Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es bleibt volatil am Rentenmarkt, so die Deutsche Börse AG.
"Das Schwanken zwischen Angst und Hoffnung hält an, die Ausschläge sind ungewöhnlich hoch", berichte Rainer Petz von Oddo BHF. Entscheidendes Thema seien weiter die Zinsen geblieben.
Wichtige Signale diesbezüglich würden von den am heutigen Freitagnachmittag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktzahlen erwartet. Sollten diese einen weiter robusten Arbeitsmarkt zeigen, könnte die US-Notenbank ihren konsequenten Kurs gegen die hohe Inflation leichter fortsetzen. "Dann könnten die Zinssorgen wieder Oberhand gewinnen und die Renditen steigen."
Der extreme Renditeanstieg der Vorwochen habe sich diese Woche nicht fortgesetzt. Nach zwischenzeitlichen Rückgängen lägen zehnjährige Bund-Renditen am Freitagmittag bei 2,13 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Zehnjährige US-Treasuries würden mit 3,84 Prozent rentieren, Ende September seien es kurzzeitig sogar mehr als 4 Prozent gewesen. "Steigende Zinsen sind nicht gut für den Anleihenmarkt", bemerke Tim Oechsner von der Steubing AG. Die Stimmung bleibe daher wacklig.
Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank weise darauf hin, dass durch die steigenden Nominalrenditen auch die Realrenditen deutlich zugelegt hätten. "Sogar in Deutschland waren sie im zehnjährigen Laufzeitensegment positiv." Dies erlaube Anlegern theoretisch, ihr Erspartes ohne oder mit nur sehr geringen Kaufkraftverlusten in die Zukunft zu transferieren. Seit Jahren seien die Realrenditen wohl nicht mehr so hoch gewesen. "Der jüngste Anstieg dürfte aber nicht ausreichen, um umfangreiche Käufe auszulösen."
Für Unruhe sorge weiter Italien. "Die Renditeaufschläge italienischer Staatsanleihen gegenüber Bunds bewegen sich seit den Wahlen vor zwei Wochen auf einem recht hohen Niveau nahe 240 Basispunkten", stelle Siemßen fest. Zuletzt habe die Rating-Agentur Moody's vor den mittelfristig sich verschlechternden Wachstumsaussichten der italienischen Wirtschaft gewarnt. "Die Unsicherheit bezüglich des Ratings von Moody's ist besonders groß, da dieses mit Baa3/negativ nur eine Stufe über der kritischen Schwelle für Investment Grade liegt."
Corporate Bonds würden mit den gestiegenen Zinsen wieder interessanter. "Die Kaufseite ist stärker", stelle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. "Zwar liegen die Renditen - mit je nach Laufzeit 4 bis 5 Prozent oder mehr - unter der Inflationsrate. Viele sagen sich aber wohl: Besser als nichts."
Umsätze melde Daniel für die bis 2023 laufende Anleihe (ISIN DE000A2NBZG9 / WKN A2NBZG) von DIC Asset mit Kupon von 3,5 Prozent. Diese sei vergangene Woche wegen eines größeren Abgebers von 97 auf 90 Prozent gefallen und sei diese Woche wieder auf 96 Prozent gestiegen. "Jetzt sind es 93 Prozent, was eine Rendite von 11,47 Prozent ergibt." 6,81 Prozent Rendite biete mittlerweile die beliebte thyssenkrupp-Anleihe (ISIN DE000A2TEDB8 / WKN A2TEDB), die 2024 fällig sei und einen Kupon von 2,875 Prozent aufweise. Eher verkauft werde Daniel zufolge derzeit der Bond (ISIN AT0000A23ST9 / WKN A2RS14) von UBM Development mit 3,125 Prozent bis 2023.
Eine Schocknachricht sei diese Woche von Metalcorp gekommen, wie die Händler berichten würden: Das Rohstoffunternehmen habe eine am Montag fällige Anleihe (ISIN DE000A19MDV0 / WKN A19MDV) nicht zurückgezahlt. Begründet worden sei das mit einer geplatzten Kreditzusage. "Das war nicht erwartet worden", stelle Rainer Petz fest. "Da ist einiges an Vertrauen verloren gegangen."
"Dass nach Fälligkeit bekannt wird, dass nicht zurückgezahlt werden kann, ist schon sehr ungewöhnlich", bemerke Oechser. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) habe das mit klaren Worten kritisiert: "Es ist völlig unverständlich, wieso die Gesellschaft die Anleiheinhaber erst so spät darüber informiert, die Rückzahlung nicht leisten zu können."
Auf der am gestrigen Donnerstag abgehaltenen Gläubigerversammlung sei nun vereinbart worden, dass die Anleihehalten zwischen dem 22. und 25. Oktober über eine Verlängerung der Anleihe um ein Jahr abstimmen sollten. Dann könnte der Handel der Anleihe auch wieder aufgenommen werden.
"Die noch laufende, bis 2026 fällige Metalcorp-Anleihe mit Kupon von 8,5 Prozent fiel von 86 Prozent auf rund 30 Prozent", berichte Oechser. Aktuell seien es wieder rund 40 Prozent. "Wir sehen weiterhin hohe, von News getriebene Umsätze auf der Geld- und Briefseite." Ebenfalls betroffen seien laut Oechser Anleihen der Muttergesellschaft Monaco Resources Group MRG (ISIN XS1897122278 / WKN A2RTQH) sowie einer weiteren MRG-Tochter, dem Hafeninfrastrukturbetreiber R-Logitech (ISIN DE000A19WVN8 / WKN A19WVN; ISIN DE000A3K73Z7 / WKN A3K73Z). Alle hätten deutlich verloren. (07.10.2022/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.de