Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
06.01.15 16:31
Ausblick 2015: Politik der Zentralbanken wird die lokal herrschenden Wirtschaftsbedingungen weiter widerspiegeln

London (www.anleihencheck.de) - Regionale Divergenzen sind 2014 ein Schlüsselthema gewesen und wir erwarten, dass die Politik der Zentralbanken die lokal herrschenden Wirtschaftsbedingungen weiter widerspiegeln wird, so die Experten von Jupiter Asset Management (Jupiter AM).

In den USA habe sich die US-Notenbank (FED) mittlerweile von der quantitativen Lockerung verabschiedet. Die Bank of Japan weite indes ihre Anleihenkäufe aus und die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte im ersten Quartal des kommenden Jahres diesem Beispiel folgen.

Ebenso würden die Experten davon ausgehen, dass die jüngste Dollar-Stärke anhalten werde. Dies gelte umso mehr, wenn das Wachstum in den übrigen Teilen der Welt relativ verhalten bleibe und Anleger von möglichen Zinserhöhungen der FED ausgehen würden. Dies dürfte für die Schwellenmärkte zur Belastungsprobe werden. Die Exporteure in Europa und Japan könnten dagegen profitieren, wenn ihre Währungen gegenüber dem Dollar an Wert verlieren würden.

China möge mittlerweile zur größten Volkswirtschaft der Welt avanciert sein. Das dortige Wirtschaftswachstum verlangsame sich jedoch gerade und ändere sich in seiner Zusammensetzung, da das Land eine Neuausrichtung seiner wirtschaftlichen Grundstruktur anstrebe: Weg von der Exportabhängigkeit und hin zu einem stärkeren Binnenkonsum.

Der starke Rückgang der Ölpreisnotierungen in 2014 werde nahezu sicher auch noch in 2015 zu spüren sein. Er schlage sich bereits in einer zeitverzögerten "Steuersenkung" für Verbraucher auf der ganzen Welt nieder, wie vor allem viele Autofahrer nun feststellen könnten. Sollten die Preise allerdings noch länger auf niedrigem Niveau verharren, könnte dies einige Ölproduzenten weltweit ruinieren.

Sofern die USA und Großbritannien auf Wachstumskurs bleiben würden, würden die Experten ab 2015 mit dem Beginn zur Zinsnormalisierung rechnen. Dieser Prozess dürfte allerdings sehr langsam verlaufen.

Die amerikanische Wirtschaft habe sich in der zweiten Jahreshälfte 2014 recht dynamisch entwickelt. Wenn dies so bleibe, könnte dies auf eine Zinserhöhung seitens der FED deuten. Die Experten würden jedoch keine höheren Zinsen in 2015 erwarten und die Signale, die der US-Dollar zurzeit sende, mit Sorge betrachten.

Einerseits verbillige ein stärkerer Dollar für die USA die Importe und könnte so am Ende der FED den Kraftakt der geldpolitischen Straffung abnehmen. Grundsätzlich sollte ein festerer Dollar auch positiv für die Verbraucher und Unternehmen in den USA sein.

Andererseits stelle ein damit verbundener Rückgang der Ölpreise eine Bedrohung für die Schieferölbranche dar, die in den letzten Jahren maßgeblich zum US-Wachstum beigetragen habe. Am meisten Sorge bereite den Experten jedoch, dass der steigende Dollar womöglich die derzeitige Schwäche der Schwellenländer noch verstärken und China zusätzlich belasten könnte. Dies könnte 2015 ein Thema sein.

Bei der Eurozone würden die Experten vorsichtig bleiben. Die wirtschaftliche Entwicklung dort verlaufe weiterhin schleppend und die Ergebnisse der jüngsten Bankenstresstests dürften kaum zu einer stärkeren Kreditvergabe führen. Fehlende Nachfrage stelle nach wie vor ein zentrales Problem in Europa dar. Nach Meinung der Experten werde die EZB im Kampf gegen die Deflation daher letztlich nicht umhinkommen, direkte Anleihenkäufe zu tätigen. Die Hürde für diese Maßnahme dürfte allerdings höher sein, als die Märkte derzeit glauben würden.

In der Zwischenzeit dürfte die EZB ihr Kaufprogramm ausweiten und auch Unternehmensanleihen ankaufen. Die britische Wirtschaft könnte derweil wegen der anhaltenden Probleme in der Eurozone an Fahrt verlieren, denn immerhin ende dort rund die Hälfte der britischen Exporte. Weil 2015 in Großbritannien Wahljahr sei, würden die Experten zudem ein politisches Risiko sehen.

