Westerburg (www.anleihencheck.de) - Vorstand-Interview: Sympatex-Anleihe (ISIN DE000A1X3MS7 / WKN A1X3MS) soll Maßnahmen zur Wachstumssteigerung wirkungsvoll unterstützen
Die Sympatex-Gruppe ist seit 1986 einer der weltweit führenden Anbieter für Hightech-Funktionsmaterialien in Bekleidung, Schuhen, Accessoires, Arbeitsbekleidung (Contract & Workwear) und technischen Anwendungsgebieten (Tection). Die Sympatex Gruppe beschäftigt weltweit 274 Mitarbeiter und ist in 18 Ländern vertreten. Sympatex Technologies ist ein Tochterunternehmen der Sympatex Holding GmbH, München/Unterföhring.
AnleihenCheck.de führte ein Interview mit Herrn Michael Kamm, CEO der Sympatex-Gruppe:
AnleihenCheck.de:
Sympatex plant die Emission eine Anleihe im Volumen von bis zu 13 Mio. Euro. Können Sie den Investoren bitte kurz skizzieren, was Ihre Vision für Sympatex ist. Wo steht die Sympatex-Gruppe Ihren Vorstellungen nach in fünf Jahren?
Sympatex:
Bis 2018 wollen wir unsere Umsätze in unseren Zielmärkten verdoppelt haben. Plan ist, die Sympatex-Gruppe zu einer weltweit etablierten, ökologisch ausgerichteten Marke im Bereich der Funktionstextilien zu entwickeln. Durch die bisher umgesetzten Maßnahmen stehen uns entsprechende Wachstumsmittel schon jetzt zur Verfügung, die wir zielführend eingesetzt haben.
AnleihenCheck.de:
Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach Ihr Markt entwickeln? Wie groß ist der Markt überhaupt?
Sympatex:
Nach unseren eigenen Schätzungen liegt der Markt weltweit bei rund 4 Mrd. Euro. Funktionsmaterialien für Sportbekleidung und Schuhe – also die Bereiche, aus denen man uns am besten kennt – werden weltweit weiter wachsen, getrieben auch durch steigende Nachfrage in den Emerging Markets. Vor allem aber erwarten wir überdurchschnittliches Wachstum für ökologisch unbedenkliche Produkte wie die Sympatex-Membran. Deutlich größer ist jedoch der Markt für industrielle Anwendungen – der auch mit deutlich höheren Wachstumsraten versehen ist. Die Anwendungsvielfalt von Funktionsmaterialien ist schier unendlich und reicht z.B. von der Medizintechnik über Kanalsanierung, Automotive, bis hin zur Luftfahrtindustrie, um nur einmal Anwendungsfelder aufzuzählen, in denen wir heute schon vertreten sind.
AnleihenCheck.de:
Wer sind Ihre wichtigsten Wettbewerber? Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft. Sehen Sie auch Bedrohungen durch einzelne Wettbewerber?
Sympatex:
Gore ist mit Gore-Tex sicherlich der Hauptwettbewerber und weltweit größte Anbieter. Daneben gibt es auf dem Weltmarkt drei weitere global Player mit Markenmembranen. Alle gehören zu internationalen, großen Konzernen. Dennoch sehen wir uns in Deutschland und Kerneuropa als Marke in der 2. Position. Eine Bedrohung sehen wir nicht – ganz im Gegenteil: Wir sehen Chancen durch eine klare Positionierung und einem ökologisch unbedenklichen Produkt.
AnleihenCheck.de:
Wo wir gerade vom Wettbewerb sprechen. Was sind Ihre Alleinstellungsmerkmale?
