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29.09.11 16:05
Vorsichtig schöpfen Bondanleger neuen Mut

Unterschleissheim (anleihencheck.de) - Sie tun es noch vorsichtig, aber immerhin, sie tun's wieder - die Anleger am Bondmarkt schöpfen neuen Mut, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Nachdem sich erstmals seit Langem eine gewisse Hoffnung ergeben habe, die Finanz- und Schuldenkrise sei doch im Zaum zu halten, würden sich Investoren wieder aus dem sicheren Hafen herauswagen. So würden seit vergangenen Freitag Bundesanleihen gegen Aktien, aber eben auch gegen Banken-Bonds getauscht.

Abzulesen sei diese Gegenbewegung etwa an der Entwicklung einer ab 12/2019 kündbaren Anleihe (ISIN XS0470937243 / WKN A1AQM0) der UniCredit (ISIN IT0000064854 / WKN 850832), die plötzlich wieder nachgefragt werde. Der mit 8,1250% verzinste Bond habe sich von einem Kursniveau von unter 50 Anfang September wieder auf 68% (Briefkurs) hochgearbeitet.

Derselbe Trend sei auch an einer Nachranganleihe (ISIN DE000A0GNPZ3 / WKN A0GNPZ) der Allianz (ISIN DE0008404005 / WKN 840400) zu erkennen, die inzwischen bei rund 91% notiere, nachdem sie noch vor wenigen Tagen bei 86,50% gelegen habe. Parallel dazu sei der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) von seinem Jahreshoch von 139,19% auf nunmehr 135,57% heute Morgen kräftig zurückgekommen.

Wie bei zwei kommunizierenden Röhren schlage die neue, vorsichtige Zuversicht an den Euro-Märkten bei Emerging Markets Bonds in fallenden Kursen zu Buche. So seien Staatsanleihen aus der Türkei (ISIN XS0503454166 / WKN A1AWC6), Argentinien (ISIN XS0209139244 / WKN A0DUDM) und der Ukraine (ISIN XS0232329879 / WKN A0GGXG) unter Druck geraten.

Ungeachtet der aktuellen Entwicklungen seien Anleger weiter auf der Suche nach Alternativwährungen zum Euro. Hier würden die Top-Ratings von in Kanadischen Dollar emittierten Bonds zwar für eine solche Anlage sprechen. Allerdings würden Anleger aus Euroland aufgrund der oft niedrigen Renditen nur zögerlich zugreifen. So rentiere ein Bond (ISIN XS0577454951 / WKN A1GK1N) der niederländischen B.N.G. in Kanadischen Dollar bei einer Laufzeit 1/2016 mit nur 1,65%.

Bei einer bis 8/2014 laufenden Anleihe (ISIN XS0447430199 / WKN A0Z1ZU) der KfW liege die Rendite bei nur 1,05%. Für größeres Interesse dürfte dagegen eine neue norwegische Staatsanleihe (ISIN XS0686448019 / WKN nicht bekannt) sorgen, die ab morgen an den Börsen Berlin, Düsseldorf und München gehandelt werde. Der bis 5/2018 laufende Bond komme mit einem Volumen von 600 Mio. Norwegischen Kronen an den Markt und sei mit einem Kupon von 3,5% ausgestattet.

Schon Herbert Grönemeyer habe anlässlich der Fußball-WM 2006 das Lied "Zeit, dass sich was dreht …" gesungen. Nun bewege sich endlich auch politisch etwas. Die Finanzkrise 3.0, die sich zur Bankenkrise 2.0 ausweite, erfordere rasche und konsequente Lösungen. Im Falle eines Staatendefaults müssten die Banken stabilisiert und die Schutzmechanismen entsprechend ausgestaltet sein. Dazu würden neben der Abstimmung über den erweiterten "Euro-Rettungsschirm" durch die Parlamente der Eurostaaten auch die Verhandlungen über einen strengeren Stabilitätspakt gehören. Der Papiertiger solle endlich Zähne bekommen, denn nur so könne wieder Ruhe an den Märkten einkehren. Für Deutschland könne das heutige Datum zum Schicksalstag werden, an dem im Bundestag die entscheidende Abstimmung über den EFSF angesetzt sei.