Beide großen Parteien würden für die nächste Legislaturperiode einen ausgeglichenen Haushalt (wenngleich auf unterschiedlichen Wegen) planen - in einer Zeit, in der die Bank of England scheinbar einen Rückzug aus ihrer expansiven Geldpolitik erwäge. Dies könnte dem Privatsektor einen doppelten Schlag versetzen, weshalb Notenbankgouverneur Mark Carney seine Zinserhöhungsabsichten für das nächste Jahr vielleicht noch einmal überdenken könnte. Dem Pfund Sterling könnten daher turbulente Zeiten bevorstehen, welches einer der Gründe sei, das Engagement der Experten im US-Dollar beizubehalten.

In einem Umfeld von niedrigem Wirtschaftswachstum in Europa würden die Experten derzeit vermehrt Spekulationen sehen, dass im Kampf gegen Deflation und Euro-Stärke das Instrument der quantitativen Lockerung (QL) eingesetzt werden könnte. Niemand wisse, wie umfangreich solche QL-Maßnahmen ausfallen würden, wann genau die EZB handeln werde und ob überhaupt der gewünschte Effekt für die europäische Wirtschaft eintrete. Nach Ansicht der Experten sei jedoch klar, dass dies die Aktienmärkte stützen und den Euro schwächen dürfte. Das Portfolio der Experten bleibe daher schwerpunktmäßig auf Unternehmen ausgerichtet, die ihren Umsatz zu einem Großteil im Ausland erwirtschaften und über diversifizierte Endmärkte verfügen würden.

2013 seien die Aktienmärkte ohne einen entsprechenden Anstieg der Gewinne gestiegen. Dies habe zur Folge gehabt, dass die Aktienkurse in 2014 größtenteils vom Gewinnwachstum abhängig gewesen seien. Insofern würden die Experten weiterhin auf Unternehmen setzen, die sich durch Preismacht und die Fähigkeit auszeichnen würden, stärker zu wachsen als die zugrunde liegende Wirtschaft.

Die Experten würden dabei jedoch nach wie vor auf die Bewertungen achten, ihre Barmittel sukzessive investieren und auch nur dort, wo sie attraktive Einstiegspunkte erkennen könnten. Für die Experten stelle dies weiterhin den besten Ansatz dar, um für ihre Kunden die angestrebte Outperformance zu erzielen.

Die Aktien aus Schwellenländern scheinen in den letzten Jahren einiges von ihrem Glanz verloren zu haben, so die Experten von Jupiter AM. Dabei hätten die Anlageklasse gleich mehrere Sorgen belastet - von den Auswirkungen einer restriktiveren US-Geldpolitik und eines stärkeren Dollars bis hin zur Wachstumsverlangsamung in China und dem erhöhten geopolitischen Risiko in einigen Märkten.

Allerdings würden die Experten glauben, dass ein Großteil der Vorsicht bereits in den Kursen eingepreist sei. Infolge der jüngsten Marktvolatilität sehe es so aus, als ob die meisten Schwellenmarktaktien jetzt deutlich unter ihrem langfristigen Bewertungsdurchschnitt notieren würden. Auf diesem Niveau würden sie nach Erachten der Experten eine gute Kaufgelegenheit bieten.

Es gebe auch jenseits des Bewertungsniveaus Gründe optimistisch zu sein. So würden die meisten Schwellenländer mittlerweile eine Kombination aus niedrigerer Verschuldung, günstiger Demografie und steigendem Konsum aufweisen, die die Grundlage für eine starke langfristige Nachfrage schaffen dürfte. Mit Blick auf Indien zum Beispiel, würden die Experten glauben, dass sich die dortigen Reformen dauerhaft positiv auf die Wirtschaft und das Investitionsklima im Land auswirken würden.

Eine Ausnahme sei vielleicht China, wo die wirtschaftliche Entwicklung durch den rapiden Schuldenanstieg in den letzten Jahren und ein weniger günstiges Demografieprofil (alternde Bevölkerung) beeinträchtigt werden könnte. Eine Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums bringe sicherlich Gefahren mit sich. Auf der anderen Seite fange nach Erachten der Experten das Land gerade an, sich von seinem investitionsgetriebenen Wachstumsmodell zugunsten einer stärker konsumorientierten Wirtschaft zu verabschieden. Diese "Neuausrichtung" würden die Experten in Bezug auf die langfristige Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft für unerlässlich halten und sollte daher viele attraktive Anlagegelegenheiten eröffnen.

