF erwarte für die Eurozone in 2019 und 2020 ein BIP-Wachstum von real 1,2% und 1,4%, das sei Stagnation.
Die FED-Zentralbank habe eine ultraexpansive Geldpolitik von 2008-2018 eingesetzt und dann begonnen, ihre Bilanz durch die Abgabe von Wertpapieren wieder zu bereinigen. Die von USD 2,2 Billionen auf USD 4,5 Billionen angeschwollene Bilanz sei so wieder auf knapp USD 4 Billionen geschrumpft. Doch jetzt würden ihr die weiteren Konjunkturaussichten so brisant erscheinen, dass sie dieses Mittel wieder einsetze. In naher Zukunft sei eine weitere Senkung der FED Funds Rate zu erwarten (im März 2020 möglicherweise sogar noch eine weitere).
Der IWF prognostiziere für die USA für 2019 und 2020 ein BIP-Wachstum von nur 2,4% und 2,1%, das sei für amerikanische Verhältnisse Stagnation.
China habe in Q3/2019 ein BIP-Zuwachs von p. a. 6,0% erzielt, das sei die niedrigste Rate seit 27 Jahren. Sie gelte bei Analysten als Schwelle für den Arbeitsmarkt. Bei geringeren Raten steige die Arbeitslosigkeit wieder an. Der IWF sehe nun für 2019 und 2020 eine Rate von 6,1% und 5,8% vor. Hierfür seien die Schwäche der Weltwirtschaft und die amerikanischen Sanktionen verantwortlich. Ein Wachstum von 3,0% für die Weltwirtschaft gelte für den IWF als Stagnation. In der Liste des IWF sei der Hauptgrund für die Skepsis gegenüber Deutschland wohl in seiner hohen Exportabhängigkeit zu sehen.
Doch welche Mittel würden übrig bleiben, um den Volkswirtschaften wieder zu mehr Wachstum zu verhelfen? Die Notenbanken hätten die Möglichkeiten der Geldpolitik vollkommen ausgeschöpft. Der Grenznutzen der letzten Lockerungen möge schon negativ gewesen sein. In dieser Situation werde der Ruf nach der Fiskalpolitik und dem Deficit Spending wieder lauter. Doch die meisten Staatshaushalte seien schon so hoch verschuldet, dass der Schuldendienst die Fiskalpolitik handlungsunfähig mache. In der Liste des IWF hätten hochverschuldete Länder, wie z.B. die USA, Japan, die Südperipherie der Eurozone u. a. geringe Wachstumsraten zu erwarten. Die hohe Verschuldung der letzten Jahre sei also wirkungslos verpufft. Noch mehr Schulden würden zur Belastung.
Die Weltwirtschaft sei in eine Phase der Stagnation eingetreten. Die bereits ultra-expansive Geldpolitik der meisten Notenbanken sei an ihrem Ende. Die Fiskalpolitik sei durch die Verschuldung der letzten zehn Jahre handlungsunfähig geworden. In einer solchen Situation empfehle es sich, in vorhandenen Portfolios die Risiken zu überprüfen. (23.10.2019/alc/a/a)
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