Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
11.09.24 12:05
Spielraum für sinkende Anleiherenditen begrenzt - Korrekturen am Aktienmarkt als Kaufgelegenheit nutzen

New York (www.anleihencheck.de) - Von der bevorstehenden Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (FED) Ende des Monats erwarten die Marktteilnehmer Zinssenkungen, so Jim Caron, Chief Investment Officer der Portfolio Solutions Group von Morgan Stanley Investment Management.

Nach Meinung von Caron würden diese 25 Basispunkte betragen. Die FED konzentriere sich jedoch eindeutig auf den Arbeitsmarkt. Um FED-Chef Jerome Powell zu zitieren: "Die FED ist nicht bereit, eine Verschlechterung hinzunehmen". Das bedeute, dass die Anleihe- und auch die Aktienmärkte besonders empfindlich auf schwächere Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsdaten reagieren würden. Mit anderen Worten: Es werde eine Asymmetrie geben. In Reaktion auf schwache Daten würden mehr und schnellere Zinssenkungen eingepreist als bei guten Daten ausgepreist.

"Ein wichtiges Thema für den September bezieht sich auf unser FEAR-Rahmenwerk", so Caron. Dieses basiere auf dem Zusammenspiel von FED-Politik (F), Beschäftigung (Employment, E), Vermögenspreisen (Asset Prices, A) und Zinsen (Rates, R). Die Leitzinsen von 5,5 Prozent seien darauf ausgerichtet gewesen, zur Senkung der Teuerung die Beschäftigung und die Lohninflation zu dämpfen. Dies geschehe auch. Die Marktteilnehmer würden aber befürchten, dass die Geschwindigkeit der Arbeitsplatzverluste eine Rezession auslösen könnte. Der Grund für den Anstieg der Arbeitslosenquote könnte jedoch darin liegen, dass mehr Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten würden - und nicht darin, dass sie ihren Arbeitsplatz aufgeben oder entlassen würden.

Ebenfalls zu beachten sei die Volatilität der Marktfundamentaldaten. Die Schwankungen an den Märkten würden möglicherweise mehr über Übertreibungen in überfüllten Marktpositionen als über wirtschaftliche Fundamentaldaten sagen. Sicherlich verlangsame sich die Wirtschaft. Aus Sicht von Caron sei dies aber eher eine Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit und der Beschäftigungslage als ein Zusammenbruch. "Wir tendieren daher dazu, die positive Ausrichtung unserer Vermögensallokation beizubehalten", so Caron.

An den Anleihemärkten seien aktuell FED-Zinssenkungen um mehr als 200 Basispunkte bis Ende 2025 eingepreist. Auch wenn die Renditen noch etwas Spielraum nach unten hätten: Caron sei der Meinung, dass es eine harte Landung oder eine tiefere Rezession brauche, um einen wesentlichen Rückgang zu sehen. Er sei nach wie vor der Ansicht, dass die Inflation in den kommenden Jahren strukturell höher sein werde. Natürlich könne sie vom aktuellen Stand ausgehend noch etwas zurückgehen. Caron gehe aber nicht davon aus, dass sie für einen längeren Zeitraum unter 2 Prozent fallen werde. Stattdessen denke er, dass die Anleiherenditen mit einem Aufschlag über dem endgültigen FED-Funds-Niveau von etwa 3,5 Prozent gehandelt würden, das man bis Ende 2025 sehen könnte. Aus diesem Grund sei Caron der Ansicht, dass ihr Rückgangspotenzial begrenzt sei.

"Wie wir zu sagen pflegen: Die schlechtesten Zeiten sind die besten Zeiten. Wir wollen die Volatilität ausnutzen", so Caron. Der Aktienmarkt befinde sich aus Sicht von Caron in einer langfristigen Hausse und er sehe daher Korrekturen als Kaufgelegenheit. Aus diesem Grund habe Caron während der Schwächephase Anfang August sein Aktienengagement aufgestockt. Gleichzeitig denke er aber immer noch, dass sich die Wirtschaft abkühle und eine sanfte Landung erfolge. Daher könne der Markt auch nach oben überschießen. Deshalb sei Caron nach der Rally im August wieder zu einer neutralen Position zurückgekehrt. Bei japanischen Aktien wolle er eine Übergewichtung beibehalten. Der Aktienmarkt in dem Land sei in eine Korrekturphase eingetreten, nicht in den Beginn eines Bärenmarkts. Caron werde diese Korrekturen nutzen, um sein Engagement zu erhöhen. Auch wenn es umstritten sein dürfte, untergewichte Caron Duration - trotz der der Tatsache, dass der Markt erwarte, dass die FED die Zinsen bis Ende 2025 um über 200 Basispunkte senken werde. "Aus unserer Sicht ist dies vollständig in den Märkten eingepreist und wir dürften in Bezug auf die Renditen bereits nahe des Ziels sein", so Caron. (11.09.2024/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de