Oberursel (www.anleihencheck.de) - Was sind die Konsequenzen für die Wertpapiermärkte, sofern der Kandidat der Republikaner oder die Kandidatin der Demokraten die Wahl gewinnt, fragen die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.
Sollte Donald Trump erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden und die Republikaner die Kongresswahlen gewinnen, dürften die Aktienmärkte auf eine Umsetzung der Trumpschen Pläne für Steuersenkungen und Deregulierung in den USA auf kurze Sicht durchaus positiv reagieren. Auf mittlere Sicht sollten sich jedoch nach Einschätzung der Experten ein wachsender Protektionismus, weltweit steigende Zollerhöhungen und die Begrenzung der Zuwanderung in den USA wachstumsdämpfend und damit belastend auf die globalen Volkswirtschaften auswirken. Zugleich könnte sich der Inflationsdruck erhöhen, was den Zinssenkungsspielraum der Notenbanken reduzieren könnte.
Falls es zu einer Ausweitung der Staatsverschuldung kommen sollte, könnten die Risikoaufschläge an den Rentenmärkten steigen, was nicht ohne Auswirkungen auf die Aktien- und Immobilienmärkte bleiben werde.
Der Gestaltungsspielraum des künftigen US-Präsidenten oder der künftigen US-Präsidentin hänge stark davon ab, ob auch eine Mehrheit im US-Kongress erreicht werden könne. Gerade in der Gesetzgebung seien die Handlungsmöglichkeiten ansonsten stark eingeschränkt. Dass dies nicht gelinge und das zukünftige US-Staatsoberhaupt zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit gezwungen sei, erscheine als wahrscheinliches Szenario. Allzu extremen politischen Eskapaden wären somit Grenzen gesetzt.
Nach den zuletzt positiv überraschenden US-Konjunkturdaten und etwas höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten seien die zuvor sehr aggressiven US-Zinssenkungserwartungen zurückgeschraubt worden, und die Renditen der US-Staatsanleihen hätten sich spürbar erholt. Dies habe auch den Bund-Markt tangiert. Denn 10-jährige deutsche Staatsanleihen seien seit Mitte Oktober spürbar gestiegen, weshalb sich der Treasury-Bund-Spread zuletzt wieder etwas eingeengt habe. Kurzfristig erwarteten die Experten nach fortgesetzten Fed- und EZB-Zinssenkungen stabile bzw. leicht fallende zehnjährige Treasury- und Bund-Renditen.
Im Falle eines Wahlsiegs Trumps und als Folge einer möglichen Einführung oder Anhebung von Zöllen könnte eine global hartnäckige Inflation eintreten. Die gegenwärtigen Zinssenkungserwartungen müssten dann für 2025 vor allem im Euro-Raum als übertrieben eingeschätzt werden. Weiterhin dürften sich die am kurzen Ende der Laufzeitenstruktur immer noch stark inversen Zinskurven vor allem in den USA versteilen, auch aufgrund zunehmender Risikoprämien bei langen Laufzeiten. Diese würden im Zuge anhaltend hoher Haushaltsdefizite und steigender Schuldenstände von den Marktteilnehmern eingefordert. (Ausgabe November 2024) (01.11.2024/alc/a/a)
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