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22.01.21 10:15
Rentenmarkt: Notenbankunterstützung und absehbare Herdenimmunisierung sorgen für niedrige Risikoaufschläge

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die expansive Geld- und Fiskalpolitik bleibt uns erhalten, so Hannah Thielcke von der Weberbank.

Einen Vorgeschmack auf seine kommende Amtszeit habe Joe Biden in der letzten Woche gegeben, als er nähere Details seines umfassenden Hilfspakets enthüllt habe. Mit fast zwei Billionen US-Dollar sollten private Haushalte, Unternehmen und öffentliche Stellen nun zusätzlich unterstützt werden. Mitte Februar wolle Biden außerdem ein Infrastrukturpaket und das bereits angekündigte Steuerprogramm vorstellen.

Die geplanten Maßnahmen bestätigen die sehr positiven Erwartungen der Analysten für die US-Wirtschaft und lassen uns optimistisch über den Atlantik schauen, so die Analysten der Weberbank. Der frisch vereidigte US-Präsident habe sich viel vorgenommen und schreite entschlossen zur Tat. Allein fünfzehn seiner Vorhaben habe er an seinem ersten Tag im Amt auf den Weg gebracht - darunter unter anderem der Startschuss zur Rückkehr ins Pariser Klimaabkommen.

In Europa freue man sich auf die Zusammenarbeit, blicke jedoch mit gemischteren Gefühlen ins gestartete Jahr. Die Impfungen würden vielerorts noch schleppend anlaufen, die Neuinfektionen würden sich weiterhin auf hohen Niveaus bewegen und die Wirtschaft müsse durch die erneut verlängerten Lockdown-Maßnahmen einen weiteren Schlag verkraften. Hinzu komme - wie zuletzt in Italien - die Unsicherheit über die Verteilung der Hilfsmaßnahmen auf politischer Ebene.

Die gebe es in China zwar nicht, doch auch dort sei die Pandemie noch nicht vollends überstanden. Zuletzt seien wieder vermehrt regionale Infektionscluster aufgetaucht, die direkt mit harten Maßnahmen und der Abriegelung kompletter Städte bekämpft worden seien. Diese Strategie habe sich bisher bewährt und sollte auch dieses Mal die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen in Grenzen halten. Unterdessen sei der Blick der chinesischen Regierung fest in die Zukunft gerichtet. Das Vorgehen passe damit auch zum chinesischen Tierkreiszeichen im kommenden Jahr des Büffels: Die pandemiebedingte fiskal- und geldpolitische Unterstützung solle aufgrund des schon jetzt wieder in Schwung gekommenen Wirtschaftswachstums zwar sanft aber stetig und entschlossen zurückgefahren werden.

Allerorts werde gebannt auf die Impfzahlen geschaut: Wie viele Menschen würden täglich geimpft und wann werde die ersehnte Herdenimmunisierung erreicht? Eine breite Immunisierung erscheine laut vielen Experten im Sommer realistisch. Wenn sich in der Folge die Volkswirtschaften rund um den Globus komplett wieder öffnen würden, könnten enorme Kräfte frei werden, die das Wirtschaftswachstum beschleunigen und die aktuellen Schätzungen vieler Analysten übertreffen würden. Die in vielen Ländern durch die Coronakrise deutlich angestiegenen Sparquoten der Privathaushalte, die zusätzliche Unterstützung aus der Staatskasse sowie ein historisch niedriges Zinsumfeld würden ein enormes Potenzial bergen. Sollten diese angestauten Reserven wieder in Konsum und Investitionen münden, scheine dieses Szenario wahrscheinlich.

Doch so gern wie wir alle unser Leben wieder in gewohnte Bahnen lenken wollen - die durch die Pandemie angestoßenen oder beschleunigten Veränderungen werden unumkehrbar sein, so die Analysten der Weberbank. Wir haben in vielen Bereichen unsere Art zu leben, zu denken und zu arbeiten geändert; Home Office-Möglichkeiten sind weitreichend verfügbar und wir arbeiten auf digitalen Plattformen mit Kollegen zusammen, so die Analysten der Weberbank. Geschäftsreisen seien durch digitale Konferenzen ersetzt worden und abends nehme man per Videocall an einem Kochkurs oder einer Weinprobe teil. Samstags in den Supermarkt für den Wocheneinkauf und dort mit weiteren hundert Leuten an der Kasse anstehen? Dann doch lieber die Lebensmittel einfach bequem nach Hause liefern lassen.

Viele dieser neu erlernten Gewohnheiten werden wir auch in der Zeit nach der Pandemie beibehalten und so werden viele dieser neuen Geschäftsmodelle dauerhaft die Oberhand gewinnen, so die Analysten der Weberbank. Die Geschwindigkeit der Veränderung habe sich noch einmal deutlich beschleunigt - wer den Start verpasse, bleibe zurück.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Nicht nur Goethes Protagonisten, sondern auch die Kapitalmärkte würden Extreme leben. Während die Stimmung im vergangenen März noch im Keller war, springen wir aktuell in vielen Marktsegmenten von Allzeithoch zu Allzeithoch, so die Analysten der Weberbank. Dafür gebe es zwar gute Gründe wie beispielsweise die enorme durch die Notenbanken bereitgestellte Liquidität und die Hoffnung auf eine starke wirtschaftliche Erholung, jedoch würden nun einige Indikatoren eine Überhitzung des Marktes anzeigen. Zwischenzeitliche Kurskorrekturen - insbesondere nach einer so starken Rally - seien vollkommen normal und sollten langfristig orientierte Investoren aktuell nicht aus der Ruhe bringen.

Unser Ausblick bleibt daher trotz möglicher kleinerer Rücksetzer weiterhin positiv, so die Analysten der Weberbank. Kurzfristige Korrekturen sähen die Analysten als Kaufchancen. Ihrem Portfolio würden sie zudem aktuell Titel beimischen, die besonders von einer zyklischen Erholung der Wirtschaft profitieren würden. Das sind in unseren Augen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, so die Analysten der Weberbank.

Auch am Rentenmarkt sorge die Mischung aus weitreichender Notenbankunterstützung und der absehbaren Herdenimmunisierung weiterhin für niedrige Risikoaufschläge. Gleichzeitig habe sich jedoch bei Unternehmen mit schwächerer Bonität die Verschuldung deutlich erhöht. Auf mittelfristige Sicht könne das dann zum Problem werden, wenn die Unternehmen nicht in diese größeren Schuhe hineinwachsen könnten. Da wir jedoch von einer positiven Entwicklung der Wirtschaft auch über das Jahr 2021 hinaus rechnen, haben wir darauf zwar immer ein Auge, erwarten an der Stelle jedoch keine größeren Eskapaden, so die Analysten der Weberbank. (22.01.2021/alc/a/a)


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