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29.11.23 09:34
Barings-Marktausblick: Public Fixed Income 2024

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Barings-Kreditmarktexperten Ricardo Adrogué (Head of Global Sovereign Debt and Currencies), Brian Pacheco (Portfolio Manager Global High Yield) und Yulia Alekseeva (Portfolio Manager & Head of Securitized Credit Research) erkunden gemeinsam die Zukunftsaussichten für Anlageklassen von Hochzins- und IG-Krediten bis hin zu Schwellenländern und verbrieften Schuldtiteln.

Welche Bereiche würden im nächsten Jahr besonders attraktiv sein und wo würden die Kreditmarktexperten Chancen auf ihren Märkten erwarten?

Nachdem die Renditen in den Industrieländern mehr als zehn Jahre lang sehr niedrig waren, sind sie nun endlich auf ein attraktives Niveau gestiegen, so der Barings-Kreditmarktexperte Ricardo Adrogué. Gerade bei den Zinssätzen in den Industrieländern habe sich eine Chance ergeben, die nach Meinung der Experten auch in Zukunft bestehen bleibe, wenn - wie von vielen erwartet - das "higher-for-longer" Zinsumfeld eintrete und die realen Zinssätze ebenfalls hoch bleiben würden. Ein schwächerer Konsum in den USA und Anzeichen für Zinssenkungen der FED würden sich zwar auf den Ausblick der Experten auswirken. Doch sie würden nicht davon ausgehen, dass diese Szenarien in naher Zukunft eintreten würden. Die Experten würden glauben, dass 2024 insgesamt ein gutes Jahr für die Zinsentwicklung in den Industrieländern sein dürfte.

Bei den Schwellenländern würden die Experten zwei mögliche Ansätze sehen: Der erste betreffe notleidende Werte. Einige würden zu Preisen von 20 oder 30 Cent angeboten. Viele von ihnen sollten vielleicht 60 Cent wert sein, sodass man sein Geld verdoppeln oder mehr als verdoppeln könne, wenn man richtig auswähle. Zweitens würden die Zinsen in den Schwellenländern und in den Industrieländern in unterschiedlichen Zyklen laufen. Viele Schwellenländer hätten in der Vergangenheit keine quantitativen Lockerungsmaßnahmen ergriffen, sodass sie auch jetzt nicht an einer quantitativen Straffung beteiligt seien, und sie hätten ihre Haushaltsausgaben nicht massiv ausgeweitet. Infolgedessen erscheinen die lokalen Zinssätze in den Schwellenländern besonders attraktiv, so die Experten von Barings. Diejenigen Länder, die sich an ihren eigenen Binnenmärkten refinanzieren könnten und die Inflation weitgehend unter Kontrolle hätten, was bei den meisten von ihnen der Fall sei, würden Anlegern eine Auswahl an Möglichkeiten für lokale Zinsen bieten.

Bei den Hochzinsanleihen sieht es ähnlich aus, so der Barings-Kreditmarktexperte Brian Pacheco. BB-Anleihen beispielsweise würden mit 7 bis 8 Prozent rentieren, was angesichts der vertraglichen Natur der Kupons und der Kapitalrückzahlung außergewöhnlich sei im Vergleich zu Aktien wie beim S&P 500, der langfristig etwa 10 oder 11 Prozent abwerfe. Bei Renditen auf diesem Niveau gebe es keinen Grund, nach mehr Rendite zu streben, indem man zusätzliche Kreditrisiken eingehe.

Besondere Chancen würden die Experten in Geschäften mit hohem Spread sehen, die kurz- bis mittelfristige Fälligkeiten aufweisen würden und bei denen der Schuldner über Liquiditätshebel oder gesicherte Kapazitäten verfüge - im Wesentlichen also über mehrere Möglichkeiten der Refinanzierung. Bei BBs und hochwertigen Single-Bs würden die Experten nach Katalysatoren für eine Spread-Verengung suchen. Dies könnte eine Ertragsdynamik oder ein Upgrade-Potenzial aufgrund verbesserter Fundamentaldaten sein.

Auf dem Kreditmarkt gebe es einen erheblichen Carry. Darlehen mit BB-Rating würden Kupons von etwa 7,5 bis 8 Prozent bieten, und das in dem Teil des Marktes, in dem die Ausfallraten in der Vergangenheit sehr niedrig gewesen seien. Auch in anderen Bereichen des Marktes gebe es Möglichkeiten. So gebe es zum Beispiel erstrangige Darlehen, die aktienähnliche Renditen bieten würden, was außerhalb größerer negativer Makroereignisse wie der Finanzkrise und Covid-19 selten der Fall sei.

Im Bereich der verbrieften Wertpapiere sehen wir derzeit eine Chance in Agency Mortgage Backed Securities (MBS), die zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt wieder attraktiv sind, so die Barings-Kreditmarktexpertin Yulia Alekseeva. Die Bewertungen seien auf absoluter Basis überzeugend, da sowohl die nominalen als auch die optionsbereinigten Spreads in den letzten zehn Jahren im 99. Perzentil gelegen hätten. Auf relativer Basis würden MBS auch im Vergleich zu Investment-Grade-Unternehmensanleihen überzeugend aussehen.

Da es bei Hypotheken aufgrund der Staatsgarantie kein Kreditrisiko gebe, sei das Hauptrisiko die negative Konvexität. In den letzten Jahren hätten jedoch viele Kreditnehmer ihre Hypotheken zu historisch niedrigen Zinssätzen refinanziert, was auf ein geringes Vorfälligkeitsrisiko hindeute - weniger als 1 Prozent des aktuellen Hypothekenuniversums sei refinanzierbar. Die Experten seien daher der Meinung, dass der Markt ein großes Aufwärtspotenzial habe. Aus diesem Grund seien die Experten davon überzeugt, dass nun ein attraktiver Zeitpunkt für den Einstieg für diejenigen Anleger sei, die bisher an der Seitenlinie gewartet hätten.

Insbesondere könnten Anleger von der Umkehrung am vorderen Ende der Kurve profitieren, indem sie einen Kupon von etwa 7 Prozent erhalten würden und gleichzeitig recht gut vom Kreditrisiko abgeschirmt seien. Und indem sie in einen Pool von Vermögenswerten investieren würden, die von Natur aus einen Abbau der Verschuldung bewirken würden, würden die Anleger im Wesentlichen das Risiko verringern, falls man sich einer Rezession nähere. Abschließend denke die Expertin, dass 2024 ein gutes Jahr für Investment-Grade-Kredite (IG) sein werde. Obwohl die Spreads bei IG-Unternehmensanleihen sehr eng seien, seien die Gesamtrenditen auf dem höchsten Stand seit 2009. (Ausgabe vom 28.11.2023) (29.11.2023/alc/a/a)



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