Zürich (www.anleihencheck.de) - Der Irankonflikt wird politisch als Eskalation wahrgenommen - an den Finanzmärkten ist er vor allem ein Energie‑, Inflations‑ und Zinsereignis, so Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management.
Entscheidend sei die Straße von Hormus: Ein beträchtlicher Teil des globalen Ölflusses sowie relevante LNG-Mengen würden durch dieses Nadelöhr laufen. Bleibe der Seeweg länger gestört, drohe nicht nur ein Ölpreisschub, sondern auch ein Gas-/LNG-Schock. Gerade letzteres sei in Europa oft der sensiblere Treiber für Inflationserwartungen und langfristige Renditen.
Ein unterschätzter Stabilitätsfaktor sei ausgerechnet China. Peking sei nicht nur politischer Akteur, sondern vor allem auch ein großer Energieimporteur und dominanter Abnehmer iranischer Seelieferungen. Damit verfüge China über einen wirtschaftlichen Hebel, ohne militärisch eskalieren zu müssen. Dieses Eigeninteresse spreche dafür, dass hinter den Kulissen Druck entstehe, die Störung nicht in eine monatelange Blockade kippen zu lassen.
Was Anleger jetzt beobachten sollten, seien die Kriegsrisikoprämien in der Schiffsversicherung, die Entwicklung der LNG-Flüsse sowie die Kreditfrühindikatoren (z. B. iTraxx). Würden sich diese Signale stabilisieren, bleibe das Basisszenario intakt: höhere Schwankungen, aber keine dauerhafte Marktverwerfung. Sollten sie sich negativ entwickeln, werde es primär ein Zins- und Liquiditätsthema - und erst in zweiter Linie ein Kreditproblem.
Das Inflationsthema dürfte unabhängig vom Irankonflikt ein wesentlicher Risikofaktor bleiben, der strukturell und global wirke. Insbesondere in den USA sei derzeit ein deutlicher Anstieg der Produzentenpreise sowie der Kerninflation zu beobachten. Ein länger anhaltender Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge der Krise würde den bereits vorhandenen Aufwärtsdruck zusätzlich verstärken - mit entsprechenden Konsequenzen für die Konjunktur. (Ausgabe vom 03.03.2026) (05.03.2026/alc/a/a)
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