Sympatex:
Ganz klar unser Leistungsversprechen. Sympatex verfügt über eine sehr leistungsfähige Membrantechnologie, die sich auch durch ihre Umweltverträglichkeit auszeichnet - also eine Symbiose aus Funktionalität und Nachhaltigkeit, da unsere Membran zu 100 % recycelbar ist. Wir sind nach verschiedenen Standards zertifiziert, wie beispielsweise dem Bluesign® oder dem Öko-Tex® Standard 100, und zeichnen uns auch im Wettbewerbern bei technologisch bedeutenden Parametern wie Membran-Dicke und Dehnbarkeit sowie der Verarbeitungsfähigkeit aus. Nach unserer Einschätzung wird der ökologische Aspekt in allen Bereichen unseres Marktes immer wichtiger. Dies betrifft gleichermaßen Kaufentscheidungen der Endkunden bei Outdoor-Textilien oder beim Einsatz in der Automobilindustrie, wo hohe Recycling-Zielvorgaben bestehen.
AnleihenCheck.de:
Was sind Ihre konkreten Pläne für den Emissionserlös von 13 Mio. Euro. Können Sie den Investoren bitte kurz erklären wie die Mittelverwendung ausschauen wird?
Sympatex:
Die Anleihe ist für uns eine Möglichkeit, unabhängig von Bankdarlehen zu agieren und unsere Maßnahmen zur Wachstumssteigerung wirkungsvoll zu unterstützen. Entsprechend unserer Ziele, uns insbesondere über die Erschließung neuer Märkte im asiatischen Raum und als führender Anbieter von ökologischen Funktionstextilien zu platzieren, werden wir etwa 60 % der Mittel aus der Anleihe als Wachstumskapital nutzen. Im Einzelnen bedeutet das für uns, dass wir in die Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb investieren, um in den Schlüsselländern unsere Strukturen auszubauen. Daneben werden wir im Rahmen unserer Wachstumspläne auch das angesprochene anorganische Wachstum weiter vorantreiben und in die Internationalisierung auch über Akquisitionen investieren.
AnleihenCheck.de:
30% des Emissionserlöses soll in die Produktentwicklung gesteckt werden. Was haben Sie hier konkret vor? Haben Sie schon konkrete Ideen was die Produkte der Sympatex-Zukunft ausmachen soll?
Sympatex:
Mit unserer Innovationsstrategie fokussieren wir uns besonders auf neue Produktentwicklungen im Bereich "Tection" – also bei den industriellen Anwendungen. Hier gibt es ständig neue Entwicklungen und Anforderungen, was man aus unseren Laminaten alles machen könnte. Dem Ideenreichtum sind dort letzten Endes kaum Grenzen gesetzt. Sei es ein Produkt für die Industrie und den Maschinenbau, die Wärmeregulierung oder wie bereits erwähnt der Medizintechnik. Für uns geht es vor allem auch darum, kundenspezifisch weiterzuentwickeln. Beispiele sind besonders Membraninnovationen mit Thermoreflexion, was wir z.B. mit der Bedampfung unserer Membranen mit Aluminium erreichen.
AnleihenCheck.de:
30% des Emissionserlöses soll in die Internationalisierung und in anorganisches Wachstum investiert werden. In welchen Bereichen Planen Sie Übernahmen. Haben Sie schon konkrete Übernahmekandidaten vor Augen?
Sympatex:
Es gibt bereits ein Zielunternehmen, das wir gerne erwerben würden. Diesbezüglich wurde bereits eine gegenseitige Absichtserklärung unterschrieben. Das Unternehmen würde uns direkt im Bereich Contract & Workwear, also bei Schutzkleidung für Polizei, Feuerwehr etc., international einen deutlichen Schritt nach vorn bringen. Es bliebe aber finanziell noch genügend Spielraum für weitere Akquisitionen.
AnleihenCheck.de:
Wo produziert Sympatex seine Produkte? Lassen Sie in Niedriglohnländern fertigen?
Sympatex:
Wir haben Produktionsstätten in Deutschland, Rumänien, Taiwan, Korea und China. Viele Konfektionäre unserer "brand partner" sind im asiatischen Raum angesiedelt. Das bündelt Ressourcen. Wir arbeiten dort mit lizenzierten Produktionspartnern vor Ort, um die optimale Qualitätskontrolle sicherzustellen. Die größte und modernste Produktionsstätte mit eigenem Labor für Forschung und Entwicklung haben wir jedoch in Zittau, hier in Deutschland. Insbesondere für die technischen Textilien ist Europa ein sehr guter Standort.
