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15.08.22 09:45
Anleihen-Handel: "Nicht die Zeit für eindeutige Positionierungen"

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Zinserhöhungskurs der Notenbanken ist weiter marktbeherrschendes Thema, so die Deutsche Börse AG.

"Dies Woche drehte sich alles um die aktuellen Inflationszahlen in den USA", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Nach 9,1 Prozent im Juni sei die US-Inflationsrate im Juli deutlich gesunken, und zwar auf 8,5 Prozent. Erwartet worden seien 8,7 Prozent.

Aus den Inflationsdaten würden Rückschlüsse auf das Vorgehen der Notenbank gezogen: Falle die Inflation niedriger aus, müsste die FED die Zinsen weniger stark anheben. Entsprechend seien die Renditen am Markt zurückgegangen - allerdings nur kurz. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei auf 0,87 Prozent gefallen, am Freitagmorgen seien es aber wieder 1 Prozent gewesen. Dennoch: Im Vergleich zum Juni sei dies wenig. Damals seien es in der Spitze 1,92 Prozent gewesen. Rezessionsängste würden sich bemerkbar machen.

Anleiheanleger agierten weiterhin vorsichtig, wie Tim Oechsner von der Steubing AG feststelle. "Es ist nach wie vor nicht ganz klar, in welche Richtung sich die Wirtschaft entwickelt und wie die Haltung der US-Notenbank Fed zu weiteren Zinsschritten aussehen wird." Die Zeit für eindeutige Positionierungen am Markt sei noch nicht da.

Laut Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba bestehe bei der US-Notenbank großer Konsens, der noch immer viel zu hohen Inflation mit weiteren Zinserhöhungen zu begegnen. "Selbst ein erneuter Schritt um 75 Basispunkte scheint für die nächste Notenbanksitzung im September wieder auf dem Tisch zu liegen." Allerdings seien nicht so sehr die kurzfristig anstehenden Entscheidungen zur Geldpolitik eine Gratwanderung. "Wichtiger ist die Frage, an welchem Punkt die Zinserhöhungen beendet werden, um eine Rezession zu vermeiden."

Nach Einschätzung von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, werde sich die Rendite bis zum Jahresende weiter auf diesen gedrückten Niveaus bewegen. Die Rezessionsängste nähmen sowohl im Euroraum als auch in den USA zu und die Notenbanken dürften ihren Straffungskurs beenden. "Mit nachhaltig höheren Renditen ist erst zu rechnen, wenn die Anleger vielleicht Mitte 2023 beginnen, durch die Gaskrise und die Rezession hindurchzuschauen."

Italien sei aus dem Fokus geraten - trotz anstehender Wahlen Ende September und dem voraussichtlichen Erstarken europakritischer Parteien. Die Renditeaufschläge italienischer Staatsanleihen seien zuletzt wieder etwas gefallen. "Dabei haben zwei der drei wichtigen Rating-Agenturen ihren Ausblick für italienische Staatsanleihen heruntergenommen", bemerke Hauke Siemßen von der Commerzbank. Auf kurze Sicht rechne die Bank mit einem weiteren Rückgang der Spreads. "Die EZB dürfte Italien bei ihren flexiblen PEPP-Reinvestitionen weiterhin bevorzugen, außerdem dürften die derzeitigen Renditeniveaus für bestimmte Investoren eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten."

Insgesamt bleibe es auch ferienbedingt ruhig im Anleihehandel, wie Oechser melde. "Umsätze und Liquidität in den Papieren sind gering, da viele Marktteilnehmer im Urlaub sind." Auch auf dem Markt für Neuemissionen im Euroraum herrsche aktuell Sommerpause. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank melde ebenfalls einen sehr ruhigen Handel. "Anleger sehen derzeit einfach keinen Handlungsbedarf und halten an ihren Investments fest."

Brunner melde Käufe für zwei Grenke Finance-Anleihen, die eine mit Kupon von 3,95 Prozent und Fälligkeit 2025 (ISIN XS2155486942 / WKN A28VXK), die andere mit 1,5 Prozent und Fälligkeit 2023 (ISIN XS1910851242 / WKN A2RT0W). Ebenfalls gut an komme die Anleihe (ISIN SE0015194527 / WKN A283W1) von Media and Games Invest, die bis 2024 5,75 Prozent biete.

Das Debüt der Facebook-Mutter Meta Platforms am Anleihemarkt sei Oechsner zufolge positiv verlaufen. Die vier auf US-Dollar lautenden Tranchen (ISIN USU59197AB66 / WKN A3K8EH, ISIN USU59197AD23 / WKN A3K8EK, ISIN USU59197AF70 / WKN A3K8B8, ISIN USU59197AE06 / WKN A3K8B7) mit Stückelung von 2.000 US-Dollar hätten Laufzeiten von fünf bis 40 Jahren und würden Kupons von 3,5 bis 4,65 Prozent bieten. "Kunden erkundigen sich."

Weiter hohe Umsätze auf Geld- und Briefseite sehe Oechsner in Anleihen (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP, ISIN DE000A19MDV0 / WKN A19MDV) von Metalcorp, einem weltweit tätigen Dienstleister in der Metall- und Mineralienindustrie. "Metalcorp Group hat ein Rekordergebnis für das erste Halbjahr gemeldet mit einem signifikanten Umsatzanstieg auf 511 Millionen Euro." Die Papiere würden 8,5 Prozent bis 2026 beziehungsweise 7 Prozent bis Oktober 2022 bieten.

Halter der im April emittierten Schalke-Anleihe (ISIN DE000A3MQS49 / WKN A3MQS4) bekämen ab dem 12. August einen Bonus. "Das ist der Aufstiegsbonus von 2 Prozent", erkläre Brunner. Die Anleihe laufe bis 2027 und habe einen Kupon von 5,5 Prozent. (Ausgabe vom 12.08.2022) (15.08.2022/alc/a/a)



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