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22.12.23 09:14
Zinsspekulationen

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2023 klingt jetzt schnell aus, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Beurteilt aus der Sicht der geopolitischen Turbulenzen, sei das Jahr eine Katastrophe gewesen. Doch an den Finanzmärkten seien Investoren reichlich verwöhnt worden. Trotz konjunkturell schlechter Lage und trüber Aussichten seien die Aktienmärkte auf ein Allzeithoch geeilt. Der DAX habe zum ersten Mal in der Geschichte die 1.700-Punkte-Marke und der Dow Jones mehr als 37.000 erreicht.

Hintergrund waren und sind immer noch Zinsspekulationen, so die Analysten von "fairesearch". Wenn eine Konjunktur zur Schwäche neige und die Inflationsraten sinken würden, dann würden die Märkte auf Leitzinssenkungen spekulieren, die die Wirtschaft wieder ankurbeln könnten. Auf ihrer turnusmäßigen Sitzung am 13. Dezember 2023 habe die amerikanische Notenbank FED erstmals wieder Leitzinssenkungen im nächsten Jahr in Aussicht gestellt.

Die Europäische Zentralbank lasse die Leitzinsen zwar noch unverändert, kopple sich aber insofern ab von der Notenbank der USA, da sie nichts über die weiteren Aussichten erwähne. Zinssenkungen seien "überhaupt nicht diskutiert worden", habe EZB-Präsidentin Lagarde gesagt. Damit stelle sich die EZB den Erwartungen an den Märkten entgegen. Investoren würden gleich sechs Zinsschritte im neuen Jahr einpreisen.

Die Geldpolitik benötige mindestens sechs Monate, bis die Konjunktur Wirkung zeige. Die Konjunkturfrühindikatoren sollten den Konjunkturverlauf auch in sechs bis neun Monaten vorausnehmen. Von einer Besserung sei bisher nicht zu erkennen. Die Stimmung unter den Unternehmen habe sich eingetrübt.

Der ifo-Geschäftsklimaindex sei im Dezember auf 86,4 Punkte gefallen, nach 87,2 Punkten im November. Die Unternehmen seien weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften gewesen. Zudem hätten sie skeptischer auf das erste Halbjahr 2024 geblickt. Die Konjunktur bleibe auch in der Weihnachtszeit schwach. An den Aktienmärkten sei Vorsicht angebracht.

Geldmarkt: Die Notenbanken würden ihren restriktiven Kurs zur Bekämpfung der Inflation fortsetzen. Die FED stelle Leitzinssenkungen in Aussicht. Die Geldmarktzinsen würden vorerst hoch bleiben. Termingeld jetzt interessant.

Rentenmarkt: Die derzeit erzielbaren Rentenrenditen bei hohem Rating würden keinen Inflationsausgleich bieten. Käufe zurückstellen.

Aktienmarkt: Euphorie auf Allzeithoch sei aus fundamentaler Sicht übertrieben. Teilrealisationen seien empfehlenswert. Käufe zurückstellen. Ausnahme Hersteller erneuerbarer Energien.

Devisenmarkt: Der US-Dollar habe seinen "Militärbonus" in den Kursen eskomptiert. Eine weitere Verschärfung der geopolitischen Turbulenzen würde ihn eher weiter beflügeln. Die Märkte würden volatil bleiben.

Immobilien: Die Märkte seien einem allgemeinen Preisdruck ausgesetzt. Neubauten würden unter den höheren Zinsen sowie den stark gestiegenen Baustoffpreisen aufgrund von Lieferengpässen leiden. Die Baugenehmigungen in Deutschland würden die desolate Lage zeigen.

Edelmetalle: Der Goldpreis habe binnen kurzer Zeit starke Gewinne erzielt. Die unsolide Geld- und die Verschuldungspolitik würden kräftigen Rückenwind geben. Die Aussichten würden weiterhin hervorragend bleiben. (Ausgabe vom 21.12.2023) (22.12.2023/alc/a/a)



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