Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bloß weg mit allem, was nach Risiko aussieht: Das ist auch das Motto an den Anleihemärkten, so die Deutsche Börse AG.
Die Angst vor einer Coronavirus-Pandemie und die Erkenntnis, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen schon jetzt groß seien, würden die Märkte auch am Freitag belasten. "Die Nerven liegen blank", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. "Alles fliegt raus", bemerke der Händler mit Blick auf Unternehmensanleihen.
"Es ist alles unter Druck", melde auch Rainer Petz von Oddo Seydler. "Am Aktienmarkt ist das die schwärzeste Woche nach der Griechenland-Krise 2011."
Nur ThyssenKrupp-Papiere (ISIN DE000A2TEDB8 / WKN A2TEDB) hätten heute morgen zugelegt, jedenfalls kurzzeitig. "Es kam gut an, dass der Konzern für seine Aufzugssparte mehr erzielt als erwartet", stelle Daniel fest. "Jetzt sinkt der Kurs aber schon wieder." Der schwächelnde Stahl- und Industriekonzern habe gestern bekannt gegeben, seine Aufzugsparte für 17,5 Milliarden Euro an ein Konsortium aus mehreren Finanzinvestoren abzugeben.
Gefragt seien hingegen die als sicher geltenden Bundesanleihen und US-Treasuries. Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) steige am Freitagmorgen auf 177,35 Punkte, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen falle auf minus 0,61 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2019. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen habe sogar ein Allzeittief von 1,16 Prozent erreicht. Die zuletzt stark gesuchten Staatsanleihen der südeuropäischen Länder Italien, Spanien oder Portugal würden hingegen Verluste erleiden. Sie würden im aktuellen Umfeld wieder als zu riskant gelten.
"Das Coronavirus wird zunehmend zu einem Risiko für die Wirtschaft in Deutschland und im Euroraum", erkläre Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Unternehmen dürften immer mehr unter fehlenden Zulieferungen aus China leiden sowie vielleicht bald unter Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen. "Ein Schrumpfen der Wirtschaft im ersten Quartal wird wahrscheinlicher."
Angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Folgen verlagere sich der Fokus am Markt zunehmend auf die Frage, inwieweit Finanz- und Geldpolitik hierauf reagieren würden, meine Cem Keltek, Anleiheanalyst der Commerzbank. Dabei dürften Hoffnungen auf eine deutlich expansivere deutsche Finanzpolitik wegen der Schuldenbremse am Ende enttäuscht werden. "Zudem lassen Kommentare der EZB und der FED darauf schließen, dass sie allenfalls bei beträchtlichen durch den Virus verursachten Schäden eingreifen werden." (28.02.2020/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.de