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14.02.14 16:34
Anleihemarkt: Nervosität wie weggeblasen

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Von der Unruhe, die die Märkte noch in der Vorwoche beherrscht hatte, ist nichts mehr zu spüren, so die Deutsche Börse AG.

Aktienkurse würden steigen, Anleger würden wieder mutiger. Die Lage in den Schwellenländern habe sich beruhigt, die Währungen würden nicht mehr fallen. Dazu würden gute Nachrichten aus den USA und - mit Portugal sowie Italien - aus der Eurozone kommen.

Er sei zwar ohne Überraschungen gewesen, habe aber trotzdem für Erleichterung gesorgt: der erste öffentliche Auftritt von Janet Yellen als neue US-Notenbankchefin vor dem Kongress. "Die Märkte freuten sich, dass es in der sechsstündigen Veranstaltung zu keinerlei offensichtlichen Fehltritten kam und zeigten sich entsprechend wieder risikofreudiger", erkläre die HSH Nordbank.

Die Notenbank wolle die Anleiheankäufe weiter wie geplant reduzieren, über Zinserhöhungen werde nicht nachgedacht. Gut an sei auch eine weitere Meldung gekommen: "Mit einer knappen Mehrheit im Abgeordnetenhaus wurde am Dienstag in den USA die Aussetzung der Schuldengrenze bis März 2015 beschlossen", berichte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Weitere Kreditaufnahmen der Regierung seien damit möglich.

Arthur Brunner von ICF Kursmakler zufolge seien Anleihen aus der Europeripherie klare Gewinner der Woche gewesen: "Portugal testete die Aufnahmebereitschaft der Märkte mit einem zehnjährigen Bond. Die Orderbücher waren am Ende 9,7 Milliarden Euro schwer." 3 Milliarden Euro seien zugeteilt worden. Der Zinssatz habe bei 5,11 Prozent gelegen.

Im Mai 2013 habe Portugal für zehnjährige Anleihen noch fast 5,7 Prozent zahlen müssen. Wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandels GmbH berichte, seien auch ältere Portugal-Anleihen gesucht worden, etwa die bis 2017 laufende (ISIN PTOTELOE0010 / WKN A0NT4M), die bei einem Kurs von 103,45 Prozent mittlerweile nur noch mit 3,33 Prozent rentiere.

In Italien habe der bevorstehende Wechsel an der Regierungsspitze für neuen Optimismus gesorgt, wie Brunner ergänze. "Das ließ die Renditen der Staatsanleihen auf neue Rekordtiefs fallen." Bei einer Auktion am gestrigen Donnerstag habe das Land über drei Tranchen mit Fälligkeiten 2016, 2021 und 2044 insgesamt 7,5 Milliarden Euro eingesammelt. "Die Renditen lagen mit 1,41, 3,02 und 4,59 Prozent so niedrig wie nie zuvor."

Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) trete derweil auf der Stelle: Aktuell notiere der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 143,73 Punkten, vor einer Woche seien es 143,82 gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,675 Prozent abwerfen, vergangenen Freitag seien es 1,66 Prozent gewesen. "Die Richtungslosigkeit wirkt sich auch auf den Handel aus, es ist nicht mehr so viel los wie in den Vorwochen", bemerke Daniel.

Im Geschäft mit Unternehmensanleihen seien Air Berlin-Bonds (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C; ISIN DE000AB100E8 / WKN AB100E) derzeit sehr gefragt, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler feststelle. Alle Anleihen würden deutlich über Pari notieren. Begrüßt worden sei zuletzt, dass die Fluggesellschaft im Januar erstmals seit zwei Jahren wieder die Passagierzahlen habe steigern können.

Vor allem werde aber davon ausgegangen, dass der arabische Großaktionär Etihad Air Berlin nicht fallen lassen werde. Das im November fällige Papier (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) mit Kupon von 11,5 Prozent notiere derweil bei 105,85 Prozent, wie Gregor Daniel bemerke: "Da die Rückzahlung durch Gelder aus der neuen Anleihe quasi sicher ist, überzeugt die aktuelle Rendite von 3,3 Prozent offenbar viele Anleger."

Brunner zufolge habe es größere Kursbewegungen vor allem bei Hypo Alpe Adria (ISIN XS0272401356 / WKN A0G0JA) gegeben. "Nach wie vor sorgen uneinheitliche Aussagen seitens der Politik über eine mögliche Insolvenz für hohe Unsicherheit." Es gebe große Zweifel an der Sanierbarkeit der zwangsverstaatlichten Skandalbank, daher werde derzeit über eine Abwicklung diskutiert. Zulegen können habe laut Brunner auch eine Anleihe (ISIN XS0997664411 / WKN A1YCR7) der Deutsche Raststätten Gruppe. "Der Kurs stieg im Verlauf einer Woche von 106,45 auf 108 Prozent."

Die Hellwig Wertpapierhandelsbank könne für diese Woche keinen klaren Favoriten der Anleger ausmachen. "Erwähnenswert sind Käufe in Anleihen der Deutschen Bank (ISIN DE000A0DTY34 / WKN A0DTY3) sowie der Commerzbank (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) nach den guten Zahlen der Commerzbank." Weiterhin rege nachgefragt werde die im Dezember emittierte Anleihe (ISIN XS1002933072 / WKN A1ZATT) von HeidelbergCement.

Klaus Stopp von der Baader Bank zufolge seien ThyssenKrupp-Anleihen (ISIN DE000A1R08U3 / WKN A1R08U) gesucht gewesen, ebenso die erst im Januar emittierten BMW-Bonds (ISIN XS1015217703 / WKN A1ZB64) mit Laufzeit bis Januar 2024 und ca. 2,48 Prozent Rendite. "Zwei IKB-Anleihen (ISIN XS0194701487 / WKN A0BDRX; ISIN DE0008592759 / WKN 859275) machten einen Satz nach oben, Nachrichten dazu gab es aber nicht", erkläre Daniel.

Etwas erholen können habe sich Daniel zufolge die MS Deutschland-Anleihe (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V), die im Dezember wegen des Rückzugs der Bewertung durch die Ratingagentur Scope noch weiter unter Druck geraten sei. "Feri EuroRating wurde jetzt mit einer Einschätzung beauftragt. Das ist für den Verbleib im Handelssegment Entry Standard auch notwendig." Aktuell notiere das bis 2017 laufende Papier, das vor einem Jahr noch bei knapp 100 Prozent gehandelt worden sei, bei 63 Prozent. Das ergebe eine Rendite von 22 Prozent.

Am kommenden Montag beginne die Zeichnungsfrist für eine 25 Millionen Euro schwere Anleihe (ISIN DE000A1YC1F9 / WKN A1YC1F) des Produzenten von Motoren- und Getriebeteilen Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig, die im Entry Standard der Börse Frankfurt gelistet werden solle. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren biete diese eine Verzinsung von 7,5 Prozent.

Das Unternehmensrating von Creditreform sei auf BB- festgesetzt worden. Die Zeichnungsfrist ende voraussichtlich am 28. Februar um 12 Uhr. Zu den Kunden von Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig würden Unternehmensaussagen zufolge Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Daimler, Nissan und BMW gehören. (14.02.2014/alc/a/a)


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