Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Experten von "Fuchsbriefe" haben in ihrer aktuellen Ausgabe das Segment der Hybrid-Anleihen näher betrachtet.
Hybrid-Anleihen würden eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital repräsentieren, da sie einerseits als Schuldpapiere vorher festgelegte Verzinsungen böten und andererseits wegen ihrer Nachrangigkeit dem Eigenkapital ähnlich sähen. Der Emittent bediene im Falle einer Insolvenz hybride Anleihen erst nach allen anderen Schulden. Das durch diese Konstruktion grundsätzlich erhöhte Verlustrisiko würden die Papiere aber meist durch eine signifikant höhere Verzinsung als vergleichbare Unternehmensanleihen kompensieren. Etliche Industrieunternehmen hätten die Hybrid-Anleihen als geeignetes Finanzierungsinstrument für sich entdeckt. Selbst höhere Kupons würden in Kauf genommen, da die Attraktivität der Anleihen für Emittenten in einem breiten Gestaltungsspielraum liege.
Die meisten Anleihen seien mit prozentual mittleren einstelligen Kupons emittiert worden, doch bei etlichen Anleihen würden die Kupons an Benchmarks wie den Euribor angepasst. Anleger sollten sich entsprechend gut mit den Details vertraut machen, um später keine bösen Überraschungen zu erleben.
Als klassisches Beispiel für eine solche Zinsanpassung werde von den Experten die Euro-Hybrid-Anleihe (ISIN XS0542298012 / WKN A1EWR0) von RWE (ISIN DE0007037129 / WKN 703712) genannt, die im September 2010 mit einem anfänglichen Kupon von 4,625% emittiert worden sei. Dieser Zinssatz gelte jedoch nur bis einschließlich zum 28. September 2015. Nach diesem Stichtag wechsle das System auf die dann gültige 5-Jahres-Swap-Rate zuzüglich 265 Basispunkte, was aktuell einem Satz von 3,72% entspreche. Ab September 2020 dann werde der Satz an den 12-Monats-Euribor plus 365 Basispunkte gekoppelt und jährlich entsprechend angepasst. Auf aktueller Basis würde das 4,51% entsprechen.
Als weiteres, aber deutlich spekulativeres Beispiel werde von den Experten die Hybrid-Anleihe (ISIN DE000A0G4X39 / WKN A0G4X3) von Wienerberger (ISIN AT0000831706 / WKN 852894) genannt. Der weltgrößte Ziegelhersteller stehe fundamental vor großen Herausforderungen.Der Zusammenbruch der Immobilienmärkte in den Euro-Peripherieländern wirke sich belastend aus. Wengleich für das laufende Jahr weiterhin von einem Gewinn ausgegangen werde, habe das Unternehmen die bislang prognostizierten Umsatzsteigerungen zurückgenommen. Wie die Aktie leide darunter auch die Hybrid-Anleihe, die aktuell im Bereich von nur 75% notiere. Das biete risikobereiten Anlegern attraktive Renditechancen, denn neben der Kursfantasie gebe es einen Kupon von 6,50%. Zwar sei in den Bedingungen festgelegt, die Zinszahlungen aussetzen zu können, doch es bestehe Nachzahlungspflicht sobald Dividendenzahlungen geleistet würden.
Der Kupon von 6,5% gelte bis zum Februar 2017, danach eine Verzinsung in Höhe des 3-Monats-Euribor plus 325 Basispunkte. Bei dem vorhandenen Risikoprofil von Wienerberger erscheine damit ein aktueller Satz von 3,57% auf den ersten Blick wenig attraktiv. Gleichwohl befinde sich der Euribor derzeit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren und ein Rebound dürfte mehr als überfällig sein. Auch Wienerberger habe sich verschiedene Kündigungstermine vorbehalten, den ersten zum Februar 2017. Daraus ergebe sich eine dem Risiko angemessene Rendite von 13,86%.
Hybrid-Anleihen würden sich sehr gut dazu eignen, Renditetiefs anderer Unternehmensanleihen zu umgehen. Allerdings sollten Anleger besonders genau nachrechnen, ob sich ein Investment lohne. Die Experten von "Fuchsbriefe" geben für die beiden o.a. Hybrid-Anleihen von RWE und Wienerberger eine Kaufempfehlung ab. (Ausgabe 34 vom 23.08.2012) (27.08.2012/alc/a/a)
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