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08.12.25 10:51
"Last Call" am Zinsmarkt: Fed könnte Märkte überraschen - Risiko für Weihnachtsrally steigt

Paris (www.anleihencheck.de) - "Last call", so heißt es auf dem Flughafen, um die Passagiere zum Einstieg in das wartende Flugzeug zu drängen, wer jetzt nicht einsteigt, bleibt zurück, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur des Kundenmagazins "Märkte & Zertifikate weekly" von BNP Paribas.

"Last Call" heiße es nun auch am US-Zinsmarkt. Am kommenden Dienstag und Mittwoch stehe in diesem Jahr die letzte Beratungsrunde der Notenbank, der Fed, an, und damit der Entscheid, mit welchen Leitzinsen der US-Aktienmarkt das alte Jahr beende und in das neue starte. Zur Erinnerung: Die zurückliegende Zinssenkung sei Ende Oktober gewesen, damals habe die US-Notenbank die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite von 3,75 bis 4 Prozent gesenkt. Das sei nicht die erste Zinssenkung in diesem Jahr gewesen. Bereits im September hätten die Notenbanker einen entsprechenden Schritt vorgenommen.

Was bei beiden Zinssenkungen, sowohl bei der im September wie auch bei der im Oktober, auffalle: Die Notenbank agiere sehr vorsichtig, eher zurückhaltend. Durchgeführt worden sei jedes Mal nur der Minimalschritt von 0,25 Prozentpunkten. Und diese Vorsicht drücke sich dann auch in den jeweiligen Kommentaren, den FOMC-Protokollen, aus. Unter dem Strich seien beide Senkungen ein Herantasten, ein Ausprobieren, kein überzeugtes Durchgreifen gewesen, weil die Inflation auf dem Rückzug sei. Ganz im Gegenteil, Hauptziele der Fed seien nämlich Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Letzteres sei nahezu erreicht, ersteres aber nicht. Die Inflation sei nach wie vor in den USA unterwegs, im September habe sie immerhin bei 3% gelegen und damit deutlich über der Marke von 2%. Also, maximale Beschäftigung, aber eine höhere Inflation als gewünscht, da bleibe kaum Spielraum für Zinssenkungen. Man müsste sogar, so die Überlegung einiger Volkswirte, die Zinsen wieder leicht anziehen. Die niedrige Arbeitslosenquote würde das zulassen, die Inflationsrate sogar verlangen.

Allerdings, und jetzt komme etwas hinzu, dass es so in den USA vielleicht bislang nicht gegeben habe, und das sei der politische Druck. US-Präsident Donald Trump fordere niedrigere Zinsen, drohe gar mit einer Entmachtung der Fed. Auch wenn diese politisch unabhängig sei, seien erste Vertreter des Trump-Lagers in die Räume der Notenbank eingezogen, zum Beispiel Stephen Miran. Zinserhöhungen seien im Moment eher unwahrscheinlich, auch wenn sie von der Sache her ratsam wären.

"Mein Tipp also für Dienstag und Mittwoch: Die Zinsen bleiben unverändert", so Olaf Hordenbach von BNP Paribas. Damit stehe der Chefredakteur allerdings gegen die Marktmeinung, die größtenteils eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte erwarte. Das heiße aber auch: Sollte die Senkung nicht kommen, könnte das an der Börse in der kommenden Woche für einige Enttäuschung sorgen und damit zu fallenden Kursen führen. Ob die Weihnachtsrally in diesem Jahr damit ausfalle? Mal schauen, auf jeden Fall werde es zeitlich etwas eng mit der Rally. "Last call zur Weihnachtsrally", heiße es damit wohl auch am Aktienmarkt. (Ausgabe vom 05.12.2025) (08.12.2025/alc/a/a)


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