Die finanziellen Risiken seien immens und könnten desaströse Folgen für den deutschen Michel haben. Diese möglichen Auswirkungen hätten für Standard & Poor's ausgereicht, um warnend den Zeigefinger Richtung Deutschland zu erheben. Die Zeichen stünden auf Sturm und auch die Verzögerung bei der Prüfaktion in Griechenland erschwere die fristgerechte Auszahlung der sechsten Tranche. Das seien zu viele Unbekannte in einer Rechnung und somit sei eine klare Tendenz am Rentenmarkt nicht zu erkennen.

Die Kurskorrekturen der vergangenen Handelstage seien in ihrer Dynamik fast nicht zu überbieten. Seit letztem Freitag hätten der Buxl-Future fast sieben und der Bund-Future fast vier Punkte verloren. Ob es sich lediglich um eine vernünftige Kurskorrektur oder um eine Trendwende handle, würden unter Berücksichtigung der politischen Ereignisse die nächsten Handelstage zeigen. Neuere Erkenntnisse erhoffe man sich aber auch von der nächsten EZB-Sitzung am 6. Oktober. Für eine Zinssenkung sei es noch zu früh, aber sicherlich werde die Ausweitung der Anleihenkäufe auf der Tagesordnung stehen.

Aus den USA seien immer wieder Kommentare zur Euro-Schuldenkrise zu vernehmen. Sicherlich sei das Epizentrum für die Finanzkrise auch in Euroland angesiedelt, aber den Amerikanern scheine es Spaß zu machen, mit dem Finger auf Euroland zu zeigen. Dabei vergesse man die eigenen Probleme und könne sich sogar noch als Lehrmeister aufspielen. Diese Töne sollte man allerdings einordnen können.

In Amerika stehe man bereits kurz vor der harten Phase des Vorwahlkampfes und es habe auch Tradition, sich um außenpolitische Themen zu kümmern, wenn es zuhause brenne. Vor der eigenen Haustüre zu kehren, komme aber keinem Politiker in den Sinn, denn bereits am 1. Oktober sei die US-Regierung zu Beginn des neuen Haushaltsjahres wieder auf Grund gelaufen.

Trotz der grundsätzlich beschlossenen Verlängerung der bisherigen Ausgabenprogramme würden sich nun Republikaner und Demokraten über die Gelder für Opfer von Naturkatastrophen streiten. Infolge der ungewöhnlich hohen Anzahl solcher Naturereignisse sei der Soforthilfe-Topf bereits wieder leer und bedürfe einer erneuten Aufstockung. Die Besonderheit sei auch hierbei, dass diese politischen Streitigkeiten auf dem Rücken der Hilfsbedürftigen ausgetragen würden, um sich die Stimmen dieser Menschen bei der nächsten US-Präsidentschaftswahl zu erkaufen.

Wie schon in den Vorwochen hätten französische Emittenten auch in dieser Woche den Primärmarkt dominiert. Der französische Industriekonzern Saint-Gobain (ISIN FR0000125007 / WKN 872087) sei gleich mit zwei Tranchen am Kapitalmarkt aktiv geworden und habe insgesamt 1,75 Mrd. Euro eingesammelt. Für die 2015 fällige Anleihe zahle das Unternehmen einen Kupon von 3,5% und für die 2019 auslaufende Schuldverschreibung 4,5%. Der Mischkonzern sei mit einem Rating von Baa2/BBB ausgestattet.

Der französische Lebensmittelkonzern Danone (ISIN FR0000120644 / WKN 851194) habe sich mit 750 Mio. Euro über den Kapitalmarkt refinanziert. Der Bond werde in 2016 zurückbezahlt und verzinse sich mit 2,5% jährlich. Aufgrund des guten Ratings von A3 sei die Anleihe bei qualifizierten Investoren sehr beliebt.

Renault-Bank habe 600 Mio. Euro an frischem Kapital mit einer Laufzeit bis 2015 emittiert. Der Kupon betrage 5,625%. Der Bond werde mit BBB benotet.

Auch Peugeot (ISIN FR0000121501 / WKN 852363) und Casino Guichard (ISIN FR0000125585 / WKN 853152) hätten sich erfolgreich über den Kapitalmarkt refinanzieren können. Peugeot zahle 6,875% jährliche Zinsen für fünf Jahre und Casino Guichard rund 4,5% jährliche Zinsen für die gleiche Laufzeit.

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