Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
31.01.14 16:21
Anleihemarkt: Raus aus Schwellenländer - Anleiheanalyse

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zinserhöhungen in Schwellenländern sorgen Händlern zufolge für lebhaften Anleihehandel, so die Deutsche Börse AG.

"Insbesondere vor der mehr als Verdopplung des türkischen Leitzinses von 4,5 auf 10 Prozent hat es türkische, aber auch andere Währungsanleihen der Emerging Markets gebeutelt", melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Nutznießer sei der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264), er habe im Laufe der Woche auf 143,45 Prozent zulegen können. "Sicherheitsbewusste Investoren haben sich Bundesanleihen ins Depot gelegt, damit sie nachts ruhig schlafen können."

Anhand der hohen Schwankungsbreite der türkischen Landeswährung erkenne man allerdings auch die Risikofreude einiger Investoren. Nach den massiven Abgaben (ISIN XS0864257349 / WKN A1RE8Q; ISIN XS0215301580 / WKN A0D0B4) sei wieder gekauft worden. "Der Zinsvorsprung einer Währungsanleihe in Türkischer Lira gegenüber dem Euro betrug teilweise 9 Prozent", begründe Daniel. "Durch die hohe Volatilität der Lira besteht allerdings auch die Gefahr, diese Vorteil auf einen Schlag wieder zu verlieren." Allein die Wechselkursbewegung dieser Woche von 3,27 auf 2,97 Türkische Lira zum Euro habe rund 10 Prozent ausgemacht.

"Turbulent und mit deftigen Kursschwankungen begann die Woche auch für Anleger in Anleihen der Republik Argentinien", berichte Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Nach dem Fall des Peso von über 12 Prozent gegenüber dem US-Dollar am vergangenen Donnerstag, habe sich die Währung auf niedrigem Niveau einpendeln können. "Die Regierung hatte angekündigt, Dollarkäufe seitens der Bevölkerung in kleinem Umfang wieder zu erlauben." Zusätzlich habe sich die Argentinische Zentralbank zu Dollarverkäufen entschieden.

"Sowohl Alt-Bonds als auch Anleihen, die durch verschiedene Umtauschaktionen Argentiniens auf den Markt kamen, stürzten zunächst massiv ab." Diese kleine Verkaufspanik sei für Kursverluste in Höhe von gut 20 Prozent verantwortlich, in Einzelfällen deutlich darüber. "Auch die Gegenbewegung nach dem Einbruch fiel teilweise überraschend kräftig aus." Derzeit hätten die Kurse auf dem aktuellen Niveau mit leichter Tendenz nach oben konsolidiert.

Weitere andere Emerging Markets würden derzeit ihre Leitzinsen erhöhen, wenn auch im Vergleich zur Türkei in homöopathischen Dosen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank meine. "Damit konnte der Südafrikanische Rand kurzfristig wieder etwas durchatmen." In Südafrika sei es mit dem Leitzins um 0,5 Prozent auf 5,5 Prozent nach oben gegangen, in Indien um 0,25 auf 8 Prozent. "Doch im gestrigen Tagesverlauf verpuffte die Wirkung wie ein Placebo." Viele Investoren hätten kurzfristig Kasse gemacht, andere hätten die Währungsgewinne als zweite Chance zum Ausstieg genutzt.

Ähnlich turbulent gehe es bei Rubel-Anleihen zu. Die russische Währung habe in dieser Woche ein Rekordtief markiert, für einen Euro habe es in der Spitze 48,214 Rubel gegeben. Im Handel würden sich Anleger laut Stopp zuhauf von Rubel-Anleihen verabschieden. Trotz einer Rendite von über 8,4 Prozent hätten Investoren sich beispielsweise von einer bis Februar 2027 laufenden Anleihe (ISIN RU000A0JS3W6 / WKN A1G10S) getrennt.

Die Kapitalflucht aus den Schwellenländern würden Analysten auf die Fortsetzung des Tapering, also die Verringerung der Anleihen-Käufe vonseiten der US-Notenbank zurückführen. Ab Februar werde die Federal Reserve monatlich für 65 Milliarden statt wie bisher für 75 Milliarden US-Dollar Anleihen kaufen. Davon seien gleichermaßen US-Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Bonds, so genannte Mortgage Backed Securities, betroffen. "Ab jetzt residiert Janet Yellen über die wichtigste Zentralbank der Welt. Sie muss die Politik der Geldvermehrung beenden, ohne andere Blasen platzen zu lassen", schildere Daniel die Herausforderung.

Trotz der Turbulenzen in Emerging Markets erwäge die Europäische Zentralbank eine mögliche weitere geldpolitische Lockerung. Die Notenbanker hätten eine Deflation befürchtet. "Entscheidend ist die Preisentwicklung, sodass die heute anstehende Schnellschätzung der europäischen Teuerung mit Spannung erwartet wird", bemerke die Helaba. Die deutschen Verbraucherpreise seien im Januar vermutlich um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die EU-harmonisierte Inflation liege bei unverändert 1,2 Prozent. "Aufgrund der positiven konjunkturellen Entwicklung in Europa gehen wir allerdings nicht von einer erneuten Reduzierung der Leitzinsen aus."

Im Handel würden Anleger auf in Euro denominierte Anleihen setzen, wie Daniel melde. Etwa komme ein im Juni 2019 fällig werdendes Papier von General Electric (ISIN XS0794230507 / WKN A1G57J) mit einem jährlichen Kupon von 2,875 Prozent gut an. Investoren hätten sich zudem für eine Conti-Anleihe (ISIN XS0953199634 / WKN A1X24V) mit Rückzahlung im Juni 2018 und einem Zins von 3 Prozent interessiert. Eine Hornbach-Anleihe (ISIN DE000A1R02E0 / WKN A1R02E) mit einer Laufzeit bis Februar 2020 und einem Zins von 3,875 Prozent wandere ebenfalls verstärkt in die Anlegerdepots. "Die Abflüsse aus den Schwellenländern fließen vermutlich in diese Werte", meine Daniel. (31.01.2014/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de