In den aufstrebenden Märkten gebe es zahlreiche Unternehmen, die sich schneller weiterentwickeln würden als ihre Industrieländer-Pendants, aber nicht so gründlich untersucht seien. Folglich könnte eine fundamental getriebene Bottom-up-Analyse, wie die Experten sie betreiben würden, unter Umständen einen noch größeren Mehrwert generieren.

Außerdem würden die Experten glauben, dass man durch die Anlage in Schwellenmarktaktien in der Lage sei, an der Entwicklung vieler globaler Branchenführer von morgen zu partizipieren. In den vergangenen 20 Jahren hätten es beispielsweise einige Elektronikunternehmen in Südkorea und Taiwan geschafft, von relativ kleinen und wenig rentablen Betrieben zu Weltmarktführern in ihrem jeweiligen Bereich aufzusteigen.

Die letzten Monate des Jahres 2014 hätten für Anleger in Japan viele Überraschungen gebracht. So habe die Bank of Japan Ende Oktober ihren geldpolitischen Stimulus ausgeweitet, der staatliche Pensionsfonds GPIF sein Engagement in inländischen Aktien erhöht und Premierminister Abe die nächste geplante Verbrauchssteueranhebung auf 10 Prozent (derzeit 8 Prozent) von Oktober 2015 auf April 2017 verschoben.

Der Aufschub sei aufgrund von deutlich schwächeren Konjunkturdaten erfolgt, denen zufolge das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal unerwartet um 1,9 Prozent (annualisiert) geschrumpft sei. Parallel dazu habe Abe überraschend vorgezogene Neuwahlen ausgerufen, die am 14. Dezember abgehalten und von der regierenden LDP-Partei und ihrem Koalitionspartner mit einer Zweidrittelmehrheit im Unterhaus sicher gewonnen worden seien.

2015 dürfte sich der politische Fokus in Richtung Reformen verschieben, konkret vor allem Haushalts- und Strukturreformen. Nach seinem guten Wahlergebnis scheine sich Abe jetzt in einer starken Ausgangsposition zu befinden, um gleich zu Beginn des neuen Jahres bedeutende und möglicherweise umstrittene Neuerungen durchzusetzen. Noch lasse sich kaum erkennen, wo die Abe-Regierung ihre politischen Schwerpunkte setzen wolle. Die Experten würden aber beispielsweise mit einer Forcierung der Transpazifischen Partnerschaft (TPP), einer Reform des Sozialversicherungssystems und des Arbeitsmarktes sowie Steuersenkungen im Unternehmensbereich rechnen.

Die Unternehmensgewinne in Japan dürften weiter steigen. Immerhin seien die Zwischenergebnisse weit besser ausgefallen als allgemein prognostiziert. Hinzu komme der schwache Yen, sodass die Unternehmen nach Erachten der Experten ihren Wachstumskurs in der ersten Jahreshälfte 2015 fortsetzen dürften. Die Währungsschwäche dürfte zudem viele Touristen nach Japan locken, insbesondere aus Nachbarländern wie China, Taiwan oder Südkorea. Ein anhaltender Anstieg im Tourismus sollte binnenmarktorientierten Unternehmen wie Einzelhändlern und Reiseanbietern zugute kommen.

Daneben würden sich japanische Unternehmen weiter um eine Verbesserung der Aktionärserträge bemühen. Zwischendividenden hätten sich zuletzt auf einem Rekordniveau befunden und bis Ende November 2014 habe die Zahl der Unternehmen, die ihre eigenen Aktien zurückkaufen würden, den Gesamtstand für das vorherige Geschäftsjahr (bis März) bereits übertroffen. Ferner habe Japan beschlossen, seinen neuen Corporate-Governance-Kodex im Juni 2015 einzuführen. Dieser sehe unter anderem vor, dass alle börsennotierten Unternehmen über mindestens zwei externe Verwaltungsratsmitglieder verfügen würden.

Der japanische Aktienmarkt könnte aufgrund der Tatsache, dass der GPIF neben der Bank of Japan einheimische Aktien im großen Stil erwerbe und die Unternehmen jährlich rund 3 Billionen Yen an eigenen Aktien zurückkaufen würden, für 2015 eine attraktive Dynamik versprechen. (06.01.2015/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de