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09.01.26 15:00
Anleihen-Ausblick 2026: "Risiken verschwinden nicht"

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch das neue Jahr dürfte herausfordernd sein - das meint jedenfalls Arthur Brunner, der für die ICF Bank Anleihen handelt, mit Blick auf geopolitische Konflikte, Notenbankentscheidungen und Konjunkturschwäche, so die Deutsche Börse AG.

"Das spannendste Thema 2026 dürfte aber wohl der Wechsel an der Spitze der US-Notenbank sein", erwarte er. Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank werde das Thema Leitzinsentwicklung die Märkte "immer beschäftigen". "Außerdem ist mit weiteren Überraschungen von US-Präsident Trump zu rechnen", ergänze er.

Laut Tim Oechsner von der Steubing AG werde die Geldpolitik wichtigster Faktor bleiben. "In den USA wird für 2026 mit moderaten Zinssenkungen der FED gerechnet", erkläre der Händler. "Kein aggressiver Lockerungszyklus, eher Fein-Tuning." In der Eurozone werde die EZB dagegen näher an einer Stabilisierung bleiben. Die EZB habe den Leitzins von Mitte 2024 bis Mitte 2025 achtmal auf aktuell 2 Prozent gesenkt. In den USA, wo die Inflation noch höher liege, seien es aktuell 3,5 bis 3,75 Prozent.

Neuer US-Notenbankchef: "Mit Sicherheit ein Vertrauter von Trump"

Großes Thema an den Kapitalmärkten sei die Nachfolgeregelung für US-Notenbankchef Jerome Powell. Dessen Amtszeit laufe Ende Mai 2026 aus. "Es wird mit Sicherheit ein Vertrauter von Trump werden", bemerke Brunner. Favorit auf die Nachfolge ist Kevin Hassett, derzeit Leiter des National Economic Council (NEC). "Die Wahrscheinlichkeit liegt laut Wett- und Vorhersagemärkten derzeit bei bis 80 Prozent", stelle Oechsner fest. Hassett stehe für eine deutlich "dovishere" Geldpolitik als Powell - also mehr Zinssenkungen.

Venezuela-Anleihen fester

Dass geopolitische Konflikte sich direkt am Anleihemarkt niederschlagen würden, zeige auch die aktuelle Entwicklung. "Venezuela-Anleihen sind diese Woche deutlich gestiegen, wenn auch von niedrigem Niveau und zu niedrigen Umsätzen", berichte Walter Ludwig-Händler Daniel. So werde eine im Oktober fällige Venezuela-Anleihe in US-Dollar (ISIN USP17625AE71/ WKN A1GWK1) am Freitagmorgen zu 43 Prozent gehandelt. Vor dem US-Angriff auf das Land seien es um 30 Prozent gewesen.

"Staatsanleihen keine Selbstläufer"

Staatsanleihen würden wieder Ertrag liefern, wie Oechsner feststelle, seien aber kein Selbstläufer. "Die Zeiten, in denen sie automatisch als sicherer Hafen fungierten, sind vorbei." Die Renditen langlaufender Anleihen könnten dem Steubing-Händler zufolge in diesem Jahr steigen - nicht wegen der Inflation, sondern wegen der hohen Staatsverschuldung, steigender Emissionstätigkeit und wachsenden Risiko- und Laufzeitprämien. "Kurzlaufende Anleihen bleiben attraktiv, lange Laufzeiten verlangen wieder eine aktive Entscheidung."

Deutschland: Emissionsvolumen auf Rekordstand

In der Tat bereite die hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern Sorgen - unter anderem den USA, Frankreich und auch Deutschland. "Für 2026 plant Deutschland Rekordemissionen von Bundeswertpapieren von über 512 Milliarden Euro", berichte ICF-Händler Brunner. Darunter sei auch eine neue zwanzigjährige Anleihe. "Inflations-Linker wird es dieses Jahr hingegen nicht geben", ergänze er.

Laut Helaba habe die steigende Staatsverschuldung zuletzt vor allem lange Laufzeiten getroffen: "Das wachsende Emissionsvolumen bei Staatsanleihen trifft auf zurückhaltende Investoren", erkläre Analyst Ulf Krauss. Für eine gewisse Stabilität bei Renten dürfte zwar die neutrale Geldpolitik der Notenbanken sorgen. Die Bank verweise aber auf den massiven Renditeanstieg in Japan, der Anleiheinvestoren weltweit verunsichere.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei 2025 von 2,37 auf 2,86 Prozent gestiegen. Am Freitagmorgen der ersten vollen Handelswoche seien es 2,83 Prozent gewesen. Die Rendite vergleichbarer US-Treasuries sei 2025 hingegen noch gefallen, und zwar von 4,56 auf 4,18 Prozent.

Ausfallrisiken bei Mittelstandsanleihen?

Tim Oechsner gehe zudem von einem anhaltenden Interesse an Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus - jedenfalls solange die Konjunktur nicht deutlich kippe. "High Yield funktioniert nur bei stabiler Wirtschaft - das ist nichts für Autopilot." Auch Emerging Markets-Bonds halte er für selektiv attraktiv. Ihre Entwicklung sei aber stark abhängig von US-Dollar, Politik und Kapitalflüssen.

Aus dem Mittelstandssegment seien 2025 schon einige schlechte Nachrichten gekommen, etwa vom Autozulieferer Paragon (ISIN DE000A2GSB86/ WKN A2GSB8), Immobilienentwickler Noratis (ISIN DE000A3H2TV6/ WKN A3H2TV) oder Ökoenergieanbieter ABO Energy (ISIN DE000A3829F5/ WKN A3829F). "Viele Unternehmen aus dem Segment haben Schwierigkeiten", stelle Brunner fest. Daniel verweise auf den erwarteten Rekord bei Großinsolvenzen in Deutschland und Insolvenzzahlen, die das Niveau während der Finanzkrise erreichen sollten. "Das könnte auch Ungemach für einige Mittelstandsanleihen bedeuten."

"Die Risikofaktoren verschwinden 2026 nicht, sondern bleiben die Gleichen", resümiere Oechsner: geopolitische Konflikte, Handelskonflikt zwischen den USA und China, Bewertungsfragen im KI-Sektor, hohe Staatsverschuldung der USA oder Schuldenproblematik einzelner europäischer Länder wie Frankreich. Angesichts der Unsicherheiten helfe nur, das Portfolio breit aufzustellen, meine Daniel. "Man muss sich auf Unerwartetes einstellen." (09.01.2026/alc/a/a)


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