Paris (www.anleihencheck.de) - Der japanische Notenbankpräsident Haruhiko Kuroda wollte es nur wenige Monate vor dem Rückzug von seinem Posten noch einmal wissen, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".
Völlig überraschend für die Märkte habe die Bank of Japan (BoJ) auf ihrer letzten Sitzung vor dem Jahreswechsel die Spanne für die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ausgeweitet. Die obere Grenze liege nun bei 0,5 statt zuvor bei 0,25 Prozent, die untere Grenze hätten die Währungshüter von minus 0,25 auf minus 0,5 Prozent erweitert. Keiner der 47 von Bloomberg befragten Ökonomen habe eine Neujustierung der Geldpolitik erwartet. Der Yen habe diesen Schritt mit deutlichen Kursgewinnen quittiert: Seit der am Dienstag verkündeten Maßnahme habe Nippons Leitwährung zum Euro kräftig aufgewertet.
Kurioserweise bestreite Währungshüter Kuroda, dass der jüngste Schritt eine Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik bedeute, an der die BoJ als letzte der großen Zentralbanken festhalte. Nun müsse offensichtlich auch das Land der aufgehenden Sonne der zunehmenden Inflation Tribut zollen - wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die in Japan zuletzt noch sehr niedrige Teuerung sei im Oktober auf 3,6 Prozent gestiegen; für November würden von Reuters befragte Ökonomen mit einem Anstieg um 3,7 Prozent rechnen, was ein 40-Jahres-Hoch bedeuten würde. Die Zinsdifferenz gegenüber dem Euroraum dürfte vor diesem Hintergrund kleiner werden - und den Yen stützen. (23.12.2022/alc/a/a)
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