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www.anleihencheck.de
05.01.26 11:16
Kupons zurück auf der Bühne: Anleihen liefern wieder planbare Erträge

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte erzählten 2025 eine weniger einheitliche Geschichte als die Aktienmärkte, so die Experten der Alte Leipziger Trust Investment-Gesellschaft mbH in ihrem aktuellen "Invest-Report".

Positiv sei vor allem die Rückkehr attraktiver laufender Erträge gewesen.

Kupons und laufende Zinseinnahmen hätten wieder einen verlässlichen Renditebeitrag geliefert und die Rolle von Staatsanleihen als Stabilitätsanker habe zurückgewonnen, allerdings abhängig von Region und Laufzeit. Gleichzeitig seien die Renditebewegungen regional unterschiedlich verlaufen: US-Staatsanleihen hätten im Jahresverlauf eher von fallenden Renditen profitiert, während sich im Euroraum das lange Ende zeitweise fest gehalten habe. In der Praxis heiße das, dass Anleiheninvestoren 2025 zwar wieder laufende Erträge hätten vereinnahmen können, Kursgewinne aber stärker von Timing und Laufzeitsteuerung abhängig gewesen seien als in klassischen Zinsrallyphasen.

Am US-Bondmarkt habe sich 2025 die Debatte von der Frage "wie hoch müssen Zinsen noch steigen" hin zur Frage "wie schnell kann gelockert werden und wie stark begrenzt das Anleiheangebot die Kurschancen" verlagert. Sinkende Inflationsraten und eine etwas abkühlende Dynamik in Teilen des Arbeitsmarkts hätten zusätzliche Zinssenkungen plausibel gemacht. Gleichzeitig sei das Emissionsvolumen hoch geblieben, sodass Investoren am langen Ende höhere Renditen verlangt hätten, um das zusätzliche Angebot aufzunehmen. In diesem Zusammenhang falle häufig der Begriff Termprämie. Gemeint sei der zusätzliche Zinsaufschlag, den Anleger für lange Laufzeiten verlangen würden, weil sie das Risiko von Inflation und Zinsänderungen über viele Jahre tragen würden und weil sie für die geringere Flexibilität eines langfristigen Investments entschädigt werden möchten. Man könne es auch so ausdrücken: Selbst wenn die Notenbank kurzfristige Zinsen senke, könne der Zinssatz für sehr lange Laufzeiten hoch bleiben, wenn Anleger für die Unsicherheit der nächsten zehn Jahre mehr "Sicherheitszinsen" verlangen würden.

Im Euroraum sei 2025 die Spreaddifferenzierung wieder deutlicher hervorgetreten und damit auch die Frage, wie fiskalische Glaubwürdigkeit in einem Umfeld höherer Zinsen bewertet werde. Dass Renditen langer Bundesanleihen nicht im gleichen Maße gefallen seien wie der kurzfristige Zins, verweise auf das Zusammenspiel aus größerem Anleiheangebot, höheren Investitions- und Verteidigungsausgaben sowie einer höheren Risikoprämie am langen Ende. Besonders Frankreich habe im Fokus gestanden. Hohe Defizite, eine hohe Schuldenquote und eine innenpolitisch schwierige Reformfähigkeit hätten die Debatte über die mittelfristige Tragfähigkeit verschärft. Die Folge seien höhere Renditen und ein sichtbar erhöhter Risikoaufschlag gegenüber Deutschland gewesen. Für Unternehmensanleihen sei 2025 insgesamt konstruktiv gewesen, weil die laufenden Kupons hoch geblieben seien und harte Rezessionsszenarien ausgeblieben seien. Allerdings seien Risikoaufschläge in Phasen politischer Unsicherheit oder bei plötzlich steigenden Renditen schnell wieder sensibler geworden. Das unterstreiche, wie wichtig Qualität, Laufzeitsteuerung und Emittentenauswahl bleiben würden.

Blick nach vorn: Chancen selektiv nutzen, Volatilität einkalkulieren

Für 2026 ergebe sich aus dem Jahr 2025 ein Ausblick, der weniger von Bewertungsausweitung und mehr von Fundamentaldaten geprägt sein dürfte. Basisszenarien würden auf moderates Wachstum in den USA, eine langsame Erholung in der Eurozone und eine weiter abnehmende Trenddynamik in China hindeuten. Deutschland dürfte bei Investitionsimpulsen und etwas entspannten Finanzierungsbedingungen zwar anziehen, aber die strukturellen Bremsen würden spürbar bleiben. Inflationsseitig spreche vieles für eine weitere Annäherung an die Zielwerte, allerdings mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Rückschläge. Für die Geldpolitik heiße das, dass Zinssenkungen möglich seien, aber eher vorsichtig. Gleichzeitig dürfte das lange Ende stärker von Angebot, Risikoprämien und Fiskalfragen geprägt sein als von der reinen Leitzinserwartung.

Nach dem starken 2025 werde das neue Börsenjahr 2026 voraussichtlich weniger von "Rückenwind aus steigenden Bewertungen" leben, sondern stärker von echter Substanz. Für Aktien heiße das: Entscheidend werde sein, ob die Unternehmensgewinne das bereits hohe Kursniveau rechtfertigen würden und ob sich die Ertragskraft auf mehr Branchen verteile, statt nur von wenigen großen Titeln getragen zu werden. Schwankungen seien dabei kein Sonderfall, sondern würden zum Grundrauschen gehören, weil Geopolitik und politische Entscheidungen wie Zölle, Regulierung oder fiskalische Programme schneller und direkter auf Inflation und Zinsen durchschlagen könnten. Gerade hier liege aber auch der praktische Nutzen einer sauberen Portfolioaufstellung.

Anleihen würden wieder planbare laufende Erträge liefern und könnten im Depot wieder eine stabilisierende Rolle spielen, solange Laufzeiten und Risiken bewusst gesteuert würden. Damit werde die Kombination aus Qualitätsaktien als Wachstumsmotor und Zinsbausteinen als Ertragsanker erneut attraktiv. Die wichtigste Botschaft für Anleger sei deshalb leicht zu greifen: Nicht auf einen einzigen Treiber setzen, sondern breit diversifizieren, Währungsrisiken bewusst managen und diszipliniert bleiben, wenn Märkte kurzfristig übertreiben würden. Wer so vorgehe, habe auch in einem anspruchsvolleren Umfeld gute Chancen auf solide und nachvollziehbare Ergebnisse. (Ausgabe Januar 2026) (05.01.2026/alc/a/a)


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