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30.09.14 12:59
Credit Spreads bleiben stabil

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Aussicht auf ein überdurchschnittliches US-Wirtschaftswachstum bis zum Jahresende und die zu erwartende Reaktion der FED sprechen noch immer für eine Verflachung der US-Zinsstrukturkurve, bei der die Kurzfristzinsen stärker steigen als die Langfristzinsen ("Bear Flattening"), berichten die Experten von MFS Investment Management.

Zwar habe die Entwicklung der amerikanischen Staatsanleiherenditen ein wenig überrascht, doch würden die Experten nach wie vor ein Ende des Quantitative Easing in diesem und die ersten Zinserhöhungen im nächsten Jahr erwarten.

Zuletzt aber hätten zahlreiche Faktoren die amerikanischen Zehnjahresrenditen fallen lassen. Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Konflikte in der Ukraine, dem Irak und anderen Krisenherden hätten eine Flucht in die Qualität ausgelöst. Von allen sicheren Häfen würden amerikanische Treasuries die höchsten Renditen bieten. Sie könnten daher von der weltweiten Sparschwemme am stärksten profitieren.

Auch die deutschen Bundesanleiherenditen könnten für niedrige US-Renditen sorgen. Die FED werde ihre Geldpolitik zwar sukzessive straffen, aber die EZB werde immer expansiver. Dies dürfte niedrigere US-Renditen zur Folge haben als eine weltweit synchrone Geldpolitik. Aufgrund der unterschiedlichen Geldpolitik könnte es sich für internationale Investoren lohnen, US-Anleihen zugunsten kerneuropäischer Papiere unterzugewichten.

Mittelfristig spreche aber doch das meiste für steigende US-Renditen. Da die Fundamentaldaten von Credits weiter gut sind, bleiben die Experten von MFS Investment Management bei einer Übergewichtung von Spread-Produkten. Ihr Renditevorsprung dürfte Kursverluste abfedern, wenn die US-Staatsanleiherenditen irgendwann zu steigen beginnen würden. Da die Spreads aber recht eng seien, hätten die Experten in Qualitätstitel mit niedrigerem Beta umgeschichtet, damit ihre Portfolios unter einer möglichen Spreadausweitung weniger leiden würden.

Diese defensive Strategie habe sich im hochverzinslichen Unternehmensanleiheportfolio der Experten im Sommer ausgezahlt. Während des maßvollen und kurzen Ausverkaufs am High-Yield-Markt hätten Titel mit BB-Rating am wenigsten nachgegeben und sich seitdem am stärksten erholt. Das Risiko-Ertrags-Profil schwächerer High-Yield-Anleihen sei nach Ansicht der Experten noch immer weniger attraktiv.

Da der Ausverkauf am High-Yield-Markt alles andere als gleichmäßig gewesen sei, seien Chancen durch Bewertungsabschläge gegenüber stabileren Marktsegmenten entstanden. Weil solche Unterschiede in der Regel nicht dauerhaft seien, habe man schnell handeln müssen. Bewertungsabschläge gegenüber anderen Papieren würden aber noch nicht bedeuten, dass die Titel auch absolut gesehen günstig seien. Trotz der Kursrückgänge seien High-Yield-Anleihen im Vergangenheitsvergleich noch nicht wieder attraktiv bewertet.

Dass der Ausverkauf so schnell vorüber gewesen sei, zeige, wie stabil die Spreads zurzeit seien - und das trotz einiger Entwicklungen, die in anderen Zeiten durchaus für Unruhe gesorgt hätten. Zwar seien viele Auslöser einer Spreadausweitung vorstellbar, jedoch nur schwer, welches Ereignis für einen nachhaltigen Volatilitätsanstieg sorgen könnte.

Das schnelle Ende des Verkaufsdrucks habe auch technische Gründe gehabt. Die Verkäufe hätten aufgehört, als die Renditen leicht gestiegen seien und dies neue Käufer auf den Plan gerufen habe. In Zeiten mit künstlich niedrigen Staatsanleiherenditen schien es attraktiv, Junk Bonds zu Renditen zu kaufen, die noch vor fünf Jahren für hochwertige Investmentgradeanleihen üblich waren, so die Experten von MFS Investment Management. Aufgrund der anhaltenden Jagd nach Rendite habe es für eine Bodenbildung nicht viel gebraucht.

Beim Stichwort Markttechnik sei auch erwähnenswert, was den Ausverkauf überhaupt ausgelöst habe. Credit-Investoren mögen sich durchaus mit niedrigen risikoadjustierten Erträgen zufrieden geben, doch gibt es psychologisch wichtige Marken an Märkten, an denen Spreadausweitungen große Auswirkungen auf den Gesamtertrag haben, so die Experten von MFS Investment Management. In diesem Fall seien die Anleger nervös geworden, als die Yield-to-Worst (ohne Defaults) knapp unter 5% gefallen sei. Dies bestätige die Experten-Einschätzung, dass die Gesamtrendite für High-Yield-Investoren wichtiger als die Spreads sei. Die rekordverdächtig hohen Abflüsse aus High-Yield-Publikumsfonds würden nahe legen, dass Privatanleger eine Abstimmung mit den Füßen nicht scheuen würden, wenn die Renditen inakzeptabel niedrig seien.

Nach Ansicht der Experten von MFS Investment Management hatte der Ausverkauf mehr mit Bewertungen als mit Fundamentaldaten zu tun. Die Unternehmensgewinne und die Cashflows seien nach wie vor stabil und die Verschuldung sei nur leicht gestiegen. Da die Zinsdeckungsgrade noch immer hoch seien, würden die Experten nicht mit einem drastischen Anstieg der Zahlungsausfälle rechnen. (30.09.2014/alc/a/a)



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