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17.10.24 09:45
14,00% Vontobel-Aktienanleihe auf thyssenkrupp: Zwischen Hammer und Amboss - Anleiheanalyse

München (www.anleihencheck.de) - thyssenkrupp (ISIN DE0007500001 / WKN 750000) und deren Vorgängerunternehmen gehören zu den historischsten Namen Deutschlands, so das Zertifikate-Team der Bank Vontobel Europe AG im aktuellen "Aktienanleihen Investor".

Seit über zehn Jahren mache das Traditionsunternehmen jedoch schwierige Zeiten durch. Trotz diversen Umstrukturierungen und Verkäufen von Teilbereichen des Konzerns stehe thyssenkrupp unter Druck. Nun solle auch noch der historische Kern, das Stahlgeschäft, veräußert werden. Könne thyssenkrupp seine internen Herausforderungen in einem schwierigen Umfeld erfolgreich angehen oder drohe das Ende einer historischen Institution?

Der Konzern thyssenkrupp AG sei 1999 nach einem Zusammenschluss der Fried entstanden. Krupp AG mit der Thyssen AG. Beide Unternehmungen seien seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts und somit seit den Anfangszeiten der Industrialisierung im Stahlsektor tätig gewesen und hätten Deutschlands Entwicklung zu einem führenden Industriestaat entscheidend geprägt.

Nach größtenteils positiven Geschäftsjahren unmittelbar nach der Fusion zur Jahrtausendwende hätten fehlgeschlagene Ambitionen zum Bau von Einrichtungen in Brasilien und den USA dem Konzern einen herben finanziellen Schlag versetzt. Die geplanten Werke hätten im Jahr 2012 abgeschrieben und mit Verlusten im Milliardenbereich verkauft werden müssen, eine Fehlinvestition, mit dessen Nachwirkungen der Konzern bis heute noch zu kämpfen habe.

Der thyssenkrupp-Konzern decke nach wie vor eine stattliche Anzahl Geschäftsfelder ab. Seine Tochtergesellschaften würden die Automobilindustrie beliefern, der Konzern besitze mit "Marine Systems" einen führenden Hersteller von nicht-atomaren U-Booten, er baue Industrieanlagen und sei mit "Steel Europe" nach wie vor im Stahlsektor tätig. Die umsatzstärksten Teilbereiche seien im Jahr 2023 das Rohstoffhandelsgeschäft "Materials Services" gewesen, knapp vor Steel Europe, wobei das Stahlgeschäft den höchsten Profit generiert habe.

Zuvor seien im Verlauf des letzten Jahrzehnts im Rahmen von Restrukturierungen unter anderem Teilbereiche wie das Edelstahlgeschäft (ehem. ThyssenKrupp Stainless) oder das Aufzugsgeschäft veräußert worden. Das Aufzugsgeschäft sei im Jahr 2020 für über 17 Millionen Euro verkauft worden, obwohl es gewinnbringend gewesen sei und in einem Markt mit guten Wachstumschancen operiert habe. thyssenkrupp sei jedoch dringend auf die aus dem Verkauf gewonnenen Mittel angewiesen gewesen - unter anderem zur Bekämpfung der anwachsenden Schuldenlast.

Der thyssenkrupp-Konzern kämpfe bereits seit einigen Jahren gegen diverse ungünstige Umstände an. Der Konzern habe in Vergangenheit immer wieder mit Restrukturierungs- und Verkaufsplänen von Teilsparten auf sich aufmerksam gemacht. Da mit solchen Maßnahmen oft auch Personalentlassungen miteinhergehen würden, stünden der Konzern und sein Vorsteher Miguel Ángel López Borrego mittlerweile auch vermehrt im politischen Rampenlicht.

thyssenkrupp leide dabei nicht nur unter den konjunkturellen Problemen der deutschen Industrie und der Stahlbranche im Allgemeinen, sondern habe auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Einerseits erhitze der geplante Verkauf der Stahlabteilung Steel Europe die Gemüter. In einer Vorstandssitzung des Konzerns sei es laut Medienberichten zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Vorstandsmitgliedern von "Thyssenkrupp Steel Europe" und dem Konzernchef Miguel Lopez gekommen. Infolgedessen hätten mehrere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von Steel Europe ihren Rücktritt bekannt gegeben.

