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26.06.12 12:19
Spanien-Anleihen: Moody's quittiert Hilfsantrag mit zahlreichen Herabstufungen

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research sollten derzeit nur sehr risikofreudige Anleger einen Blick auf spanische Staatsanleihen werfen.

Die Kurse spanischer Staatsanleihen stünden weiterhin stark unter Druck. Denn die Euro-Schuldenkrise spitze sich weiter zu. Zuletzt sei mit Zypern ein weiteres Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft. Bereits vor wenigen Wochen habe die Ratingagentur Fitch mit einem deutlichen Downgrade Spaniens von "A" auf "BBB" auf die schwache Verfassung des Landes reagiert. Und auch Moody's habe Mitte Juni das Land von "A3" auf "Baa3" zurückgestuft. Damit stehe Spanien kurz davor, seinen Investment Grade-Status zu verlieren.

Gestern sei es nun zu einer wahren Abwertungswelle spanischer Kreditinstitute gekommen. Direkt nachdem Spanien offiziell Unterstützung bei der EU für den angeschlagenen Bankensektor beantragt habe, habe die Ratingagentur Moody's mit massiven Downgrades spanischer Kreditinstitute reagiert. Insgesamt seien 28 spanische Banken, zum Teil um vier Stufen, abgestuft worden. Dies sei in sechs Wochen bereits das zweite Downgrade für den spanischen Bankensektor durch Moody's gewesen. Die Ratingagentur habe ihren Schritt mit zu erwartenden steigenden Verlusten aus der Immobilienkrise sowie der gesunkenen Kreditwürdigkeit Spaniens begründet.

Zwei unabhängige Gutachten seien bisher zu dem Ergebnis gekommen, dass der spanische Bankensektor Unterstützung von bis zu 62 Mrd. Euro benötige. Auch die Investmentbank J.P. Morgan Cazenove habe 14 spanische Kreditinstitute einem Stresstest unterzogen. Die Investmentbank habe eine Kapitallücke von 87 Mrd. Euro ermittelt.

Bei seinen jüngsten Anleiheemissionen habe Spanien den höchsten Risikoaufschlag für zehnjährige Spanien-Bonds seit der Gründung der Eurozone hinnehmen müssen. Niveaus von knapp unter 7% seien für das Land nicht lange trag- und finanzierbar. Da das Land aktuell nicht in der Lage sei, aus eigener Kraft den maroden Bankensektor zu unterstützen, sei nun offiziell der Hilfsantrag bei der EU gestellt worden. Der Rettungsschirm EFSF habe bereits im Vorfeld angekündigt, eine Summe von bis zu 100 Mrd. Euro zur Sanierung des Bankensektors zur Verfügung zu stellen. Es bleibe nun zu hoffen, dass diese Gelder ausreichen würden. Denn ansonsten dürfte am Markt die Sorge aufkommen, dass es sich bei Spanien, ähnlich wie bei Griechenland, um ein Fass ohne Boden handle.

Bisher sei ungewiss, wie hoch die Milliardenhilfen für den spanischen Bankensektor tatsächlich ausfallen würden. Die EU-Kommission habe aber unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die spanische Regierung das Haushaltsdefizit deutlich senken müsse. Zudem seien Vorschläge unterbreitet worden, wonach die EU-Kommission eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, eine Anhebung des Renteneintrittsalters sowie eine Kürzung der Gehälter der Staatsangestellten fordere. Spanien habe bisher aber nur bei der Erhöhung der Mehrwertsteuer eingelenkt.

Spanien habe seinen Refinanzierungsbedarf für dieses Jahr zu mehr als der Hälfte gedeckt und müsse nur noch knapp 40 Mrd. EUR am Kapitalmarkt einsammeln. Die nächste Anleihe-Auktion finde im Juli statt und das Land wolle bis zu 20 Mrd. Euro einnehmen. Der Markt dürfte mit großem Interesse die Anleihe-Auktion verfolgen. Vor dem Hintergrund der aktuell angespannten Nachrichtenlage könnte es für Spanien schwer werden, die vollständigen 20 Mrd. Euro zu platzieren.

Die EU-Kommission rechne für Spanien mit einem BIP-Rückgang für dieses Jahr von 1,0%. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr schwachen Verfassung des Landes sei es kaum überraschend, dass die Bank of Spain auch für das zweite Quartal 2012 mit einem BIP-Rückgang rechne. Dass für 2012 und 2013 hinsichtlich der massiven Sparmaßnahmen keine großen Sprünge zu erwarten seien, sei keine Überraschung. Dem Land könnte es aber gelingen, die Krise zu meistern, auch wenn man dazu nun die Hilfe der EU in Anspruch nehme. Immerhin seien zuletzt ermutigende Anzeichen vom spanischen Häusermarkt gekommen. So habe sich die negative Dynamik der spanischen Hausverkäufe spürbar abgeschwächt. Ein Austritt Spaniens aus der Europäischen Währungsunion würden die Analysten für unwahrscheinlich halten, auch wenn dies am Markt momentan anders kolportiert werde. Das Beispiel Irland zeige, dass externe Hilfe kein Nachteil sein müsse. So habe Irland die Krise bereits hinter sich gelassen und befinde sich wieder auf Wachstumskurs.

Trotz der negativen Nachrichtenlage hätten sich die Anleihe-Kurse zuletzt etwas beruhigt. Die Anleihe (ISIN ES00000123K0 / WKN A1GXLB) habe Anfang April noch bei knapp 104% notiert. Aktuell liege der Kurs bei 94,11%. Vor einer Woche habe sich der Kurs auf lediglich rund 91% belaufen.

Die Unsicherheit an den Anleihemärkten sei weiter hoch, habe sich in den letzten Tagen aber etwas entspannt. Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien nach der finanziellen Unterstützung des ESFS eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein. Spanische Papiere würden aber weiterhin eher für spekulativ veranlagte Anleger interessant bleiben. (Analyse vom 26.06.2012) (26.06.2012/alc/a/a)


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