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09.08.13 16:32
Anleihen: Zinsanstieg aufgeschoben, nicht aufgehoben

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Heute hoch, morgen runter: Je nach Nachrichtenlage schlägt der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) mal in die eine, mal in die andere Richtung aus - unter dem Strich gibt es kaum Veränderung, so die Deutsche Börse AG.

"Die Renditen von Bundesanleihen sind in den vergangenen Wochen in eine Seitwärtstendenz übergegangen", bemerke die DekaBank in ihren volkswirtschaftlichen Prognosen für diesen Monat. Zum einen habe die US-Notenbank FED Sorgen vor einem abrupten geldpolitischen Kurswechsel gedämpft, zum anderen sei es der EZB durch ihre Kommunikation zumindest teilweise gelungen, die hiesigen Finanzmärkte vor dem Zinsanstieg in den USA abzuschirmen.

"Mittelfristig sollten das sich bessernde konjunkturelle Umfeld und die Entspannung auf den Staatsanleihemärkten der Peripherieländer dennoch zu etwas höheren Renditen vor allem langlaufender Bundesanleihen führen", würden die Analysten meinen. In sechs Monaten würden sie Renditen für zehnjährige Papiere bei 1,80 Prozent sehen, in zwölf Monaten bei 2 Prozent. Kurzfristig würden sie jedoch eine Fortsetzung der Seitwärtsentwicklung erwarten.

Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag bei 142,45 Prozent, vor einer Woche seien es 141,90 Punkte gewesen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege bei 1,67 Prozent. Auch aus charttechnischen Gründen pendle der Euro-Bund-Future derzeit um die Marke von 142,10 Prozent, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler erkläre: "Das ist genau die Hälfte der Aufwärtsbewegung von Mitte Juni bis zum Hoch im Juli."

Nach der FED und der EZB habe sich in dieser Woche auch die Bank of England auf eine langfristige Geldpolitik festgelegt, wie die Commerzbank melde. "So knüpft sie - ähnlich wie die FED - ihren Leitzins an die Arbeitslosenquote und die Inflation." Die Notenbank wolle ihre derzeitige Politik beibehalten, bis die Arbeitslosenquote auf mindestens 7 Prozent gesunken sei. Brunner ergänze: "Sollte allerdings die Inflation, die aktuell bei 2,7 Prozent liegt, auf mittlere Sicht nicht auf den Zielkorridor von 2 bis 2,2 Prozent fallen, will die Bank of England die Anleihekäufe zurückführen."

Im Handel mit Unternehmensanleihen habe Solarworld (ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6; ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) die Schlagzeilen bestimmt: "Solarworld hat die Woche der Wahrheit hinter sich gebracht und die Zustimmung der Anleihegläubiger ebenso wie der Aktionäre zu dem vorgeschlagenen Sanierungskonzept erreicht", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Die Präsenz der Anleihegläubiger habe zwar für die Beschlussfähigkeit ausgereicht, sei in absoluten Zahlen aber eher mäßig ausgefallen. "Dafür erreichte die Gesellschaft eine hohe - an frühere Ostblockwahlen erinnernde - Zustimmungsquote der Gläubiger."

Die Umsetzung der Sanierung solle im Zeitraum November 2013 bis Februar 2014 erfolgen, wie Tillmann melde. Die Anleihegläubiger müssten bei dem Schuldenschnitt auf 55 Prozent ihres eingezahlten Kapitals verzichten. Dafür sollten sie Solarworld-Aktien erhalten, die allerdings aktuell fast wertlos seien. Insgesamt gehe es um Papiere im Wert von 550 Millionen Euro.

Ziemlich volatil habe sich Brunner zufolge die K+S-Anleihe (ISIN DE000A1PGZ82 / WKN A1PGZ8) gezeigt, die in der Vorwoche stark abgerutscht sei. "Ende der Woche wurde aber ein Boden gefunden, aktuell liegt der Kurs bei 95,75 Prozent." Im Tief sei das Papier auf 94 Prozent gefallen.

Kurseinbußen hätten auch die Anleihen (ISIN DE000A1TNAP7 / WKN A1TNAP; ISIN DE000A1H3J67 / WKN A1H3J6) von German Pellets hinnehmen müssen. Nach Berichten des NDR ermittle die Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den Geschäftsführer der Firma, es gehe um den Anfangsverdacht des Subventions- und Kreditbetrugs sowie der falschen Darstellung von Bilanzen. Die Papiere würden allerdings immer noch über Pari notieren.

Nachdem der Emissionskalender in diesem Jahr meist prall gefüllt gewesen sei, sei nun Ruhe eingekehrt. "Vorerst sind die Sommerferien bei den so stark nachgefragten Corporate Bonds angekommen, in den vergangenen fünf Handelstagen ist kein bedeutendes Unternehmen am Kapitalmarkt aktiv geworden", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Anscheinend hätten die Finanzvorstände das schöne Wetter für andere Dinge genutzt.

Wegen des starken Euro würden Halter von Fremdwährungsanleihen im Moment schwere Zeiten durchmachen, so mancher ziehe die Reißleine: "Wir hatten viele Abgaben in Austral-Dollar-Anleihen", sage Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Der Euro sei gegenüber der Down Under-Währung zuletzt auf ein Dreijahreshoch geklettert. Andere Währungen hätten noch stärker verloren: "In dieser Woche ist sogar ein Vierjahreshoch des Euro zu vermelden: So konnte der Euro im Vergleich zum Brasilianischen Real bis auf 3,0894 Real zulegen - so hoch notierte der Euro seit April 2009 nicht mehr", erkläre Stopp.

Gesucht seien Tillmann zufolge allerdings noch Anleihen in Norwegischen Kronen gewesen, besonders von General Electric (ISIN XS0642335995 / WKN A1GS04) und Daimler (ISIN XS0949742323 / WKN A1X236). (09.08.2013/alc/a/a)



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