Die Quelle der Uneinigkeiten: die Herauslösung des Stahlherstellers erfordere Sparmaßnahmen, worunter auch Streichungen von Arbeitsstellen fallen könnten. Die Rede sei von mehreren Tausend Arbeitsstellen - Steel Europe beschäftige über 25.000 Mitarbeitende. Außerdem erfordere die Veräußerung eine Mitgift des Mutterkonzerns. Ein Finanzpaket, mit welchem unter anderem Einrichtungen modernisiert werden sollten, damit sich das Unternehmen eigenständig am umkämpften Stahlmarkt behaupten könne.

Die Stahlindustrie Deutschlands sei hart von der Energiekrise getroffen worden. Zudem werde von der Branche erwartet, Bestrebungen zu einer umwelterträglicheren Produktion vorzunehmen und sich schnellstmöglich von der Braunkohle als Hauptenergieträger zu verabschieden. Damit der Kraftakt mit der Umstellung zu umweltfreundlicherem Stahl mithilfe von Wasserstoffenergie gelingen könne, habe thyssenkrupp vom deutschen Staat bereits ein Unterstützungspaket in Höhe von bis zu 2 Milliarden Euro erhalten.

Zu all diesen Herausforderungen komme noch ein zunehmend steigendes Konkurrenzangebot von Billigstahl aus China, welches die gesamte europäische Stahlindustrie unter Druck setze. All diese Einflussfaktoren hätten dazu geführt, dass es für den thyssenkrupp-Konzern zunehmend zur Last werde, sein Stahlgeschäft fortzuführen. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, sei eine Sanierung von Nöten.

Nun solle Daniel Kretinsky einspringen. Der tschechische Investor und Eigentümer des Energieversorgungsunternehmens EPH mit Sitz in Prag halte eine Position von 20 Prozent an thyssenkrupp Steel Europe und habe bereits Interesse bekundet, diesen Anteil auf insgesamt 50 Prozent zu erhöhen, womit ein 50/50 Joint-Venture entstehen würde.

Während die Konzernleitung und die größte Aktionärin des thyssenkrupp-Konzerns, die Krupp-Stiftung, dieses Engagement begrüßen würden, seien Interessensgruppen wie Mitarbeitende und die Gewerkschaft IG Metall weniger enthusiastisch. Dem Investor würden mangelnde Transparenz und ein fehlendes Konzept zur strategischen Ausrichtung von Steel Europe vorgeworfen.

Wie schmerzhaft es auch klingen möge, der Grundtenor der Stimmen aus Wirtschaft und Politik sehe die Verselbstständigung des traditionsreichen Stahlgeschäfts als einen Schritt in die richtige Richtung. Auch würden vermehrt Rufe nach einem Einstieg des deutschen Staates laut, die jedoch nicht auf viel Anklang stoßen würden. Vieles werde davon abhängen, ob sich die Interessensgruppen der Gewerkschaften, Vorstände und Investoren auf einen Grundkonsens einigen könnten. Auch könnte die Positionierung der Krupp-Stiftung, der größten Einzelaktionärin des Mutterkonzerns, eine Rolle spielen. Bisher habe sich die Stiftung, die sich mit 21 Prozent am Grundkapital beteilige, eine eher passive Rolle gespielt. Angesichts der zunehmenden Herausforderungen und der zunehmenden Kritik an der Stiftung bleibe es offen, ob sich die Hauptaktionärin des Konzerns zu einer aktiveren Teilnahme entschließen lassen werde.

Eine Investmentidee sei zum Beispiel die 14,00% Aktienanleihe mit Barriere (ISIN DE000VC5UM28 / WKN VC5UM2) auf die Aktien von thyssenkrupp. Der Basispreis betrage 100,00%, die Barriere 80,00%. Der aktuelle Verkaufspreis belaufe sich auf 100,00%. Die Laufzeit ende am 19.12.2025. (Stand: 16.10.2024) (Ausgabe Oktober 2024)


Da der weitere Kursverlauf der Aktien von einer Vielzahl konzernpolitischen, branchenspezifischen und ökonomischen Faktoren abhängig ist, sollten Anleger das Risiko bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Entwicklungen können jederzeit anders verlaufen, als Anleger es erwarten, wodurch Verluste entstehen können.

Ausgewählte Risiken:

Korrelationsrisiko:
Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen bezieht sich auf mehrere Basiswerte. Damit ist der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals ist daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko:
Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten-/Bonitätsrisiko:
Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung. (17.10.2024/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.



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