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04.10.23 10:24
Kreditmärkte: Gefahren einer abkühlenden Konjunktur und steigende langfristige Zinsen nicht vollständig eingepreist

Zürich (www.anleihencheck.de) - Aktuell beobachten wir eine erstaunliche Sorglosigkeit bei den Analysten und Investoren, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Die Gefahren einer abkühlenden Konjunktur und damit tieferen Unternehmensgewinnen sowie gleichzeitig weiter steigende langfristige Zinsen würden mehrheitlich ignoriert und seien an den Aktien- und Kreditmärkten nicht vollständig eingepreist. Die Gefahr negativer Überraschungen wachse damit. Zudem würden die Geldmengen global weiter fallen und in den USA stünden die Regionalbanken nach wie vor unter Druck.

Der jüngste starke Anstieg der langfristigen Staatsanleihenzinsen sorge hier für massive Kursverluste auf sehr großen Positionen. Dies dürfte zu einem anhaltenden Vertrauensverlust bei den Kunden sorgen, verbunden mit einer Ansteckungsgefahr für das gesamte Finanzsystem. Geldmengen und Bankbilanzen seien historisch stets ein guter Frühindikator für die Börsen gewesen. In diesem Umfeld müssten die langfristigen Zinsen fallen und dadurch das System stabilisieren, was aber aufgrund restriktiver Geldpolitik und maßloser Staatsverschuldung nicht der Fall sei. Es würden sich damit negative Faktoren und Risiken kumulieren.

Ein Risikofaktor für die US-Konjunktur sei insbesondere der Faktor Konsum. Obwohl dessen Bedeutung bekannt sei, würden ihm Investoren nicht immer die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Dabei sei bei diesem Thema derzeit viel in Bewegung. Die restriktive Geldpolitik und die seit 18 Monaten steigenden Leitzinsen würden bei den Konsumenten immer stärker Wirkung zeigen. Entsprechend steige die Zinslast der privaten Haushalte in den USA massiv. Gleichzeitig seien die Überschussersparnisse aus den Pandemie-Hilfsprogrammen mittlerweile ausgegeben. Damit falle in den kommenden Monaten ein wichtiger Impuls für den privaten Konsum weg. Das sei gefährlich, da sich das Verarbeitende Gewerbe bereits im Abschwung befinde. Konsum und Dienstleistungen seien bisher die Stützen der Konjunktur gewesen.

Da gleichzeitig die langfristigen Zinsen ansteigen würden, wie auch die Hypothekarzinsen, und sich die Liquidität im Bankensystem vermindere, würden die Experten von Fisch Asset Management in den kommenden Monaten mit zusätzlichem Druck auf die Konsumenten rechnen. Dazu würden auch die anhaltende Schwäche der US-Regionalbanken beitragen, die eine restriktivere Kreditvergabe praktizieren dürften bei gleichzeitiger Erhöhung der Kreditzinsen. Ein weiteres Warnsignal seien die wiederholten kurzfristigen - innerhalb von wenigen Minuten - Renditesprünge mit anschließendem Rückfall am US-Staatsanleihenmarkt. Solche "Flash-Crashs" seien in der Vergangenheit stets Vorboten einer Liquiditätskrise gewesen.

Da die Wahrscheinlichkeit negativer Überraschungen an den Finanzmärkten groß bleibe, würden die Experten von Fisch Asset Management unverändert eine defensive Positionierung bevorzugen. Ihrer Ansicht nach sei es aktuell nicht der richtige Zeitpunkt, um höhere Risiken einzugehen. Momentan sähen die Experten von Fisch Asset Management Wandelanleihen als sinnvolles Anlageinstrument an, um solche schwierigen Marktphasen zu meistern. Denn auch bei einem - wider Erwarten - anhaltenden Aufschwung würden Anleger profitieren, seien jedoch bei einem Abschwung zu einem gewissen Grad durch den Bond Floor geschützt. Hier könne ein Tausch von direkten Aktieninvestments in Wandelanleihen eine Verbesserung des Chancen-Risikoprofils bringen.

Im reinen Anleihensegment fänden Investoren bei High Yield- wie auch bei Investment Grade-Unternehmensanleihen ansprechende laufende Renditen. Generell würden die Experten von Fisch Asset Management angesichts der zunehmenden Unsicherheiten einen Teil des Pulvers noch trocken halten. Sollte es zur erwarteten Korrektur kommen, könne entsprechend bei niedrigeren Kursen schrittweise investiert werden. Da die Inflationsentwicklung nach Ansicht der Experten von Fisch Asset Management global unter Kontrolle sei, dürfte es in der ersten Jahreshälfte 2024 zu Zinssenkungen kommen, um die Konjunktur zu stabilisieren. Erfahrungsgemäß helfe dies sowohl den Aktien- als auch den Anleihenmärkten. (04.10.2023/alc/a/a)


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