Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Konjunkturdaten zementieren die zweigleisige Entwicklung der USA und Europa, so die Deutsche Börse AG.
"Der US-amerikanischen Wirtschaft geht es gut, während der Euroraum immer noch angeschlagen ist", beschreibe Arthur Brunner von der ICF-Bank. Das jüngste Stimmungstief der Konzerne aus der November-Befragung habe deutsche Staatsanleihen nach Verlusten wieder beflügelt. "Aktuell bringen zehnjährige Bundesanleihen eine Rendite von 0,78 Prozent." Auch die Bonds der Peripheriestaaten hätten sich trotz zahlreicher Verstöße gegen die Haushaltsdisziplin auf einem stabilen Niveau gehalten. "Anleger verlassen sich darauf, dass die EZB notfalls bereitstehen wird."
Eine Ausnahme bilde Griechenland. Für eine Befreiung aus den Zwängen des Rettungsschirms reiche es Brunner zufolge immer noch nicht. Anleger scheinen dies ähnlich zu sehen, so die Deutsche Börse AG. "Die Renditen zehnjähriger griechischer Bonds haben auf über 8 Prozent zugelegt."
Die EZB lote weiterhin kreativ die möglichen geldpolitischen Ansätze zur Ankurbelung der Kreditvergabe aus, wie Klaus Stopp bemerke. Im Rahmen der angedachten Staatsanleihenkäufe sei nach Beobachtung des Baader Bank-Analysten eine weitere Variante auf den Tisch gekommen. Zwei Wissenschaftler sprächen sich für die Schaffung einer synthetischen Euro-Staatsanleihe aus. Damit könne sich die EZB dem Vorwurf der Staatsfinanzierung entziehen.
"Aus diesem künstlichen Produkt würde wiederum ein abgeleitetes Wertpapier entstehen, das auf den sichersten 60 Prozent der Ursprungsanleihe beruht." Für Banken sei ein solches Konstrukt eigenkapitalneutral. Allerdings befürchte Stopp eine Erhöhung der Refinanzierungskosten für den deutschen Staat, da Bundesanleihen ihre Rolle als Benchmark einbüßen würden. Aus Sicht des Händlers hätten diese Folgen mittlerweile System. "Fast alle Überlegungen sind derart angelegt, Deutschland zum Zahlmeister zu küren."
Der negative Zins für Einlagen über 500.000 Euro mache derweil Schule. Nach Strafzinsen zwischen 0,2 und 0,25 Prozent von der DZ BANK Luxembourg und der Skatbank lege nun die Commerzbank mit einer so genannten "Guthabengebühr" nach. Privatanleger scheinen auf den ersten Blick nicht betroffen, so die Deutsche Börse AG.
Die Entwicklung russischer und ukrainischer Anleihen spiegele Stopp zufolge die nach wie vor angespannte Lage in der Ostukraine wider. Trotz Verzicht auf zusätzliche Sanktionen gegen Russland vonseiten der Europäischen Union hätten Anleihen dieser Staaten zum Teil neue Jahrestiefs erreicht, wie Stopp registriere. Etwa stünde mit 121,85 Prozent ein bis Juli 2018 laufender Bond (ISIN XS0089375249 / WKN 249138) der Russischen Föderation ebenso nahe seines 12-Monatstiefs wie eine im März 2030 fällige Anleihe (ISIN XS0114288789 / WKN 109370) bei einem Stand von 109,85 Prozent. Beide würden in US-Dollar notieren.
Eine ebenfalls auf US-Dollar lautende ukrainische Anleihe (ISIN XS0808758196 / WKN A1G7QA) mit vorgesehener Rückzahlung im Juli 2017 bewege sich mit 81,90 Prozent auf das Jahrestief von 80,90 Prozent zu. Dasselbe gelte für einen US-Dollar-Bond (ISIN XS0543783194 / WKN A1A1H7) aus Kiew mit Fälligkeit im September 2020. "Mit 78,75 Prozent hat der Wert sich wieder etwas von seinem Wochentief bei 78,00 Prozent erholt."
Hinter der steigenden Volatilität von Unternehmensanleihen vermute Brunner eine zunehmende Anlegernervosität. Etwa sei ein Bond (ISIN FR0010804500 / WKN A1AMPB) von Areva mit Fälligkeit im September 2024 und einer jährlichen Verzinsung von 4,875 Prozent innerhalb einer Woche von 112 Prozent auf zwischenzeitlich 101,5 Prozent gefallen. Aktuell sei die Anleihe für 105,5 Prozent zu haben. Nach dem Einkassieren der Ziele für 2014 und 2015 aufgrund anhaltender Probleme rund um den immer noch im Bau befindlichen finnischen Atomreaktor Olkiluoto 3 sei erst die Aktie und infolge die Anleihe des französischen Atomkonzerns eingebrochen. "Unternehmensnachrichten beeinflussen Bondkurse scheinbar stärker als in der Vergangenheit."
Ohne einen für Brunner ersichtlichen Grund bewege sich auch eine kündbare SeniVita-Anleihe (ISIN DE000A1XFUZ2 / WKN A1XFUZ) mit einem Zins bis zu 7 Prozent plus gewinnabhängige Komponente wie eine Achterbahn. "Innerhalb einer Woche standen Kurse zwischen 92 und 98 Prozent zu Buche." Derzeit notiere der Wert bei 96 Prozent.
Nach der fristgerechten Zinszahlung für eine Heckler & Koch-Schuldverschreibung (ISIN XS0626438112 / WKN A1KQ5P) am 15. November scheine die Skepsis der Anleger des Waffenproduzenten noch nicht ganz ausgeräumt, wie Annick Kleine von der Hellwig Wertpapierhandelsbank beobachte. Der mit jährlich 9,5 Prozent verzinste Wert mit Fälligkeit im Mai 2018 werde weiterhin zwischen 79 und 83 Prozent gehandelt.
Gut sechs Wochen vor dem Auslaufen der RUFO-Klausel bei argentinischen Staatsanleihen herrsche laut Kleine eine gewisse Grundspannung im Markt. Alt-Anleihen (ISIN DE0002466208 / WKN 246620, ISIN XS0084071421 / WKN 197356, ISIN DE0001340909 / WKN 134090, ISIN DE0001300200 / WKN 130020) würden hinzugewinnen. "Teilweise werden für hohe Kupons und längere Laufzeiten Kurse jenseits der 90 Prozent gezahlt." In 2005 und 2010 neu ausgegebene Bonds (ISIN XS0205545840 / WKN A0DUDG) hätten leicht verloren. "Die Nachrichtenlage ist aktuell wenig ergiebig." So mancher Anleger spekuliere auf den anstehenden Wechsel im Präsidentenstuhl im kommenden Jahr. "Hier steht die Frage im Raum, ob Christina Kirchner Fernandez ein "würdiger" Abgang ermöglicht wird, oder ob diese Präsidentschaft unerfreulich endet."
Bis voraussichtlich 24. November könnten Anleger eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A13R5N7 / WKN A13R5N) von German Pellets mit einem Kupon von 7,25 Prozent in einer Stückelung von 1.000 Euro zeichnen. Der weltweit größte Hersteller und Händler von Holzpellets ziele auf die Aufnahme von bis zu 100 Millionen Euro. Der Bond solle in den Prime Standard für Unternehmensanleihen der Frankfurter Wertpapierbörse aufgenommen werden. (21.11.2014/alc/a/a)
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