Frankfurt (www.anleihencheck.de) - thyssenkrupp und der schleppende Konzernumbau halten Aktionäre wie Anleihenbesitzer weiterhin auf Trab, so die Deutsche Börse AG.
Die schlechtere Benotung des Unternehmens durch Moody's und der Rückzug Kones aus dem Bieterrennen um die Aufzugssparte der Essener hätten laut Gregor Daniel für Unruhe gesorgt. Unter anderem hätten sich Investoren dem Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank zufolge verstärkt von einer thyssenkrupp-Anleihe (ISIN DE000A2TEDB8 / WKN A2TEDB) verabschiedet. Der im Februar 2024 fällige Wert mit einem Kupon von 2,875 Prozent habe auf Wochensicht von 104,8 auf 102,5 Prozent deutlich an Gewicht verloren.
Die Herabstufung der Bonität von B1 auf Ba3 begründe Moody's mit einem schwächeren operativen Ergebnis beim Traditionskonzern sowie dem negativen Cashflow. Realisiere thyssenkrupp die im Raum stehenden Verkäufe von Unternehmensteilen, stelle Moody's eine Überprüfung der Sachlage mit möglicher Erhöhung der Kreditwürdigkeit in Aussicht.
Zumindest für die Aufzugssparte scheine die Zukunft bereits am 27. Februar besiegelt zu werden. Bis dahin hätten Bieter noch Gelegenheit die Angebote von derzeit im Raum stehenden knapp 16 Milliarden Euro nachzubessern. Ein derartiger Verkaufserlös gebe thyssenkrupp Raum, die Bilanz aufzupäppeln und eine neue Strategie für die verbleibenden Sparten zu entwickeln. Aktuell würden Medienberichten zufolge die Investorengruppen um Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board sowie um Advent und Cinven zu den Interessenten gehören.
Nach den überraschend guten Geschäftszahlen von Douglas hätten Anleger laut Rainer Petz gern zu einer mit jährlich 8,75 Prozent verzinsten Anleihe (ISIN XS1251078694 / WKN A161WQ) des größten deutschen Beauty-Konzerns gegriffen. Hier zeige sich nach Ansicht des Händlers der Oddo Seydler Bank, dass "auch mit Zinsprodukten Geld zu verdienen ist". Das Papier habe binnen zwei Tagen von 80 auf gut 95 Prozent zugelegt.
Auf das besser als erwartete Geschäftsjahr 2019 der FCR Immobilien hätten Bondinvestoren Daniel zufolge mit Käufen und Verkäufen einer bis 2024 laufenden Anleihe (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) des Unternehmens reagiert, die jährlich nominal 5,25 Prozent bringt. Aktuell gehe der Wert für 100,20 Prozent über den Tisch (21.02.2020).
So wie thyssenkrupp stünden nach Ansicht der OECD mittlerweile zahlreiche Firmen viel zu hoch in der Kreide. Allein durch ihre emittierten Anleihen habe der weltweite Schuldenberg von Unternehmen Ende 2019 stolze 13,5 Billionen US-Dollar betragen. Das entspreche im Vergleich zu 2008 mehr als dem Doppelten. Billige, leicht zu habende Kredite aufgrund der Niedrig- und Nullzinspolitik der Zentralbanken nenne die OECD als Hauptursache.
Sinkende Kreditwürdigkeit sehe die OECD als eine Folge steigender Überschuldung. Im vergangenen Jahr hätten rund 51 Prozent aller Investment Grade-Bonds mit einem BBB-Rating nur noch die niedrigste Qualitätsstufe erreicht - nach einer Quote von 39 Prozent vor der Finanzkrise. Bei einem Wirtschaftsabschwung drohten vermutlich weitere Herabstufungen, was die Finanzierung von Krediten wiederum verteuere.
Verliere ein Konzern das Investment Grade, löse dies zudem oft eine Verkaufswelle aus, da viele Pensionskassen in dem Fall nicht mehr investiert bleiben dürften. Auch flögen die Papiere automatisch aus entsprechenden Bond-ETFs. Zu den prominenten so genannten "Fallen Angels" gehörten in diesem Jahr bereits Macy's und Kraft Heinz.
Joachim Fels von PIMCO rate Anlegern, die Risiken am schwächeren Ende des Investment Grade-Ratings im Auge zu behalten. Gerate das Segment ins Trudeln, könne dies für die Corporate Bond-Kurse von Unternehmen mit Top-Bonität durchaus ein Vorteil sein. (Ausgabe vom 21.02.2020) (24.02.2020/alc/a/a)
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