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20.08.20 12:00
Konvent der Demokraten markiert den Beginn des US-Wahlkampfes - FED dürfte ultralockere Geldpolitik beibehalten

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Parteikonvent der Demokraten in dieser Woche markiert den Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA, so Sandrine Perret, Senior Economist bei Vontobel Wealth Management.

Vier Tage lang kämen die Mitglieder der Demokratischen Partei zusammen, um ihre Kandidaten für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten offiziell zu nominieren.

Aus heutiger Sicht scheine der Wahltag - der 3. November - noch in weiter Ferne zu liegen und die kommenden Monate würden eher einem Marathon als einem Sprint ähneln. Vorerst sehe es so aus, als würde Joe Biden als Erster die Ziellinie erreichen: Den Umfragen der Nachrichtenseite RealClearPolitics zur Folge habe Biden derzeit einen Vorsprung von 7 Punkten und liege auch in wichtigen Swing-Staaten wie Pennsylvania (+6,4) und Florida (+5) deutlich in Führung. Da die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels von Joe Biden in das Oval Office immer wahrscheinlicher werde, stelle sich die Frage, was Investoren von einer von Biden-Harris (Joe Biden und Kamala Harris) geführten Präsidentschaft erwarten könnten.

Bidens Programm konzentriere sich in erster Linie auf höhere Steuern. Biden wolle nicht nur den Körperschaftssteuersatz von 21 auf 28 Prozent erhöhen, er wolle auch eine höhere Einkommenssteuer einführen und den Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer wieder von 37 auf 39,6 Prozent anheben. Damit würde er die Steuersenkungen der Trump-Administration, die wohlhabende Haushalte und Unternehmen entlastet hätten, teilweise rückgängig machen. Die Einnahmen aus den Steuererhöhungen würden dazu beitragen, ein grünes Infrastrukturprogramm zu finanzieren und Amerikas Ziel zu unterstützen, bis 2050 die Netto-Kohlenstoffemissionen auf Null zu senken. Höhere Steuern würden auch die Aufstellung eines Sanierungsplans fördern, mit Mitteln für die Kommunalverwaltung und die Arbeitslosenversicherung, um die wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie zu unterstützen.

Damit diese Pläne verwirklicht werden könnten, müsse Biden jedoch den Senat überzeugen. Nur dann werde seine geplante Politik in Kraft treten und eine bedeutende makroökonomische Wirkung entfalten.

Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen würden einen weiteren Aspekt darstellen, den Investoren beachten sollten. Im Gegensatz zu Trump dränge Biden in Handelsfragen auf eine weichere Strategie zugunsten amerikanischer Arbeitnehmer. Zwar werde Biden China nicht alles durchgehen lassen, doch werde von ihm erwartet, dass er einen stärker konsensorientierten Ansatz verfolgen werde. Das betreffe nicht nur die Art und Weise, wie die USA mit China, sondern auch mit anderen Nationen interagieren würden: Biden werde sich wahrscheinlich mit internationalen Verbündeten versöhnen und versuchen, das Vertrauen wiederherzustellen. Dies dürfte letztlich dazu beitragen, Amerikas Rolle auf der Weltbühne zurückzuerobern und den USA wieder eine Führungsrolle zu verschaffen.

Unabhängig vom Ausgang der Wahl erwarten wir, dass die US-Notenbank FED an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten wird, wobei alle Augen auf die Erholung des Arbeitsmarktes gerichtet sein dürften, so Sandrine Perret, Senior Economist bei Vontobel Wealth Management. Kurzfristig werde die Zentralbank eine höhere Inflation tolerieren, um die wirtschaftliche Erholung nach der Coronavirus-Krise sicherzustellen. Die FED habe bereits ihre Bereitschaft signalisiert, ihre Unterstützung zu verstärken, sollte der Kongress kein zusätzliches Finanzpaket verabschieden.

Trotz des derzeitigen Vorsprungs von Biden sollten Investoren beachten, dass Trump noch nicht aus dem Rennen sei. In den Monaten bis zum 3. November könne noch viel passieren und Trump habe bereits 2016 gezeigt, dass er für erstaunliche Wahlergebnisse sorgen könne.

Für die Zukunft erscheine eine Übergewichtung in Aktien attraktiv - dies trotz der Märkte, die sich auf Allzeithochs befänden. Diese positive Einstellung zu Aktien beruhe auf den Hoffnungen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erholung und der ultralockeren Haltung der Zentralbanken, die den Märkten reichlich Liquidität zur Verfügung stellen würden. Sandrine Perret, Senior Economist bei Vontobel Wealth Management, gehe davon aus, dass sich die Auswirkungen der Wahl eher innerhalb spezifischer Sekoren auswirken werde, anstatt einen Pauschaleffekt auf alle risikobehafteten Anlagen zu haben. Gleichzeitig beobachte man die Entwicklungen rund um Covid-19 und die wirtschaftliche Erholung genau. Beide hätten das Potenzial, das Blatt in die eine oder andere Richtung zu wenden und die Unsicherheit in den kommenden Monaten zu erhöhen. (20.08.2020/alc/a/a)


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