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10.12.25 12:56
Zinsen, Politik, KI-Boom: So unterscheiden sich die globalen Anleihemärkte 2025 - und das kommt 2026

London (www.anleihencheck.de) - 2025 war ein recht gutes Jahr für die US-Anleihemärkte, so Mark Dowding, Chief Investment Officer von RBC BlueBay Asset Management.

Staatsanleihen hätten ihr bestes Jahr seit 2020 verzeichnet, da die Zinsen im Laufe des Jahres gesunken seien. Gleichzeitig sei das Wirtschaftswachstum relativ robust gewesen, was dazu beigetragen habe, dass Unternehmensanleihen eine Outperformance erzielt hätten und sich die Spreads sowohl bei Investment Grade als auch für Hochzinsanleihen verengt hätten.

Für die europäischen Anleihemärkte sei es ein weniger starkes Jahr gewesen. Hier seien die Renditen deutscher Bundesanleihen aufgrund der von Deutschland im ersten Quartal angekündigten Ausgabepläne gestiegen. Die Renditen von Anleiheindices hätten dies nicht ausgleichen können. Tatsächlich seien die Renditekurven im Laufe des Jahres erneut angestiegen, was zum Teil auf eine veränderte Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren zurückzuführen sei. Anleger hätten stärker auf Kreditrisiken als auf Duration gesetzt.

Dies habe sich insbesondere in den Niederlanden gezeigt, wo die jüngsten Änderungen der Pensionsfondsgesetzgebung dazu führen würden, dass der Bedarf an langfristigen Absicherungen sinke. In Frankreich hätten sich die Spreads im Laufe des Jahres verschlechtert. Frankreich sei nach wie vor ein Land, das über seine Verhältnisse lebe. Politische Turbulenzen seien häufig. Gleichzeitig würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management davon ausgehen, dass die Schwankungen der Spreads bis zur Wahl im Jahr 2027 relativ begrenzt bleiben würden.

In Großbritannien seien die Renditen langlaufender Staatsanleihen unter Druck geraten, weil die Starmer-Regierung mit Rachel Reeves als Finanzministerin fast das ganze Jahr um ihre Glaubwürdigkeit gekämpft habe. Trotzdem habe die Bank of England die Zinsen gesenkt. Dies habe im Laufe des Jahres zu einer steileren Zinsstrukturkurve geführt.

Anders wiederum in Japan: Die Wirtschaft habe sich stärker gezeigt, weshalb die Bank of Japan die Zinsen angehoben habe. Auch hier habe die Politik eine unglaublich wichtige Rolle gespielt. Die erste Premierministerin Japans, Sanae Takaichi, habe ihr Amt angetreten, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Dies habe die Renditen der Staatsanleihen weiter in die Höhe getrieben und mache die Renditekurve steiler - auch möglicherweise aufgrund von Inflationssorgen. Dies erinnere daran, dass politische Entscheidungen eine wichtige Triebkraft für die Anleihenmärkte sein könnten.

Vor diesem Hintergrund sei es eigentlich überraschend, dass sich die USA trotz aller Ängste und Sorgen angesichts der politischen Agenda von Präsident Trump so gut gehalten hätten. Was die Zölle angehe, so bestehe zwar die Möglichkeit, dass diese ein Störfaktor sein könnten, falls es zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommen sollte. Tatsache sei allerdings auch, dass die Zölle in den letzten Monaten keine ernsthafte Gegenwehr erfahren hätten.

Zu Beginn des Jahres hätten die Experten von RBC BlueBay Asset Management die Rolle des Dollar infrage gestellt, weil er aufgrund diverser Maßnahmen der US-Regierung deutlich abgewertet habe. Nach einer Abschwächung im März und April tendiere er in den letzten sechs Monaten aber mehr oder weniger seitwärts.

Währungen hätten dieses Jahr weniger im Fokus gestanden. Das Interesse habe sich vielmehr auf die Themen Aktien, KI und eine mögliche Blasenbildung am Markt gerichtet. Für festverzinsliche Wertpapiere sei es jedenfalls ein rundum solides Jahr gewesen.

Mit Blick auf 2026 würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management weiterhin davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft ihre Dynamik behalte. Zins- und Steuersenkungen sowie Deregulierung dürften zusätzlich für Rückenwind sorgen. Hinzu komme, dass die Ausgaben für KI, die 2025 schätzungsweise 75 Mrd. US-Dollar betragen hätten, im Laufe des kommenden Jahres voraussichtlich auf bis zu 300 Mrd. US-Dollar steigen würden.

Angesichts dieser enormen Geldspritze für die Wirtschaft und der günstigen Rahmenbedingungen würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management mit einem weiteren relativ starken Jahr für das Wirtschaftswachstum in den USA rechnen. Gleichzeitig würden sie eine etwas höhere Inflation erwarten. Deshalb gehe man davon aus, dass die Fed es einstweilen bei den Zinssenkungen der letzten Monate belassen werde. Dennoch seien weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen, insbesondere wenn sich der Arbeitsmarkt schwach entwickeln sollte und Donald Trump seine Agenda gegenüber einem neuen Fed-Vorsitzenden durchsetzen möchte, um weitere Zinssenkungen herbeizuführen.

Allerdings: Die Republikanische Partei werde darauf angewiesen sein, die Inflation einzudämmen, wenn sie die Lebenshaltungskosten nicht unter Kontrolle bekomme - insbesondere vor den Mid-Terms im nächsten Jahr. Deshalb würden würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management davon ausgehen, dass die Fed möglicherweise weniger Zinssenkungen vornehmen werde als derzeit erwartet. Dies basiere vor allem auf einer optimistischeren Konjunkturprognose, die viele Marktteilnehmer zurzeit teilen würden.

In Europa werde die Lage relativ ruhig bleiben. Obwohl die europäische Wirtschaft eher schwach erscheine, würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management nicht mit Zinssenkungen rechnen, wenn die Fiskalpolitik weiterhin locker bleibe. In Anbetracht der geringeren Zahl von Zinssenkungen gehe man davon aus, dass die Renditen langlaufender Staatsanleihen in den USA und in der Eurozone im kommenden Jahr mehr oder weniger seitwärts tendieren würden. Die Folge: Staatsanleihen würden möglicherweise Renditen in einer ähnlichen Größenordnung wie Tagesgeld erzielen.

In Anbetracht eines recht robusten Wirtschaftswachstums würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management davon ausgehen, dass sich Unternehmensanleihen positiv entwickeln würden. Das sei typischerweise der Fall, wenn das Rezessionsrisiko gering sei. Bei einem höheren Rezessionsrisiko bekämen sie Gegenwind. Im Markt würden in letzter Zeit Behauptungen auftauchen, auf dem Unternehmensanleihemarkt herrsche eine "Kakerlakenplage". Das sähen die Experten von RBC BlueBay Asset Management anders. Die Beispiele für Unternehmensinsolvenzen, die man beobachtet habe, würden sich eher als Einzelfälle darstellen, ähnlich wie 2003 bei Enron und WorldCom. Generell würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management die Unternehmensanleihemärkte für recht stabil. (10.12.2025/alc/a/a)


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