AnleihenCheck.de:
Sympatex:
Wir sind heute schon in 18 Ländern weltweit vertreten. Sicher wollen wir auch "weiße Flecken" tilgen, wenn diese Märkte besonders vielversprechend sind. Es geht uns aber vor allem um eine noch intensivere Bearbeitung unserer internationalen Märkte. Dass wir "Internationalisierung" können, haben wir in Korea beweisen. Seit 2 Jahren sind wir dort aktiv, erreichen schon jetzt eine sehr beachtliche Umsatzgröße und verdienen dort Geld.
AnleihenCheck.de:
40% der Anleiheerlöse sollen in die Refinanzierung gesteckt werde und die Betriebsmittelfazilität gesteckt werden. Welche Bankschulden mit welchen Zinskupons werden hier konkret abgelöst? In welchem Volumen werden Betriebsmittel finanziert?
Sympatex:
Zum 30. September hatten wir noch in geringem Umfang Bankschulden von 3,5 Mio. Euro. Auch ohne Anleihe könnten wir diese bis Jahresende vollständig tilgen. Sie liegen leicht über 8 % Verzinsung. In der Betriebsmittelfinanzierung stellen wir einerseits auf das geplante Wachstum ab, das einen entsprechenden Finanzierungsrahmen notwendig macht. Vor allem aber wollen wir mit den Mitteln aus der Anleihe die Einkaufskonditionen deutlich optimieren.
AnleihenCheck.de:
Der Zinskupon in Höhe von 8% p.a. klingt in der aktuellen Niedrigzinsphase sehr attraktiv. Wie stellen Sie sicher, dass Sie die vergleichsweise hohen Zinsen stets pünktlich bezahlen und das Darlehen auch vollständig zurückzahlen?
Sympatex:
Wir waren und sind ja auf operativer Ebene durchaus ertragsstark – auch wenn wir gleichzeitig noch deutliches Potenzial sehen, unsere EBITDA-Marge von zuletzt 3 bis 6 % noch weiter auszubauen. Soll heißen: Die Zinsen erwirtschaften wir natürlich aus dem laufenden Geschäft. Auch die Tilgung planen wir aus dem Free Cash Flow, wobei wir uns schon die Option offen halten wollen, einen Teil auch geeignet zu refinanzieren.
AnleihenCheck.de:
Keine Rendite ohne Risiko. Sind Sie bitte so nett und erklären den Investoren kurz welche Risiken Ihr Geschäft gegebenenfalls maßgeblich beeinflussen können?
Sympatex:
Im Textilbereich ist natürlich immer die Konsumbereitschaft der Endverbraucher ein Faktor, der starken Schwankungen ausgesetzt sein kann – je nach konjunktureller Lage, aber auch nach gesetzten Trends. Mit unseren Produkten können wir in neue Märkte wie z.B. den asiatischen Raum vordringen, in dem unsere potentiellen Kunden gerade erst die Outdoor- und Funktionskleidung für sich entdecken. Aber auch in Europa und Amerika, also in Märkten in denen der Trend aus unserer Sicht eindeutig hin zu sauberen Produktionsverfahren geht, können wir uns gut positionieren.
AnleihenCheck.de:
Wer sind Ihre größten Kunden und Vertriebspartner. Gibt es hier Abhängigkeiten, die der Sympatex Holding gefährlich werden könnten?
Sympatex:
Unsere Kundenstruktur ist sehr granular aufgebaut. Kunden mit einem Volumen von 250 Tsd. Euro gehören bereits zu den größeren Adressen. Entsprechend arbeiten wir eher daran, noch größere Kunden für uns zu gewinnen, die bislang vielleicht an den Marktführer gebunden waren und die wir jetzt mit unserem ökologischen Leistungsversprechen gewinnen können. Gleichzeitig gehören zu unseren Kunden absolute Top-Marken wie Boss, Vaude, NIKE, Puma, Recaro oder mittelbar die Bundeswehr, die italienische und französische Post.
