Oberursel (www.anleihencheck.de) - Zwei Faktoren stützten die Aktienmärkte bislang besonders: Hohe Erwartungen bezüglich der Investitionsausgaben in den Bereichen Technologie und Künstliche Intelligenz (Kl) haben die Sorgen über die durchaus sichtbare Schwäche im Industriesektor kompensiert, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.
Zudem hätten die Märkte die schwächeren Wirtschaftsdaten ignoriert und auf die positive Interpretation gesetzt, dass eine schwächere Wirtschaft die Inflation dämpfen und den Weg für Zinssenkungen ebnen würde. Zwar würden die gemeldeten offiziellen Inflationsraten noch nicht die 2-Prozent-Marke erreichen, doch gebe es zahlreiche Anzeichen, dass der Inflationsdruck nachlasse.
Daher dürfte die erste Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (FED) nur noch eine Frage von Wochen sein. Die US-Notenbank habe in ihrer Juli-Sitzung zwar "die Füße stillgehalten", zugleich aber die Bereitschaft zu einer baldigen Zinswende signalisiert. Die Währungshüter um Federal Reserve-Chef Jerome Powell hätten den geldpolitischen Schlüsselsatz in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent belassen. Die Entscheidung sei im Vorfeld so erwartet worden. Zugleich hätten sie die Tür für eine Zinssenkung geöffnet, die von den Marktteilnehmern nun im September erwartet werde. Im Begleittext zum Zinsentscheid sei von einigen weiteren Fortschritten auf dem Weg zum Inflationsziel von zwei Prozent die Rede gewesen. Die Notenbank sehe die Inflation zugleich nur noch als "etwas erhöht" an.
Nach einer Phase, in der "schlechte Nachrichten gute Nachrichten" gewesen seien, würden diese nun beginnen, die Märkte zu beunruhigen, trotz der Aussicht auf bevorstehende Zinssenkungen. Es würden sich die Stimmen mehren, die befürchten würden, dass die FED "hinter die Kurve" geraten könnte. Heiße: Je schneller die FED die Zinsen senken müsse, desto gefährlicher werde es für den Aktienmarkt. Denn die erste Zinssenkung der FED könnte durchaus mit einer deutlichen Verschlechterung der Wirtschaftsaktivitäten zusammenfallen. Die Märkte würden das jedenfalls so sehen und auf schneller als erwartet sinkende Zinsen wetten.
An den Staatsanleihemärkten hätten die Turbulenzen dazu geführt, dass die Renditen gesunken seien und die Zinskurven nicht mehr so stark invertiert seien wie noch vor einigen Wochen. Die Experten würden erwarten, dass die Aussicht auf Zinssenkungen der internationalen Zentralbanken die Anleihemärkte weiterhin stütze. Die Rendite von Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren sei zeitweise unter 2,20% und damit auf den tiefsten Stand seit Januar dieses Jahres gesunken. Im Bereich von zehn Jahren sei es mit den Renditen runter bis auf 2,08% gegangen.
Auch in den USA sei es zu einem massiven Renditerückgang gekommen und Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit hätten sich klar unterhalb der 4%-Marke (zuletzt 3,69%) festgesetzt. Entsprechend seien die Kurse für Staatsanleihen gestiegen und der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) habe bei 136,20 ein neues Impulshoch erreicht. (Ausgabe August 2024) (07.08.2024/alc/a/a)
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