AnleihenCheck.de:
Die Schuldverschreibung wird unbedingt und unwiderruflich durch die Sympatex Technologies GmbH garantiert. Zusätzlich wird die Schuldverschreibung durch Verpfändung der Rechte an der Marke "Sympatex" zugunsten eines Treuhänders für die Anleihegläubiger besichert. Das klingt sehr gut. Können Sie den Investoren bitte kurz die bilanzielle Situation der Sympatex Technologies GmbH skizzieren? Wie steht es um die Liquidität und welche Vermögenswerte sichern die Anleihe konkret ab?
Sympatex:
Die Marke dient bislang zur Besicherung unserer Bankdarlehen und soll zukünftig für die Unternehmensanleihe zur Verfügung stehen. Die Garantin bündelt das gesamte operative Geschäft der Marke Sympatex. Entsprechend steht sie für rund die Hälfte unserer Umsätze und erwirtschaftete im bisherigen Jahresverlauf zum 30. September ein EBIT von 0,4 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote der Technologies liegt bei 11 %, in der Gruppe liegen wir bei 21 %.
AnleihenCheck.de:
Wir freuen uns sehr, dass Sie den Weg einer Anleiheemission gewählt haben. Was hat Sie zur Wahl dieses Finanzierungsweges veranlasst? Warum haben Sie nicht den Weg über einen Kredit bei Ihrer Hausbank gewählt?
Sympatex:
Wir wollen auch weiterhin mit unserer Hausbank zusammenarbeiten – das vorweg geschickt. Entscheidend ist aber, dass wir jetzt endlich auf einen klaren Wachstumskurs einschwenken dürfen. Dafür wurden in der Gesellschafterstruktur alle Voraussetzungen geschaffen, unser Eigenkapital wurde deutlich gestärkt, die Bankdarlehen sind fast zurückgeführt – und da passt eine Anleihe als strategische Beimischung in den Finanzierungsmix für unser Wachstum bestens hinein.
AnleihenCheck.de:
Planen Sie für die Zukunft eventuell weitere Schritte an den Kapitalmarkt. Ist die Platzierung einer weiteren Anleihe geplant? Denken Sie vielleicht auch über einen Börsengang nach?
Sympatex:
Stand heute: nein. Das wird ganz entscheidend davon abhängen, wie sich unser Wachstumstempo darstellt. Ich persönlich halte weitaus größere Wachstumsraten für möglich, als wir sie jetzt konservativ planen. In solch einem Fall müssten wir uns über geeignete Finanzierungen Gedanken machen. Jetzt geht es für uns aber erst einmal darum, bei unserer 1. Anleihe einen guten Job zu machen und unsere Versprechen vollumfänglich zu halten. Danach sehen wir weiter.
AnleihenCheck.de:
Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Platzierung der Anleihe und weiterhin gute Geschäfte.
Zur Person:
Michael Kamm ist seit Januar 2010 Geschäftsführer der Sympatex Holding GmbH und zeichnet als CEO der Sympatex-Gruppe verantwortlich für die Bereiche Vertrieb & Marketing, Strategie und Produkt.
Der Dipl.-Kaufmann verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Manager in der Bekleidungs-, Sportartikel- und Konsumgüterindustrie, unter anderem als CEO der Etienne Aigner AG, der Mistral Sport Group sowie als CEO und Eigentümer der North Sails Windsurfing Group. (27.11.2013/alc/n/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
News, übermittelt von der aktiencheck.de AG.
Die aktiencheck.de AG veröffentlicht diese News im Auftrag des gegenständlichen Unternehmens. Für den Inhalt ist das Unternehmen selbst verantwortlich.
© 1998 - 2026, anleihencheck.de